Russlands Hoffnungsträger MC-21 wartet weiter auf den Linienbetrieb

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

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Russland will seine zivile Luftfahrt unabhängiger von Airbus und Boeing machen. Eine Schlüsselrolle soll dabei der Mittelstreckenjet MC-21 spielen. Doch obwohl Anfang August erstmals ein vollständig mit russischen Systemen ausgerüstetes Flugzeug aus der Serienfertigung abhob, ist der Weg in den regulären Passagierbetrieb noch nicht abgeschlossen. Die Zertifizierung der weitgehend importsubstituierten Version läuft weiter, erste Übergaben an Fluggesellschaften haben sich gegenüber früheren Planungen erheblich verschoben.

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Damit bleibt Russlands zivile Luftfahrt bei der Erneuerung ihrer Flotte unter erheblichem Zeitdruck. Seit westliche Hersteller nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 ihre regulären Lieferungen und viele Wartungsleistungen eingestellt haben, muss die Branche stärker auf eigene Flugzeuge, Komponenten und Triebwerke setzen. Der MC-21 ist deshalb nicht nur ein Industrieprojekt, sondern ein zentraler Baustein der russischen Luftfahrtstrategie.

Erster Serienjet flog erst Anfang August

Am 3. August absolvierte der erste nach Serientechnologien gefertigte und vollständig importsubstituierte MC-21-310 seinen Erstflug vom Flugzeugwerk in Irkutsk. Nach Angaben des staatlichen Flugzeugbaukonzerns UAC dauerte der Flug eine Stunde und 23 Minuten. Dabei wurden unter anderem Flugverhalten und russische Bordsysteme überprüft.

Am 13. August wurde die Maschine anschließend von Irkutsk zum Flugforschungszentrum Schukowski bei Moskau überführt. Dort sollen weitere Kontrollen und Arbeiten vor einer späteren Übergabe erfolgen. Der Flug von mehr als 4.000 Kilometern zeigt, dass das Programm inzwischen deutlich über reine Prototypentests hinausgekommen ist. Eine reguläre Auslieferung an eine Fluggesellschaft war damit jedoch noch nicht erfolgt.

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Auch von einem vollständigen Stillstand der Fertigung kann keine Rede sein. Rostec erklärte Anfang August, dass sich im Werk Irkutsk 18 MC-21 in unterschiedlichen Stadien der Fertigung befänden. Diese Flugzeuge sind für die erste größere Auslieferungsserie vorgesehen.

Zertifizierung verschiebt den Zeitplan

Das zentrale Problem bleibt der Zeitplan. Ursprünglich sollte der MC-21 wesentlich früher in größeren Stückzahlen in den kommerziellen Betrieb gehen. Bereits für 2024 waren in früheren russischen Planungen mehrere Auslieferungen vorgesehen. Diese Ziele wurden mehrfach nach hinten verschoben. Rostec hatte 2024 eingeräumt, dass der Serienhochlauf nicht wie geplant erfolgen werde.

Im Mai 2026 wurde dann bekannt, dass die Zertifizierung der aktuellen MC-21-Konfiguration bis Juni 2027 vorgesehen ist. Die Zertifizierung ist notwendig, weil zahlreiche ursprünglich vorgesehene westliche Komponenten durch russische Systeme ersetzt worden sind. Dadurch musste die technisch veränderte Flugzeugversion erneut umfangreiche Prüfungen absolvieren.

Noch Anfang August erklärte das russische Industrieministerium, dass mehr als die Hälfte der vorgesehenen Zertifizierungsflüge absolviert sei. Serienmaschinen sollen erst nach Abschluss des Verfahrens an Fluggesellschaften übergeben werden.

Sanktionen machten eine umfassende Neuentwicklung nötig

Der MC-21 war ursprünglich als international konkurrenzfähiger Mittelstreckenjet entwickelt worden. Die ersten Versionen griffen dabei auf zahlreiche Komponenten aus dem Ausland zurück. Dazu gehörten unter anderem Triebwerke von Pratt und Whitney sowie weitere westliche Systeme.

Bereits vor 2022 hatten US-Sanktionen die Beschaffung bestimmter Verbundwerkstoffe für die Tragflächen erschwert. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine verschärfte sich die Situation erheblich. Russland musste zahlreiche Bauteile ersetzen und Lieferketten neu aufbauen. Beim aktuellen MC-21-310 kommen unter anderem die russischen PD-14-Triebwerke zum Einsatz.

Die Folgen betreffen nicht allein den MC-21. Russlands Fluggesellschaften betreiben weiterhin zahlreiche Airbus- und Boeing-Maschinen. Wegen der Sanktionen ist der Zugang zu Originalersatzteilen und Herstellerservices jedoch stark eingeschränkt. Russische Unternehmen versuchen deshalb, Flugzeuge länger im Einsatz zu halten und Ersatzteile über alternative Lieferwege zu beziehen. Gleichzeitig soll die heimische Flugzeugindustrie schneller neue Maschinen bereitstellen.

18 MC-21 für Aeroflot sind bestellt

Der Bedarf an neuen Flugzeugen ist entsprechend groß. Die russische Regierung bestätigte Anfang 2026 eine Bestellung von 18 MC-21 für Aeroflot. Darüber hinaus liefen nach Regierungsangaben Gespräche über bis zu 200 weitere Flugzeuge bis 2033.

Auch die ersten konkreten Liefertermine zeigen inzwischen, wie weit sich der Zeitplan nach hinten verschoben hat. In einem im Juli 2026 angepassten Regierungsdokument sind Abnahmen erster MC-21 Ende 2026 und Übergaben an den Betreiber ab Januar 2027 vorgesehen. Weitere Maschinen verteilen sich über das Jahr 2027. Ob alle dort aufgeführten Termine eingehalten werden können, hängt unter anderem vom Abschluss der Zertifizierung ab.

Frühere staatliche Planungen waren deutlich ambitionierter. In der russischen Luftfahrtstrategie waren einmal sechs MC-21 für 2024, zwölf für 2025 und 22 für 2026 vorgesehen. Diese ursprüngliche Produktionskurve wurde nicht erreicht.

MC-21 bleibt Schlüsselprojekt für Russlands Luftfahrt

Der Erstflug der ersten Maschine aus der Serienfertigung ist deshalb ein wichtiger Fortschritt für das Programm, beendet die Verzögerungen aber nicht. Entscheidend wird sein, wann die Zertifizierung abgeschlossen wird und wie schnell aus den derzeit im Werk befindlichen Flugzeugen tatsächlich ausgelieferte Verkehrsmaschinen werden.

Für Russland ist die Frage besonders relevant, weil der MC-21 langfristig einen Teil der heute eingesetzten westlichen Mittelstreckenflugzeuge ersetzen soll. Solange keine kontinuierliche Serienauslieferung erreicht ist, bleibt die Modernisierung der russischen Passagierflotte jedoch deutlich hinter früheren staatlichen Produktionsplänen zurück.

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