
Mehrere Sabotagefälle und mutmaßliche Angriffsversuche auf Anlagen der deutschen Stromversorgung beschäftigen inzwischen Ermittler in mehreren Bundesländern. Am Freitag, 4. September 2026, konzentrierte sich die Fahndung auf einen Mann aus Nordrhein-Westfalen, dessen Name unter Bekennerschreiben zu mehreren Vorfällen steht. Parallel lief im sächsischen Landkreis Görlitz ein Polizeieinsatz an Anlagen der Energieinfrastruktur.
Ein Zusammenhang zwischen sämtlichen Vorfällen ist noch nicht abschließend festgestellt. Die Ermittlungen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen werden inzwischen jedoch koordiniert. Polizei und Staatsanwaltschaften nennen dabei Anlagen in Turnow-Preilack in Brandenburg sowie Bergheim-Rheidt, Dormagen und Weisweiler in Nordrhein-Westfalen.
Am Freitag durchsuchten Einsatzkräfte aus Nordrhein-Westfalen und Brandenburg ein Wohnhaus in Gevelsberg. Dort ist nach Behördenangaben der mutmaßliche Verfasser mehrerer Bekennerschreiben gemeldet. Der Mann wurde zunächst nicht angetroffen.
NRW-Innenminister Herbert Reul erklärte später, Polizeikräfte hätten in Niederzier ein Fahrzeug des Gesuchten gestürmt. Der Mann sei vermutlich zu Fuß weiter geflüchtet. Eine Festnahme war zu diesem Zeitpunkt nicht bestätigt.
Die Bekennerschreiben spielen für die Ermittlungen eine wichtige Rolle. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios enthalten sie Angaben, die auf Kenntnisse über die Durchführung der Sabotageakte schließen lassen. Die Ermittler hielten die Schreiben demnach für authentisch. Die Polizei selbst hatte zuvor zurückhaltender formuliert. In Brandenburg war die Echtheit eines dort bekannt gewordenen Schreibens am Donnerstag offiziell noch als Gegenstand der Ermittlungen bezeichnet worden.
Dass der Verfasser der Schreiben tatsächlich für sämtliche darin genannten Vorfälle verantwortlich ist, ist damit nicht bewiesen. Die gemeinsamen Ermittlungsbehörden sprechen in ihrer Mitteilung vom mutmaßlichen Verfasser der Bekennerschreiben und nicht von einem bereits überführten Urheber aller Sabotageakte.
Ausgangspunkt der Serie war ein Vorfall am 1. September in Turnow-Preilack im Landkreis Spree-Neiße. Dort wurde eine Beschädigung an einer Oberleitung eines Umspannwerks festgestellt. Einsatzkräfte fanden mehrere unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen, von denen einige nicht ausgelöst hatten.
Das Landeskriminalamt Brandenburg übernahm die Ermittlungen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Störung öffentlicher Betriebe, des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und der Zerstörung wichtiger Arbeitsmittel. Auch ein Tatbestand im Zusammenhang mit der Bildung einer terroristischen Vereinigung wurde in das Ermittlungsverfahren aufgenommen. Daraus lässt sich bislang jedoch keine Feststellung über Täterzahl, Struktur oder Motiv ableiten.
Ebenfalls am 1. September kam es am Umspannwerk Bergheim-Rheidt westlich von Köln zu einem Kurzschluss. Nach Angaben der Ermittler war leitfähiges Material auf Hochspannungsleitungen gebracht worden. In einem nahe gelegenen Feld wurden sechs Abschussvorrichtungen gefunden. Fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke mit zusammen rund 4.200 Megawatt Leistung gingen vorübergehend vom Netz. Die allgemeine Stromversorgung blieb nach Angaben der Betreiber stabil.
Die Behörden in Nordrhein-Westfalen ermitteln dort wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage.
Am Donnerstagabend wurden einige hundert Meter von einem Umspannwerk in Dormagen-Gohr weitere Abschussvorrichtungen entdeckt. Sie befanden sich in der Nähe einer Hochspannungsleitung und ähnelten nach Angaben der Polizei den Konstruktionen aus Bergheim.
Schäden an der Anlage wurden zunächst nicht festgestellt. Spezialisten untersuchten die Leitungen und das Umfeld. Auch dieser Fall wird inzwischen von den Behörden ausdrücklich im Zusammenhang mit der Sabotage gegen die Stromversorgung bearbeitet.
Ein Bekennerschreiben führte die Ermittler außerdem nach Weisweiler bei Eschweiler. Polizeikräfte untersuchten dort am Freitag das Umfeld eines Kraftwerks und eines Umspannwerks. Die Anlage war in einem der Schreiben genannt worden. Welche konkreten Spuren dort gefunden wurden, war zunächst nicht abschließend mitgeteilt worden.
Am Freitagnachmittag rückte schließlich Sachsen in den Mittelpunkt. Im Landkreis Görlitz lief ein größerer Polizeieinsatz im Umfeld von zwei Umspannwerken nahe des Lausitzer Braunkohlereviers.
Nach einem Medienbericht wurden dort Spreng- oder Brandvorrichtungen im Bereich von Freileitungen entdeckt. Eine Polizeisprecherin bestätigte einen laufenden Einsatz, machte zunächst aber keine weitergehenden Angaben zu Art und Anzahl möglicher Vorrichtungen.
Damit war am frühen Freitagabend noch nicht offiziell bestätigt, ob die Funde technisch mit den Konstruktionen aus Brandenburg und Nordrhein-Westfalen übereinstimmen. Ebenso offen blieb, ob die sächsischen Ermittler bereits einen direkten Zusammenhang mit den bisherigen Sabotagefällen herstellen.
Die Region liegt allerdings in räumlicher Nähe zum südbrandenburgischen Tagebaugebiet und zum Kraftwerksstandort Jänschwalde. Auch das Kraftwerk Boxberg befindet sich in der Lausitz. Allein aus dieser geografischen Nähe lässt sich kein Zusammenhang ableiten.
Trotz der Eingriffe in Hochspannungsleitungen kam es bei den bekannt gewordenen Fällen bislang nicht zu einem großflächigen Stromausfall für die Bevölkerung. In Brandenburg teilte die Polizei nach dem Vorfall in Turnow-Preilack mit, dass es nach damaligem Kenntnisstand keine Auswirkungen auf die Bevölkerung gegeben habe.
Auch beim Vorfall in Bergheim blieb die Stabilität des Stromsystems nach Angaben des Übertragungsnetzbetreibers gewährleistet. Der zeitweise Ausfall mehrerer Kraftwerksblöcke zeigt dennoch, dass Manipulationen an Umspannwerken erhebliche technische Auswirkungen haben können.
Die Ereignisse haben deshalb eine Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur ausgelöst. Brandenburg kündigte bereits an, Sicherheitsmaßnahmen zu beschleunigen und ein neues Sicherheitszentrum aufzubauen. Konkrete Erkenntnisse darüber, ob hinter den aktuellen Fällen eine organisierte Gruppe, ein einzelner Verantwortlicher oder mehrere voneinander unabhängige Personen stehen, lagen am Freitagabend noch nicht vor.
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