
Cholesterinsenker aus der Gruppe der Statine schützen nachweislich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine große Studie aus Dänemark liefert nun Hinweise auf einen möglichen zusätzlichen Effekt: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes war eine früh begonnene Statintherapie mit einem geringeren Demenzrisiko verbunden. Untersucht wurden Daten von 132.585 Menschen. Ein ursächlicher Schutz vor Demenz ist damit jedoch nicht bewiesen.
Für die Untersuchung werteten Wissenschaftler Daten aus landesweiten dänischen Gesundheitsregistern aus. Eingeschlossen wurden 132.585 Menschen, bei denen zwischen 2006 und 2019 Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war und die zuvor keine Statine eingenommen hatten. Die Nachbeobachtung lief bis Ende 2021.
Die Teilnehmer wurden danach eingeteilt, wann sie nach ihrer Diabetesdiagnose eine Statinbehandlung begannen. Eine Gruppe startete innerhalb des ersten Jahres, eine weitere zwischen einem und fünf Jahren nach der Diagnose. Als Vergleich dienten Menschen, die innerhalb der ersten fünf Jahre keine Statintherapie begannen.
Die mittlere Beobachtungszeit lag bei 7,1 Jahren. In diesem Zeitraum wurde bei 2,7 Prozent der untersuchten Personen eine Demenz diagnostiziert.
Besonders auffällig war der Zusammenhang bei einem frühen Beginn der Behandlung. Wer innerhalb des ersten Jahres nach der Diabetesdiagnose Statine erhielt, hatte in der statistischen Auswertung über zehn Jahre ein um 15 Prozent niedrigeres relatives Demenzrisiko als die Vergleichsgruppe ohne entsprechenden Statinbeginn.
Begann die Behandlung erst zwischen einem und fünf Jahren nach der Diabetesdiagnose, lag das relative Risiko um rund zehn Prozent niedriger. Die Ergebnisse waren bei Frauen und Männern ähnlich.
Damit liefert die Untersuchung neue Daten zum Zusammenhang zwischen Statinen und Demenzrisiko bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Die Medikamente werden eigentlich eingesetzt, um das LDL-Cholesterin zu senken und dadurch insbesondere Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern.
Aus den Ergebnissen lässt sich jedoch nicht ableiten, dass die Medikamente selbst die Ursache für das geringere Demenzrisiko waren. Bei der Untersuchung handelt es sich nicht um eine randomisierte klinische Studie, sondern um eine Beobachtungsstudie auf Basis von Registerdaten.
Die Wissenschaftler nutzten zwar ein aufwendiges statistisches Verfahren, das die Bedingungen einer randomisierten Untersuchung möglichst gut nachbilden soll. Unterschiede zwischen Menschen, die früh Statine erhalten, und solchen ohne Behandlung lassen sich damit aber nicht vollständig ausschließen.
Auch die European Society of Cardiology betont deshalb, dass die Untersuchung lediglich einen Zusammenhang zeigt. Ob Statine tatsächlich Demenzerkrankungen verhindern können, müsste durch weitere Forschung geklärt werden.
Der Zusammenhang ist besonders interessant, weil Typ-2-Diabetes nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht. Menschen mit Diabetes weisen auch häufiger kognitive Beeinträchtigungen und Demenzerkrankungen auf.
Gleichzeitig gehört ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel zu den beeinflussbaren Risikofaktoren für Gefäßkrankheiten. Schäden an Blutgefäßen spielen wiederum bei bestimmten Formen von Demenz eine wichtige Rolle. Ob die in der dänischen Studie beobachtete Verbindung allein durch eine bessere Gefäßgesundheit erklärt werden kann, ist damit allerdings nicht geklärt.
Für Statine ist der Nutzen zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Ereignissen bei vielen Menschen mit Diabetes bereits gut belegt. Die neuen Ergebnisse verändern diese grundsätzliche Indikation nicht und liefern zunächst einen zusätzlichen Forschungsansatz zur möglichen Bedeutung der Medikamente für die langfristige Gehirngesundheit.
Die Ergebnisse bedeuten deshalb nicht, dass Menschen Statine allein zur Vorbeugung einer Demenz einnehmen sollten. Ob eine Statintherapie sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, vom LDL-Cholesterin, bestehenden Erkrankungen und dem individuellen Herz-Kreislauf-Risiko ab.
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes gelten Statine ohnehin bei vielen Risikokonstellationen als wichtiger Bestandteil der Herz-Kreislauf-Prävention. Die dänische Untersuchung deutet nun darauf hin, dass ein frühzeitiger Behandlungsbeginn möglicherweise mit einem weiteren langfristigen Vorteil verbunden sein könnte. Ob daraus künftig zusätzliche Empfehlungen zur Demenzprävention entstehen, kann die Studie allein nicht beantworten.
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