
Das US-Verteidigungsministerium hat dem Chefredakteur, dem Verleger und einer Reporterin der Militärzeitung Stars and Stripes Kündigungsschreiben zugestellt. Betroffen sind Chefredakteur Erik Slavin, Verleger Max Lederer und die Nahost-Reporterin Lara Korte. In den Schreiben werde als Grund Insubordination genannt. Slavin und Korte führen die Maßnahmen auf öffentliche Äußerungen zurück, in denen sie die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung verteidigten.
Nach Angaben von Slavin bezieht sich der gegen ihn erhobene Vorwurf auf ein Interview mit CBS, in dem er erklärt hatte, eine mögliche Zensur von Nachrichten für Angehörige der Streitkräfte sei für ihn eine Grenze. Korte hatte in demselben Zusammenhang betont, sie arbeite für Stars and Stripes und nicht für das Pentagon, eine Regierung oder politische Entscheidungsträger.
Slavin und Korte bestreiten nicht, diese Äußerungen gemacht zu haben. Sie bestreiten jedoch die damit verbundene Bewertung als Insubordination und halten an ihrer Position fest, dass Stars and Stripes redaktionell unabhängig arbeiten müsse. Korte bezeichnete ihre Kündigung als Folge ihrer Aussage über ihre journalistische Rolle. Slavin kündigte an, gegen die Entscheidung im vorgesehenen Verfahren vorzugehen.
Das Verteidigungsministerium äußerte sich zunächst nicht zu dieser Darstellung. Ein Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu den Kündigungen ab. Das Pentagon hat damit bislang weder öffentlich erläutert, welche konkreten Handlungen es als Insubordination wertet, noch die Darstellung von Slavin und Korte ausdrücklich bestätigt oder bestritten. Eine Stellungnahme dazu lag zunächst nicht vor.
Die Kündigungsschreiben wurden am Freitag, 21. August, zugestellt. Slavin und Lederer erhielten demnach fünf Tage Zeit, gegen die Entscheidungen vorzugehen. Korte bestätigte ebenfalls, dass ihr die Entlassung mitgeteilt worden sei. Der Vorgang betrifft damit sowohl die Leitung der Zeitung als auch eine Reporterin, die über den Nahen Osten und Einsätze der US-Streitkräfte berichtet.
Verleger Lederer hatte bereits wenige Tage zuvor angekündigt, zum 30. September in den Ruhestand zu gehen. Er begründete seine Entscheidung mit grundlegenden Unterschieden zwischen seinem Verständnis von Führung und Auftrag der Zeitung und der Ausrichtung des Verteidigungsministeriums. Lederer arbeitet seit rund drei Jahrzehnten für Stars and Stripes und ist seit 2007 Verleger.
Eine darüber hinausgehende persönliche Stellungnahme Lederers zu dem gegen ihn erhobenen Vorwurf der Insubordination war zunächst nicht bekannt. Eine Stellungnahme dazu lag zunächst nicht vor. Damit ist auch bei ihm nicht öffentlich geklärt, auf welches konkrete Verhalten das Verteidigungsministerium seine Entscheidung stützt.
Der Konflikt um die Ausrichtung von Stars and Stripes besteht bereits seit mehreren Monaten. Das Pentagon hatte Anfang des Jahres angekündigt, das Angebot stärker auf unmittelbar militärische Themen auszurichten. Pentagon-Sprecher Sean Parnell nannte unter anderem Kriegführung, Waffensysteme, Fitness, Einsatzfähigkeit und andere militärische Themen als Schwerpunkte.
Im März legte das Verteidigungsministerium einen Modernisierungsplan vor. Darin wurde die redaktionelle Unabhängigkeit von Stars and Stripes weiterhin als Grundsatz genannt. Zugleich waren Veränderungen bei der Nutzung externer Nachrichteninhalte und bei der organisatorischen Ausrichtung vorgesehen. Eigene redaktionelle Beiträge der Zeitung sollten nach der damals veröffentlichten Darstellung weiterhin unabhängig entstehen.
Vor diesem Hintergrund sehen Slavin und Korte einen Zusammenhang zwischen ihren öffentlichen Äußerungen zur journalistischen Unabhängigkeit und den Kündigungen. Das ist ihre Darstellung. Das Pentagon hat zu diesem Zusammenhang bislang keine öffentliche inhaltliche Erklärung abgegeben und ihn daher auch nicht ausdrücklich bestritten.
Stars and Stripes nimmt innerhalb der US-Medienlandschaft eine ungewöhnliche Position ein. Die Zeitung ist organisatorisch dem Verteidigungsministerium zugeordnet und wird teilweise aus öffentlichen Mitteln finanziert. Rund die Hälfte ihres jährlichen Budgets von etwa 29 Millionen Dollar stammt aus staatlichen Mitteln. Weitere Einnahmen werden unter anderem über Werbung und Abonnements erzielt.
Gleichzeitig soll die journalistische Arbeit unabhängig von der militärischen Befehlskette erfolgen. Die für Stars and Stripes geltenden Regeln sollen sicherstellen, dass Nachrichten nicht allein deshalb zurückgehalten werden, weil sie für das Verteidigungsministerium, die Streitkräfte oder die US-Regierung unangenehm sein könnten.
Das Blatt richtet sich vor allem an Angehörige der US-Streitkräfte, zivile Beschäftigte, Veteranen und deren Familien. Neben digitalen Angeboten erscheinen weiterhin gedruckte Ausgaben, insbesondere für US-Militärangehörige außerhalb der Vereinigten Staaten oder an Standorten mit eingeschränktem Internetzugang.
Die Kündigung von Stars and Stripes Führungskräften berührt deshalb nicht nur eine interne Personalfrage. Im Mittelpunkt des Konflikts steht auch die besondere Konstruktion einer teilweise vom Pentagon finanzierten Zeitung, die zugleich journalistisch unabhängig berichten soll.
Bereits vor den Kündigungen hatte das Pentagon Marinekapitän William Urban als militärischen Stellvertreter des Verlegers eingesetzt. Nach Bekanntwerden der Personalentscheidungen veröffentlichte Urban Vorstellungen für die weitere Entwicklung von Stars and Stripes. Dabei nannte er ausdrücklich redaktionell unabhängigen Journalismus als Ziel.
Urban erklärte außerdem, digitale Angebote sollten ausgebaut und zusätzliche Werbeeinnahmen erschlossen werden. Er verwies auf das bestehende Team professioneller Journalisten und erklärte, der Auftrag, Angehörige der Streitkräfte und ihre Familien journalistisch zu informieren, solle fortgesetzt werden.
Unklar blieb zunächst, ob Urban künftig selbst die Position des Verlegers übernehmen soll. Er erklärte, zu seiner künftigen Rolle könne er sich nicht äußern.
Damit sind die öffentlich belegten Positionen klar voneinander zu unterscheiden. Das Verteidigungsministerium nennt in den Kündigungsschreiben nach Angaben der Betroffenen Insubordination als Grund. Slavin und Korte bestreiten die daraus abgeleitete Bewertung ihres Eintretens für redaktionelle Unabhängigkeit. Das Pentagon hat die konkreten Vorwürfe sowie seine Bewertung der Aussagen bislang nicht öffentlich näher erläutert.
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