Eigener Solarstrom verändert offenbar den Verbrauch im Haushalt

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Wer Strom auf dem eigenen Dach erzeugt, verbraucht anschließend im Durchschnitt mehr Elektrizität als ohne Photovoltaikanlage. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung deutscher Haushalte. Der sogenannte Solar-Rebound-Effekt bei Photovoltaik könnte dazu führen, dass ein Teil des zusätzlich erzeugten Solarstroms unmittelbar durch höheren Verbrauch aufgezehrt wird. Für Stromnetze und die Planung des künftigen Energiesystems ist dabei nicht nur die zusätzliche Strommenge entscheidend, sondern auch der Zeitpunkt, zu dem sie genutzt wird.

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Die Studie stammt von Stefan Poier und Michael Bucksteeg von der FernUniversität in Hagen. Sie erschien 2026 im wissenschaftlichen Journal of Industrial Ecology. Die Forscher kombinierten langfristige Haushaltsdaten aus Deutschland mit einer zusätzlichen Befragung und statistischen Verfahren, um zu ermitteln, wie sich der gesamte Stromverbrauch nach der Installation einer privaten Photovoltaikanlage verändert.

Studie wertet deutsche Haushaltsdaten aus

Eine wesentliche Grundlage war das Sozio-oekonomische Panel, kurz SOEP. Diese Langzeitbefragung umfasst jedes Jahr rund 19.000 Haushalte beziehungsweise etwa 32.000 Personen in Deutschland. Für die Untersuchung konzentrierten sich die Wissenschaftler auf Daten aus den Jahren 2011 bis 2021.

In den SOEP-Erhebungen der Jahre 2015, 2016 und 2020 machten 11.880 Haushalte Angaben zum Besitz einer Photovoltaikanlage. Unter ihnen waren 972 Haushalte mit einer eigenen Anlage und Angaben zur Solarstromerzeugung. Nach verschiedenen Bereinigungsschritten und dem statistischen Abgleich mit vergleichbaren Haushalten ohne Photovoltaikanlage lag die endgültige Arbeitsstichprobe bei 775 Haushalten. Davon gehörten 569 Haushalte zur Kontrollgruppe.

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Eine methodische Schwierigkeit bestand darin, dass in den Paneldaten für PV-Haushalte lediglich der Strombezug aus dem öffentlichen Netz verfügbar war. Selbst verbrauchter Solarstrom taucht dort nicht vollständig auf. Die Wissenschaftler mussten deshalb den gesamten Stromverbrauch rekonstruieren.

Dafür nutzten sie zusätzlich eine Onlinebefragung aus dem Jahr 2024. Von 4.141 kontaktierten Personen beantworteten 2.240 den Fragebogen. Nach der Bereinigung fehlerhafter, unplausibler oder statistisch auffälliger Antworten verblieben 1.903 Fälle. Auf Grundlage dieser Angaben und der Paneldaten wurde der Gesamtverbrauch mithilfe eines Machine-Learning-Modells abgeschätzt.

Rund eine Fünftel Kilowattstunde zusätzlicher Verbrauch

Der zentrale generation-basierte Rebound-Effekt lag in der Hauptberechnung bei 20,1 Prozent. Die Größe darf nicht mit einem pauschalen Anstieg der Stromrechnung oder des früheren Haushaltsverbrauchs um genau 20,1 Prozent verwechselt werden.

Gemeint ist vielmehr das Verhältnis zwischen zusätzlicher Stromnutzung und erzeugter Solarenergie. Den Berechnungen zufolge gingen 0,201 Kilowattstunden zusätzlichen Verbrauchs mit jeder Kilowattstunde erzeugten PV-Stroms einher. Je nach Modellvariante lagen die Schätzungen bei etwa 20,1 bis 21,6 Prozent. Sensitivitätsanalysen mit unterschiedlichen Modellvarianten ergaben Werte zwischen 15,0 und 24,7 Prozent.

Die Forscher untersuchten zusätzlich eine andere Berechnungsweise, bei der der Mehrverbrauch mit dem Stromverbrauch vor Installation der Anlage verglichen wird. Für einen durchschnittlichen PV-Haushalt ermittelten sie auf dieser Basis einen deutlich höheren relativen Wert. Solche Prozentangaben sind jedoch nicht direkt mit dem generation-basierten Rebound von 20,1 Prozent vergleichbar.

Haushalte mit niedrigem Ausgangsverbrauch reagieren stärker

Der Effekt fiel nicht bei allen Haushalten gleich aus. Besonders ausgeprägt war er bei Haushalten, die vor Installation ihrer Solaranlage vergleichsweise wenig Strom genutzt hatten.

Bei Haushalten mit bereits hohem Ausgangsverbrauch wurde dagegen nur ein kleiner oder teilweise sogar negativer Rebound festgestellt. Nach Interpretation der Autoren spricht dieses Muster dafür, dass sinkende effektive Kosten einer zusätzlichen Kilowattstunde das Verbrauchsverhalten beeinflussen.

Auch die vorherige Verbrauchseffizienz spielte eine Rolle. Für Haushalte, die vor der Installation gemessen an Einkommen, Haushaltsgröße und Wohnfläche relativ wenig Elektrizität einsetzten, fanden die Forscher einen stärkeren Effekt. In einer Teilanalyse lag der Rebound bei weniger effizienten Haushalten bei 12,9 Prozent und bei effizienteren Haushalten bei 26,5 Prozent.

Die Autoren sehen darin einen Hinweis darauf, dass Haushalte mit zuvor eingeschränktem Verbrauch stärker auf günstig verfügbaren eigenen Strom reagieren können. Die Untersuchung beweist allerdings nicht, welche einzelnen Geräte oder Tätigkeiten den zusätzlichen Verbrauch verursachen.

Andere Studien kommen auf unterschiedliche Größenordnungen

Der Solar-Rebound-Effekt ist kein erstmals beschriebenes Phänomen. Studien aus mehreren Ländern haben zuvor ebenfalls einen höheren Stromverbrauch nach Installation von Solaranlagen festgestellt.

Eine Untersuchung niederländischer Haushalte kam auf einen Rebound von 7,7 Prozent. Für Schweizer Haushalte wurde in einer 2025 veröffentlichten Studie ein Anstieg des Stromverbrauchs um etwa 8 bis 11 Prozent nach Einführung einer Photovoltaikanlage ermittelt. Andere frühere Untersuchungen aus Deutschland und den USA fanden höhere Werte.

Eine ebenfalls 2026 veröffentlichte europäische Analyse von Mensur Delic und Michael Bucksteeg fasste empirische Studien zusammen. Der daraus ermittelte Mittelwert lag bei 17,2 Prozent. Für Energiesystemberechnungen verwendeten die Wissenschaftler zusätzlich ein niedriges Szenario mit 7,7 Prozent und ein hohes Szenario mit 33 Prozent.

Die Spannweite macht deutlich, dass ein einzelner Rebound-Wert nicht ohne Weiteres auf alle Haushalte, Länder oder Vergütungssysteme übertragen werden kann.

Mehrverbrauch bedeutet nicht automatisch mehr Netzbezug

Auch die Aussage, Photovoltaikanlagen würden wegen des Rebound-Effekts das Stromnetz kaum entlasten, wäre zu weitgehend. Ein Haushalt kann seinen gesamten Stromverbrauch erhöhen und gleichzeitig weniger Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen, wenn ein großer Teil dieses zusätzlichen Verbrauchs direkt während der Solarstromproduktion gedeckt wird.

Für die Netzbelastung ist deshalb entscheidend, wann der zusätzliche Strom eingesetzt wird. Werden Geräte vor allem mittags betrieben, wenn die eigene Solaranlage viel Energie liefert, sind die Folgen andere als bei zusätzlichem Verbrauch am Abend oder im Winter.

Genau diesen Zusammenhang untersuchten Delic und Bucksteeg in ihrer europäischen Energiesystemstudie. Sie modellierten 34 europäische Marktgebiete für den Zeitraum von 2030 bis 2050. Abhängig von Stärke und zeitlicher Verteilung des Rebound-Effekts lag die zusätzlich modellierte europäische Stromnachfrage im Jahr 2050 zwischen rund 63 und 315 Terawattstunden jährlich.

Am stärksten steigen dem Modell zufolge die Anforderungen an das Energiesystem, wenn zusätzliche Nachfrage nicht mit der Solarproduktion zusammenfällt. Dann können zusätzliche Speicher, regelbare Kraftwerksleistung, Wind- und Solarstromerzeugung sowie Übertragungskapazitäten erforderlich werden.

Folgen für Netzausbau hängen vom Zeitpunkt des Verbrauchs ab

Für die Netzplanung bedeutet der Befund daher nicht, dass Photovoltaik grundsätzlich zusätzliche Netze verursacht. Die Modellrechnungen zeigen vielmehr, dass Verbrauchszeitpunkt und Rebound-Stärke bei langfristigen Bedarfsprognosen berücksichtigt werden sollten.

In der europäischen Modellstudie lag der Anstieg der kumulierten Systemkosten bis 2050 im niedrigen Rebound-Szenario je nach Verbrauchsprofil zwischen 12,7 und 18,6 Milliarden Euro. Im hohen Szenario lag die Spanne zwischen 72,3 und 82,9 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich um Modellergebnisse unter festgelegten Annahmen und nicht um bereits eingetretene Kosten.

Die Autoren der deutschen Haushaltsstudie leiten daraus unter anderem die Empfehlung ab, Preissignale auch für Haushalte mit eigener Stromerzeugung stärker zu berücksichtigen. Als mögliche Instrumente nennen sie zeitvariable Netzentgelte, dynamische Tarife und eine stärkere Berücksichtigung des Verbrauchsverhaltens nach der Installation einer Anlage.

Das sind Schlussfolgerungen der Wissenschaftler und keine bereits beschlossenen Änderungen der deutschen Förderpolitik. Aus der Studie allein ergibt sich weder eine konkrete Reform der Photovoltaikförderung noch eine bestimmte Höhe künftiger Netzentgelte.

Studie hat methodische Grenzen

Die Autoren weisen selbst auf Einschränkungen ihrer Untersuchung hin. Die Zahl der für die eigentliche Analyse verfügbaren Photovoltaikhaushalte war vergleichsweise klein. Zudem konnte der gesamte Stromverbrauch nach der Installation nicht unmittelbar aus intelligenten Stromzählern abgelesen werden. Er musste aus Netzbezug, Solarproduktion, Haushaltsmerkmalen und zusätzlichen Befragungsdaten rekonstruiert werden.

Sensitivitätsanalysen lieferten zwar ebenfalls einen klar positiven Rebound-Effekt. Die genaue Höhe von 20,1 Prozent sollte dennoch nicht als universeller Wert für jeden PV-Haushalt verstanden werden.

Belastbar ist dagegen die grundsätzliche Aussage, dass ein Solar-Rebound in mehreren voneinander unabhängigen Untersuchungen festgestellt wurde. Wie stark er ausfällt und welche Auswirkungen er auf Stromnetze hat, hängt von Haushaltsverhalten, Strompreisen, Vergütungsmodellen, Speichern und vor allem vom Zeitpunkt des zusätzlichen Verbrauchs ab.

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