Studie sieht Milliardenverluste für Deutschland durch US-Steuerpolitik

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Deutschland belegt laut OECD Taxing Wages 2026 Rang 2 der höchsten Steuerlast.

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Deutschland sind nach Berechnungen des Tax Justice Network zwischen 2016 und 2023 mindestens 23,4 Milliarden Euro an Unternehmenssteuern entgangen. Ursache sollen Gewinnverlagerungen internationaler US-Konzerne sein. Die neue Untersuchung wurde im Auftrag des Europaabgeordneten Martin Schirdewan erstellt. Besonders stark betroffen sind demnach die deutschen Kommunen. Gleichzeitig wächst die Kritik an Sonderregelungen für amerikanische Unternehmen bei der globalen Mindeststeuer.

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Kommunen verlieren laut Studie fast zehn Milliarden Euro

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Deutschland innerhalb der Europäischen Union die höchsten Steuerausfälle durch entsprechende Gewinnverlagerungen amerikanischer Konzerne verzeichnete. Von den insgesamt 23,4 Milliarden Euro entfielen den Berechnungen zufolge 9,8 Milliarden Euro auf die Kommunen. Für den Bund werden 6,9 Milliarden Euro und für die Bundesländer weitere 6,7 Milliarden Euro ausgewiesen.

Europaweit sollen US-Unternehmen zwischen 2016 und 2023 Gewinne im Umfang von rund 327 Milliarden Euro aus den Ländern verlagert haben, in denen die wirtschaftliche Tätigkeit stattfand. Die dadurch entgangenen Steuereinnahmen beziffert die Untersuchung für die EU auf mindestens 86,4 Milliarden Euro. Die Zahlen beruhen auf Berechnungen des Tax Justice Network und sind keine amtlich festgestellten Steuerausfälle.

Trumps Steuerreform veränderte die Bedingungen

Ein wichtiger Hintergrund ist die amerikanische Unternehmenssteuerreform aus Donald Trumps erster Amtszeit. Mit dem 2017 verabschiedeten Tax Cuts and Jobs Act wurde der reguläre bundesweite Körperschaftsteuersatz in den Vereinigten Staaten ab 2018 von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Zudem veränderte die Reform die steuerliche Behandlung internationaler Unternehmensgewinne.

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Dadurch entstanden neue Anreize für amerikanische Konzerne, Gewinne innerhalb ihrer Unternehmensgruppen anders zu verteilen. International tätige Unternehmen können beispielsweise durch konzerninterne Lizenzzahlungen, Finanzierungen oder die Zuordnung immaterieller Vermögenswerte beeinflussen, in welchen Ländern steuerpflichtige Gewinne entstehen.

Das Tax Justice Network hatte bereits in einer im November 2025 veröffentlichten Untersuchung festgestellt, dass US-Konzerne weltweit erhebliche Gewinne in Länder mit niedriger Besteuerung verlagern. Für den Zeitraum von 2016 bis 2021 bezifferte die Organisation die dadurch verursachten weltweiten Steuerausfälle auf rund 495 Milliarden US-Dollar.

Der Zeitraum der neuen Berechnung beginnt allerdings bereits 2016 und umfasst damit sowohl Jahre vor der Steuerreform als auch die Amtszeit von Trumps Nachfolger Joe Biden. Die gesamten Steuerausfälle lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres einzelnen Entscheidungen der Trump-Regierung zuordnen.

Globale Mindeststeuer soll Gewinnverlagerungen begrenzen

Die internationale Mindestbesteuerung wurde entwickelt, um den steuerlichen Wettbewerb zwischen Staaten einzuschränken. Für große multinational tätige Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro sieht das Regelwerk grundsätzlich eine effektive Besteuerung von 15 Prozent vor.

Deutschland setzt die Mindeststeuer seit 2024 um. Auch zahlreiche weitere Staaten haben entsprechende Vorschriften eingeführt. Die Vereinigten Staaten haben die internationalen Regeln dagegen nicht vollständig in nationales Recht übernommen.

Im Januar 2026 einigten sich die beteiligten Staaten im Rahmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) auf ein sogenanntes Side-by-Side-System. Es ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen die Anerkennung alternativer nationaler Mindeststeuersysteme. Für begünstigte Unternehmensgruppen entfallen damit bestimmte internationale Ergänzungssteuern.

Die OECD betont allerdings, dass dadurch nicht sämtliche Mindeststeuerpflichten aufgehoben werden. Insbesondere nationale Ergänzungssteuern in Ländern, in denen ein Konzern tätig ist, bleiben möglich.

Kritik an Sonderbehandlung amerikanischer Konzerne

Der Auftraggeber der neuen Untersuchung, Martin Schirdewan, kritisiert die steuerlichen Vorteile für Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Staaten. Der Vorsitzende der Linksfraktion im Europaparlament fordert, multinationale Konzerne stärker dort zu besteuern, wo sie ihre wirtschaftlichen Gewinne erzielen.

Auch das Münchner ifo Institut hatte bereits im Oktober 2025 vor möglichen Folgen einer Sonderbehandlung amerikanischer Konzerne gewarnt. Eine entsprechende Untersuchung kam zu dem Schluss, dass Ausnahmen von internationalen Mindeststeuerregeln die Wirksamkeit der Reform einschränken könnten. Besonders relevant sei dies, weil große multinationale Unternehmensgruppen einen erheblichen Anteil der internationalen Gewinnverlagerungen verursachten.

Die im Januar 2026 beschlossene Vereinbarung ist allerdings nicht Ursache der jetzt bezifferten Steuerausfälle. Die 23,4 Milliarden Euro beziehen sich ausschließlich auf die Jahre 2016 bis 2023. Welche zusätzlichen Auswirkungen die neueren Sonderregelungen auf die künftigen Steuereinnahmen Deutschlands haben, lässt sich daraus nicht ableiten.

Milliardenbeträge beruhen auf wirtschaftlichen Schätzungen

Das Tax Justice Network verwendet bei seinen internationalen Untersuchungen unter anderem länderbezogene Unternehmensdaten, die im Rahmen der OECD-Steuerberichterstattung erhoben werden. Dabei wird untersucht, wie sich die von Konzernen ausgewiesenen Gewinne im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen wirtschaftlichen Tätigkeit auf verschiedene Staaten verteilen.

Die im November 2025 dokumentierte Methode berücksichtigt dafür unter anderem Gewinne, Umsätze, Beschäftigung und Steuerzahlungen. Auffällige Unterschiede können Hinweise auf steuerlich motivierte Gewinnverlagerungen liefern.

Für die jetzt veröffentlichten Berechnungen bis 2023 liegt jedoch bislang keine vollständige öffentlich zugängliche Methodenbeschreibung vor. Die ausgewiesenen 23,4 Milliarden Euro sind deshalb als Schätzung des Tax Justice Network einzuordnen.

Die Ergebnisse verdeutlichen damit vor allem die Größenordnung möglicher Einnahmeverluste durch internationale Gewinnverlagerungen. Zugleich verschärfen sie die politische Auseinandersetzung darüber, wie weit gemeinsame Steuerregeln reichen müssen und welche Ausnahmen für einzelne Staaten und ihre Unternehmen gelten sollen.

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