Siemens Energy erhält Milliardenauftrag für Kanadas Atomkraftwerk Pickering

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Siemens Energy ist an einem Milliardenauftrag für die Modernisierung des Kernkraftwerks Pickering in der kanadischen Provinz Ontario beteiligt. Ein Konsortium aus dem deutschen Energietechnikkonzern und dem kanadischen Bauunternehmen Aecon hat von Ontario Power Generation einen Auftrag im Wert von 1,3 Milliarden kanadischen Dollar erhalten. Im Mittelpunkt stehen Turbinen und Generatoren der vier Reaktorblöcke 5 bis 8. Wie viel vom Auftragsvolumen auf Siemens Energy entfällt, wurde nicht veröffentlicht.

14 neue Turbinenrotoren für Pickering

Der Auftrag gehört zum sogenannten Turbine Generator Replacement Project, kurz TGR. Nach Angaben von Aecon sollen insgesamt 14 neue Rotoren für Dampfturbinen installiert werden. Hinzu kommen die Überholung von vier Generatoren einschließlich einer neuen Statorwicklung sowie neue Hilfssysteme und Systeme zur Steuerung und Überwachung der Anlagen.

Aecon hält nach eigenen Angaben die Mehrheit an dem Konsortium und übernimmt unter anderem Bauleistungen und die Materialbeschaffung. Siemens Energy hatte bereits zuvor erklärt, für die Modernisierung Dampfturbinen, Generatoren und Steuerungssysteme herzustellen und zu installieren.

Damit ist Siemens Energy an einem zentralen Teil des Refurbishment-Programms beteiligt. Ontario Power Generation plant neben den Arbeiten an Turbinen und Generatoren unter anderem den Austausch von Brennstoffkanälen, Speiseleitungen und insgesamt 48 Dampferzeugern.

OPG investiert Milliarden in Laufzeitverlängerung

Ontario Power Generation, kurz OPG, ist Betreiber des Kernkraftwerks und Auftraggeber der Modernisierung. Das Unternehmen will die Blöcke 5 bis 8 grundlegend erneuern, damit sie nach Abschluss der Arbeiten mehr als drei weitere Jahrzehnte Strom erzeugen können.

OPG beziffert die Gesamtkosten des Refurbishment-Projekts einschließlich Finanzierung und Preissteigerungen auf 26,8 Milliarden kanadische Dollar auf Preisbasis 2024. Nach Angaben des Unternehmens sollen durch die Modernisierung mehr als 2.100 Megawatt CO₂-armer Kraftwerksleistung für mindestens weitere 30 Jahre gesichert werden.

Neben dem Auftrag an Aecon und Siemens Energy wurde ein weiterer Großvertrag vergeben. Ein Gemeinschaftsunternehmen von Aecon und AtkinsRéalis erhielt einen Auftrag über 1,7 Milliarden kanadische Dollar für Arbeiten am Reaktorblock 5. Beide am 21. September veröffentlichten Verträge kommen damit zusammen auf rund drei Milliarden kanadische Dollar.

Arbeiten sollen Anfang 2027 beginnen

Die Blöcke 5 bis 8 sollen im September 2026 vom Netz genommen und für die Modernisierung vorbereitet werden. Der Beginn der eigentlichen Ausführungsphase ist für Januar 2027 vorgesehen. Voraussetzung sind die noch notwendigen regulatorischen Genehmigungen.

Die kanadische Atomaufsicht CNSC befasst sich derzeit mit dem Antrag von OPG auf eine neue Betriebsgenehmigung. Der zweite Teil der öffentlichen Anhörung ist für den 6. bis 9. Oktober 2026 in Ajax in Ontario vorgesehen. OPG plant, die modernisierten Blöcke 5 bis 8 Mitte der 2030er-Jahre wieder kommerziell in Betrieb zu nehmen.

Die Dimension des Projekts reicht damit weit über den jetzt vergebenen Turbinengenerator-Auftrag hinaus. Nach OPG-Angaben sollen insgesamt 1.520 Brennstoffkanäle und 48 Dampferzeuger ersetzt werden. Auch umfangreiche Arbeiten an Infrastruktur und Hilfssystemen sind vorgesehen.

Siemens Energy sitzt auf Rekordauftragsbestand

Für Siemens Energy trifft der kanadische Auftrag auf einen bereits außergewöhnlich hohen Auftragsbestand. Zum Ende des dritten Geschäftsquartals am 30. Juni 2026 lag dieser konzernweit bei einem Rekordwert von 162 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 136 Milliarden Euro.

Allein im dritten Quartal gingen bei Siemens Energy neue Aufträge im Wert von 17,9 Milliarden Euro ein. Der Umsatz lag bei 11,4 Milliarden Euro. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz, die sogenannte Book-to-Bill-Ratio, lag bei 1,57. Siemens Energy erklärte bei Vorlage der Zahlen Anfang August, dass vor allem die starke Nachfrage aus den USA zum Auftragseingang beigetragen habe.

Das Ergebnis vor Sondereffekten lag im dritten Quartal bei 1,623 Milliarden Euro nach 497 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der freie Cashflow vor Steuern lag bei 2,319 Milliarden Euro.

Ob und in welcher Höhe der Pickering-Auftrag bereits im Auftragsbestand von Siemens Energy berücksichtigt ist, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor. Auch der konkrete finanzielle Anteil des Konzerns am 1,3 Milliarden kanadische Dollar schweren Konsortialauftrag wurde bislang nicht ausgewiesen.

Siemens-Energy-Aktie 2026 weiter deutlich im Plus

Die Siemens-Energy-Aktie beendete den Xetra-Handel am Freitag, 25. September 2026, bei 142,60 Euro. Der Schlusskurs wurde um 17.35 Uhr festgestellt. Gegenüber dem Vortag entsprach das einem Plus von 0,35 Prozent. Das Tageshoch lag bei 146,76 Euro, das Tagestief bei 142,54 Euro.

Seit Jahresbeginn lag die Kursentwicklung damit bei rund plus 18,4 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten lag das Plus zum Schlusskurs vom 25. September bei rund 46,8 Prozent. Gleichzeitig notierte die Aktie deutlich unter ihrem zwischenzeitlichen 52-Wochen-Hoch von 191,66 Euro.

Der neue Auftrag aus Kanada erweitert damit die langfristige Projektbasis des Energietechnikkonzerns. Wegen der Konsortialstruktur lässt sich aus dem Gesamtvolumen von 1,3 Milliarden kanadischen Dollar allerdings nicht unmittelbar ableiten, welchen Umsatz oder Ergebnisbeitrag Siemens Energy daraus erzielen wird.

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