Sindbis-Fieber erstmals bei einem Menschen in Deutschland nachgewiesen

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Erstmals ist bei einem Menschen eine in Deutschland erworbene Erkrankung durch das Sindbis-Virus nachgewiesen worden. Betroffen ist ein 60 Jahre alter Mann aus Baden-Württemberg. Der Fall zeigt, dass das bereits seit Jahren in deutschen Stechmücken und Wildvögeln nachgewiesene Virus auch hierzulande auf Menschen übertragen werden kann. Hinweise auf ein größeres Ausbruchsgeschehen gibt es bislang nicht.

Der Mann erkrankte nach Angaben des Robert Koch-Instituts am 12. Juli 2026. Die Infektion wurde im September nach weiteren Laboruntersuchungen nachgewiesen. Zunächst war auch eine Chikungunya-Infektion in Betracht gezogen worden, weil der Patient in einem Gebiet mit etablierten Populationen der Asiatischen Tigermücke lebt. Bei der erweiterten Diagnostik wurde schließlich das Sindbis-Virus festgestellt.

Sindbis-Virus war in Deutschland bereits bekannt

Neu ist nicht das Vorkommen des Erregers in Deutschland, sondern der bestätigte Zusammenhang mit einer Erkrankung beim Menschen. Das Sindbis-Virus wurde bereits 2009 in Stechmücken am Oberrhein nachgewiesen. Untersuchungen zeigten später außerdem Antikörper gegen den Erreger bei heimischen Vögeln. Auch bei Blutspendern aus der Umgebung von Weinheim waren in früheren Untersuchungen Antikörper gefunden worden, die auf zurückliegende Infektionen hindeuteten. Ein klinisch bestätigter, in Deutschland erworbener Erkrankungsfall war bislang jedoch nicht beschrieben worden.

Das Sindbis-Virus gehört zur Gruppe der Alphaviren. Sein natürlicher Übertragungszyklus verläuft vor allem zwischen Vögeln und Stechmücken. Als wichtige Überträger auf Menschen gelten insbesondere Mücken der Gattungen Culex und Culiseta. Das Virus ist auch aus weiteren Mückengattungen isoliert worden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bislang nicht nachgewiesen.

Diese Symptome kann Sindbis-Fieber verursachen

Eine Infektion führt nicht zwangsläufig zu Beschwerden. Treten Symptome auf, beginnen sie nach Angaben des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten meist innerhalb etwa einer Woche. Typisch sind Fieber, ein häufig juckender Hautausschlag und Gelenkschmerzen. Besonders betroffen sein können Handgelenke, Hüften, Knie und Knöchel. Hinzukommen können Kopf- und Muskelschmerzen sowie Übelkeit.

Fieber und Hautveränderungen verschwinden häufig innerhalb weniger Tage bis Wochen. Gelenkbeschwerden können dagegen länger anhalten und sich über Wochen oder in einzelnen Fällen über Monate hinziehen. Eine spezielle antivirale Therapie gegen das Sindbis-Fieber gibt es nicht. Behandelt werden die Beschwerden, beispielsweise Schmerzen oder Juckreiz. Auch ein Impfstoff steht derzeit nicht zur Verfügung.

Das Robert Koch-Institut rät Ärztinnen und Ärzten nach dem ersten bestätigten deutschen Erkrankungsfall, während der Stechmückensaison bei Menschen mit Fieber, Hautausschlag und ausgeprägten Gelenkschmerzen auch eine Sindbis-Infektion in Betracht zu ziehen.

Nordeuropa ist seit Langem betroffen

Das Sindbis-Virus in Deutschland ist Teil eines wesentlich größeren Verbreitungsgebiets. Der Erreger kommt in verschiedenen Regionen Europas, Afrikas, Asiens und Australiens vor. Innerhalb Europas liegt ein Schwerpunkt in Nordeuropa. Das ECDC bezeichnet das Sindbis-Fieber dort als endemisch. Die meisten Erkrankungen werden im Spätsommer beobachtet, wenn die Zahl der relevanten Stechmücken besonders hoch ist.

Besonders gut dokumentiert ist die Situation in Finnland. Dort wird die Erkrankung als Pogosta-Krankheit bezeichnet. Im Jahr 2021 registrierten die finnischen Behörden 566 laborbestätigte Fälle. Untersuchungen zeigten damals zudem eine geografische Ausweitung der Erkrankungen. In Schweden ist das Krankheitsbild auch unter dem Namen Ockelbo-Krankheit bekannt. Die Fallzahlen können von Jahr zu Jahr erheblich schwanken.

Für Deutschland ergibt sich aus dem ersten bestätigten Fall dagegen noch kein Hinweis auf eine vergleichbare Situation. Das RKI hatte den Schwerpunkt seiner Überwachung mückenübertragener Erkrankungen 2026 vor allem auf das bereits etablierte West-Nil-Virus sowie auf mögliche Übertragungen von Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren durch die sich ausbreitende Asiatische Tigermücke gelegt. Der Sindbis-Fall erweitert nun das Spektrum der nachgewiesenen heimischen Übertragungen.

Mückenschutz bleibt die wichtigste Vorsorge

Da weder eine Impfung noch eine vorbeugende medikamentöse Behandlung verfügbar ist, besteht der Schutz vor Sindbis-Fieber vor allem darin, Mückenstiche zu vermeiden. Das ECDC empfiehlt unter anderem Mückenschutzmittel, möglichst bedeckende Kleidung und Moskitonetze. Besonders relevant ist der Schutz in Regionen und Jahreszeiten mit hoher Mückenaktivität.

Der bestätigte Fall bedeutet nicht, dass das Sindbis-Fieber nun verbreitet in Deutschland auftritt. Er belegt jedoch erstmals unmittelbar, dass ein Mensch nach einer hierzulande erworbenen Infektion erkrankt ist. Da das Virus bereits zuvor in deutschen Mücken und Wildvögeln gefunden worden war, ist grundsätzlich mit weiteren einzelnen Infektionen zu rechnen. Wie häufig solche Übertragungen tatsächlich vorkommen, lässt sich derzeit nicht beziffern.

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