
Die Novo Nordisk Aktie fällt am Freitag deutlich, nachdem der dänische Pharmakonzern enttäuschende Ergebnisse einer klinischen Studie veröffentlicht hat. Das experimentelle Medikament Ziltivekimab konnte das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse in einer entscheidenden Phase-3-Studie nicht wie erhofft senken. Im europäischen Handel verlor die Aktie am 31. Juli 2026 zeitweise rund 9,5 Prozent. Auch die in den USA gehandelten Papiere gerieten vor dem Börsenstart stark unter Druck. Die Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis bleibt nach Angaben des Unternehmens trotz des Rückschlags bestehen.
In der sogenannten ZEUS-Studie untersuchte Novo Nordisk den Wirkstoff Ziltivekimab bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Nierenerkrankungen und erhöhten Entzündungswerten. Das Medikament sollte das Risiko schwerer kardiovaskulärer Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung senken. Dieses zentrale Studienziel wurde nicht erreicht. Zwischen der mit Ziltivekimab behandelten Gruppe und der Placebogruppe zeigte sich keine statistisch ausreichende Verringerung der entsprechenden Ereignisse. Die ZEUS-Studie war als Phase-3-Untersuchung angelegt und umfasste mehrere Tausend Patientinnen und Patienten.
Ziltivekimab ist ein experimenteller monoklonaler Antikörper, der auf den Botenstoff Interleukin-6, kurz IL-6, abzielt. Dieser spielt bei Entzündungsprozessen im Körper eine wichtige Rolle. Novo Nordisk wollte untersuchen, ob eine gezielte Hemmung des Botenstoffes auch das Risiko von Herzinfarkten, Schlaganfällen und anderen kardiovaskulären Komplikationen verringern kann. Frühere Studien hatten gezeigt, dass der Wirkstoff bestimmte Entzündungsmarker deutlich reduzieren kann. Diese Wirkung führte in der großen Novo Nordisk Studie jedoch nicht zu der erhofften Verringerung schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Die Börse reagierte unmittelbar auf die Nachricht. Der Novo Nordisk Kurs lag im europäischen Handel am frühen Freitagnachmittag zeitweise etwa 9,5 Prozent im Minus. Die in New York gelisteten Hinterlegungsscheine verloren vor Handelsbeginn ungefähr zehn Prozent. Der Rückgang zeigt, welche Bedeutung Investoren dem Studienprogramm beigemessen hatten. Novo Nordisk versucht, sein Geschäft über die erfolgreichen Diabetes- und Abnehmmedikamente Ozempic und Wegovy hinaus stärker auf weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen auszuweiten. Der gescheiterte primäre Endpunkt begrenzt zunächst die Aussichten für Ziltivekimab in der untersuchten Patientengruppe.
Trotz des Studienrückschlags will Novo Nordisk seine bisherige Prognose für das bereinigte operative Ergebnis im Geschäftsjahr 2026 nicht verändern. Das Unternehmen rechnet allerdings im dritten Quartal mit einer nicht zahlungswirksamen Wertminderung. Eine solche Abschreibung belastet das ausgewiesene Ergebnis, führt jedoch nicht unmittelbar zu einem entsprechenden Abfluss finanzieller Mittel. Weitere Einzelheiten könnten mit den Halbjahreszahlen folgen. Novo Nordisk will seinen Bericht für die ersten sechs Monate des Jahres am Mittwoch, 5. August 2026, veröffentlichen. Anschließend ist eine Telefonkonferenz mit Analysten und Investoren vorgesehen.
Das Aus für das gesamte Entwicklungsprogramm bedeutet das Ergebnis zunächst nicht. Novo Nordisk will zwei weitere große Untersuchungen mit Ziltivekimab fortsetzen. Die HERMES-Studie prüft den Wirkstoff bei Patientinnen und Patienten mit Herzschwäche und Entzündungen. In der ARTEMIS-Studie wird untersucht, ob die Behandlung Menschen helfen kann, die wegen eines akuten Herzinfarkts im Krankenhaus behandelt wurden. Ergebnisse aus beiden Programmen werden nach Unternehmensangaben im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Ob der Wirkstoff in diesen Patientengruppen bessere Ergebnisse erzielen kann, bleibt damit offen.
Der Rückschlag trifft Novo Nordisk in einer Phase starken Wettbewerbs. Vor allem der US-Konzern Eli Lilly konkurriert mit dem dänischen Unternehmen um Marktanteile bei Medikamenten gegen Diabetes und Adipositas. Gleichzeitig versucht Novo Nordisk, seine Abhängigkeit von Semaglutid und den Marken Ozempic und Wegovy zu reduzieren. Die Pharma-Aktie Novo Nordisk hatte bereits zuvor empfindlich auf enttäuschende Studienergebnisse reagiert. Besonders die Resultate des Abnehmpräparats CagriSema hatten Zweifel an den mittelfristigen Wachstumsaussichten ausgelöst. Der erneute Studienrückschlag erhöht nun den Druck, bei anderen Wirkstoffen überzeugende Ergebnisse vorzulegen.






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