
Der US-amerikanische Drohnen- und Robotikspezialist Red Cat Holdings will den österreichischen Motorenhersteller Steyr Motors übernehmen. Am Montag, 19. Oktober 2026, kündigte das Unternehmen ein freiwilliges öffentliches Kaufangebot über 39 Euro je Aktie an. Damit liegt der gebotene Preis deutlich über dem letzten Börsenschlusskurs. Nach zunächst beendeten Verhandlungen im Sommer haben sich beide Unternehmen erneut angenähert.
Das geplante Übernahmeangebot für Steyr Motors richtet sich an sämtliche Aktionäre des österreichischen Unternehmens. Abgewickelt werden soll es über die SMOT Acquisition GmbH mit Sitz in Wien, eine vollständig kontrollierte Tochtergesellschaft von Red Cat Holdings.
Der Angebotspreis von 39 Euro entspricht nach Angaben von Red Cat einem Aufschlag von 28,9 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 16. Oktober 2026. Im Vergleich zum volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage beträgt die Prämie 27,3 Prozent.
Die Übernahme ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Red Cat bezeichnet das Barangebot als vollständig finanziert. Voraussetzung für den Vollzug ist unter anderem, dass mindestens 50 Prozent der Steyr-Aktien plus eine weitere Aktie angedient werden.
Unterstützung erhält der US-Konzern bereits von einem wichtigen Anteilseigner. Die österreichische B&C Holding hat sich vertraglich verpflichtet, ihre Beteiligung von rund 15 Prozent im Rahmen des Angebots zu verkaufen.
Auch die Führung von Steyr Motors steht dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber. Vorstandschef Julian Cassutti unterstützt die geplante Transaktion und beabsichtigt, seine eigenen Aktien anzudienen. Der Aufsichtsrat sieht ebenfalls strategische Vorteile, macht seine endgültige Bewertung jedoch von der Prüfung der rechtlichen und wirtschaftlichen Angebotsbedingungen abhängig.
Die Gespräche zwischen beiden Unternehmen reichen bis in den Sommer zurück. Bereits im Juli 2026 hatte Steyr Motors Verhandlungen mit Red Cat bestätigt. Damals waren die Gespräche zunächst beendet worden. Inzwischen wurden sie wieder aufgenommen.
Für Red Cat ist die geplante Übernahme auch technologisch von Bedeutung. Der an der US-Technologiebörse Nasdaq notierte Konzern entwickelt Drohnen, Robotiksysteme und unbemannte Fahrzeuge für militärische und staatliche Anwendungen.
Besonders wichtig ist das Geschäft mit unbemannten Wasserfahrzeugen. Unter dem Namen Blue Ops verfolgt Red Cat den Ausbau entsprechender Systeme. Die Motorentechnik von Steyr Motors soll diese Aktivitäten ergänzen.
Das österreichische Unternehmen produziert leistungsstarke Spezialmotoren, die unter anderem in Militärfahrzeugen, zivilen und militärischen Booten sowie als Hilfsaggregate in Kampfpanzern und Lokomotiven eingesetzt werden.
Red Cat beabsichtigt, den Unternehmenssitz, die Fertigung und die Forschung und Entwicklung in Österreich zu erhalten. Zudem sollen bestehende Kundenbeziehungen fortgeführt und neue Absatzmärkte erschlossen werden. Eine bereits verbindlich abgeschlossene Standortvereinbarung ist damit nicht verbunden.
Die Übernahmepläne fallen in eine wirtschaftlich anspruchsvolle Phase für Steyr Motors. Im ersten Halbjahr 2026 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 22,8 Millionen Euro und lag damit knapp unter dem Vorjahreswert von 23,1 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag bei lediglich 0,1 Millionen Euro.
Im August hatte das Unternehmen seine Jahresprognose wegen Verzögerungen bei internationalen Rüstungsprojekten reduziert. Statt ursprünglich 75 bis 95 Millionen Euro erwartet Steyr Motors für 2026 nun einen Umsatz zwischen rund 56 und 61 Millionen Euro. Gleichzeitig lag der kommunizierte Gesamtauftragsbestand bis 2030 bei rund 310 Millionen Euro.
Bis die Transaktion abgeschlossen werden kann, sind noch mehrere Schritte notwendig. Neben der erforderlichen Zustimmung der Aktionäre stehen unter anderem behördliche Genehmigungen in Österreich, Italien, Australien und Großbritannien aus.
Die Angebotsunterlagen sollen gesondert veröffentlicht werden. Nach derzeitiger Planung könnte die Annahmefrist am 18. Dezember 2026 um 17 Uhr mitteleuropäischer Zeit enden. Für Aktionäre können je nach Depotbank frühere Fristen gelten.
Mit einem endgültigen Abschluss des Übernahmeverfahrens rechnet die Bieterseite vorbehaltlich aller Genehmigungen im ersten Halbjahr 2027. Ob Red Cat die erforderliche Aktienmehrheit erreicht, ist noch offen.
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