Schülerproteste erfassen Frankreich: Viele Gymnasien schließen

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In Frankreich weitet sich die Protestbewegung an Gymnasien weiter aus. Am Donnerstag, 1. Oktober, wurden landesweit rund 900 Aktionen im Umfeld von Schulen registriert. Für Freitag haben mehrere Behörden und Schulleitungen angekündigt, betroffene Gymnasien geschlossen zu halten oder den Unterricht vorübergehend ins Internet zu verlagern. Eine landesweit bestätigte Zahl von mehr als 400 geschlossenen Gymnasien für Freitag lag am Donnerstagabend jedoch nicht vor.

Die Schülerproteste in Frankreich richten sich vor allem gegen fehlende Lehrkräfte, überfüllte Klassen, sanierungsbedürftige Schulgebäude und nach Ansicht der Demonstrierenden unzureichende Mittel für das öffentliche Bildungssystem. Aus zunächst regionalen Aktionen im Großraum Paris ist innerhalb weniger Tage eine landesweite Bewegung entstanden. Besonders sichtbar waren die Proteste zunächst im Département Seine-Saint-Denis und an weiteren Schulen rund um Paris. Inzwischen gibt es Aktionen auch in zahlreichen anderen französischen Städten.

Rund 900 Aktionen an französischen Schulen

Am Donnerstag erreichte die Mobilisierung einen neuen Umfang. Rund 900 Aktionen wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen an oder vor Gymnasien registriert. Betroffen waren unter anderem Paris, Lille, Marseille, Nantes, Toulouse und Straßburg. Auch Studierende mehrerer Hochschulen schlossen sich Protesten an.

Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass 900 Schulen vollständig geschlossen waren. Unter den erfassten Aktionen befanden sich Blockaden, Versammlungen und andere Protestformen. Bereits zuvor hatten Gewerkschaften und Behörden unterschiedliche Zahlen genannt. Die Union syndicale lycéenne hatte für Dienstag etwa 400 blockierte Gymnasien angegeben. Das Bildungsministerium hatte am selben Tag deutlich weniger vollständig blockierte Einrichtungen erfasst und insgesamt 316 betroffene Schulen gemeldet.

Mehrere Regionen schließen Schulen am Freitag

Fest steht dagegen, dass zahlreiche Gymnasien am Freitag, 2. Oktober, ihre Schülerinnen und Schüler nicht regulär empfangen werden. Die Entscheidungen werden bislang überwiegend regional getroffen und betreffen besonders Einrichtungen, an denen es zuvor zu Blockaden, Sachschäden oder Sicherheitsproblemen gekommen war.

In der südostfranzösischen Region Isère kündigte die Präfektur die Schließung von 29 Gymnasien an. Der Unterricht soll dort nach Möglichkeit auf Distanz fortgesetzt werden. Auch in der Normandie wurden für zahlreiche Einrichtungen entsprechende Maßnahmen angekündigt. Im Département Haute-Garonne sollen nach Angaben der örtlichen Behörden ebenfalls mehrere Gymnasien am Freitag keinen normalen Präsenzunterricht anbieten.

Auch in weiteren Städten wurden einzelne Schulschließungen angekündigt. Ein vollständiger landesweiter Überblick für Freitag lag am Donnerstagabend noch nicht vor.

Schüler verlangen mehr Personal und bessere Bedingungen

Der Protest hatte sich zunächst an konkreten Problemen einzelner Schulen entzündet. Schülerinnen und Schüler kritisieren fehlende oder nicht ersetzte Lehrkräfte, große Klassen und den Zustand von Gebäuden und Unterrichtsräumen. Teilweise werden außerdem lange Schultage, hohe Arbeitsbelastung und die Organisation des Schulalltags kritisiert.

Am Lycée Paul Éluard in Saint-Denis, einem der zentralen Orte der bisherigen Mobilisierung, protestierten Schülerinnen und Schüler unter anderem gegen überfüllte Klassen, fehlende Vertretungen bei Lehrerausfällen sowie den Zustand von Gebäuden und Ausstattung. Beschäftigte mehrerer Schulen in Seine-Saint-Denis unterstützten Forderungen nach zusätzlichen Mitteln für das Bildungssystem.

Die Proteste fielen zugleich in eine Phase größerer Auseinandersetzungen über den französischen Staatshaushalt und die Finanzierung öffentlicher Dienste. Am Dienstag hatten Beschäftigte des öffentlichen Dienstes landesweit gestreikt. Die Schülerbewegung entwickelte sich jedoch aus eigenen Forderungen rund um die Situation an den Schulen.

Regierung ordnet Distanzunterricht an

Bildungsminister Édouard Geffray reagierte am Donnerstag auf die Ausweitung der Proteste. Schulen, die Schülerinnen und Schüler wegen Blockaden oder Schäden nicht sicher empfangen könnten, sollen demnach Unterricht auf Distanz anbieten. Damit solle der Unterricht auch dort fortgesetzt werden, wo Präsenzunterricht vorübergehend nicht möglich ist.

Geffray kündigte außerdem an, am Freitag Vertreter von Schülerorganisationen und Elternverbänden zu empfangen. Damit reagiert die Regierung erstmals mit einem direkten Gesprächsangebot an organisierte Vertreter der Schülerinnen und Schüler.

Ministerpräsident Sébastien Lecornu berief am Donnerstag zudem eine ressortübergreifende Krisensitzung ein. Hintergrund waren gewaltsame Zwischenfälle am Rand mehrerer Proteste. In einzelnen Städten waren Feuer gelegt, Gegenstände geworfen und Gebäude beschädigt worden. Die Regierung erklärte, Teile der Auseinandersetzungen hätten sich von Schülerprotesten zu städtischen Gewalttaten entwickelt. Die friedlichen Forderungen vieler Schülerinnen und Schüler sind davon zu unterscheiden.

Politischer Streit über die Protestbewegung

Parallel zu den Auseinandersetzungen an den Schulen hat sich in Frankreich ein politischer Streit über den Umgang mit der Bewegung entwickelt. Regierungsvertreter warfen Kräften aus dem Umfeld der linken Partei La France insoumise vor, die Mobilisierung zu unterstützen oder zu verstärken. Bei einer Krisensitzung wurden nach Angaben von Reuters auch Einschätzungen französischer Sicherheitsdienste zur Rolle politischer Akteure vorgetragen.

La France insoumise weist zurück, die Protestbewegung organisiert zu haben. Vertreter der Partei erklären, sie unterstützten die Forderungen der Schülerinnen und Schüler und friedliche Proteste. Mehrere Politiker der Partei waren bei Demonstrationen oder Schulblockaden vor Ort.

Für Freitag richtet sich der Blick nun vor allem auf zwei Entwicklungen: die angekündigten Gespräche zwischen Bildungsminister Geffray und Schülervertretern sowie die Frage, in welchem Umfang weitere Gymnasien auf Distanzunterricht umstellen. Sicher ist bereits, dass die Schülerproteste in Frankreich längst nicht mehr auf einzelne Schulen im Großraum Paris begrenzt sind. Sie haben sich binnen weniger Tage zu einer landesweiten Debatte über Ausstattung, Personal und Bedingungen an französischen Schulen entwickelt.

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