Flutwelle trifft Nepal: Rettungskräfte suchen Hunderte

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Eine schwere Sturzflut hat am Mittwoch mehrere Regionen im Norden und Zentrum Nepals getroffen. Mindestens 22 Menschen kamen nach Angaben der Polizei der Provinz Bagmati ums Leben. Hunderte Reisende und weitere Personen galten am Mittwoch noch als vermisst oder nicht erreichbar. Besonders schwer betroffen sind Gebiete entlang des Bhotekoshi und des Trishuli. Rettungskräfte suchen mit Hubschraubern, Fahrzeugen und Bodenteams nach Überlebenden.

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Mindestens 22 Tote in vier Bezirken

Nach Angaben der Polizei der Provinz Bagmati waren bis Mittwoch 22 Todesopfer bestätigt. Die Behörden registrierten Tote in Rasuwa, Nuwakot, Dhading und Chitwan. Die Zahlen beziehen sich auf den Stand vom 26. August 2026 und können sich im Verlauf der Sucharbeiten noch ändern.

Die Sturzflut in Nepal hatte am Morgen zunächst den bergigen Distrikt Rasuwa nahe der Grenze zum chinesischen Autonomen Gebiet Tibet erfasst. Der Bhotekoshi schwoll innerhalb kurzer Zeit stark an. Die Wassermassen bewegten sich anschließend über das Flusssystem des Trishuli weiter flussabwärts. Behörden warnten deshalb auch Bewohner weiter südlich gelegener Regionen davor, sich in Ufernähe aufzuhalten.

Besonders betroffen waren unter anderem Timure und Syabrubesi in Rasuwa. Auch aus Nuwakot und Dhading wurden schwere Schäden gemeldet. Häuser, Straßen, Brücken, Polizeieinrichtungen und Wasserkraftanlagen wurden beschädigt oder fortgerissen. Nach einer vorläufigen Bilanz der nepalesischen Straßenbehörde waren mindestens 19 Brücken und rund 40 Kilometer Straße betroffen.

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384 Touristen zeitweise nicht erreichbar

Der Nepal Tourism Board teilte mit, dass 384 Touristen und Reisende nach der Flut zunächst nicht erreicht werden konnten. Darunter waren 291 ausländische Staatsangehörige und 93 Menschen aus Nepal. Die Angaben wurden nach Informationen der Tourismusbehörde aus Daten von Reiseveranstaltern, lokalen Behörden, Guides und Sicherheitskräften zusammengestellt.

Der Status als nicht erreichbar bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Betroffenen unmittelbar von der Flut erfasst wurden. In mehreren Gebieten waren Verkehrswege und Kommunikationsverbindungen unterbrochen. Die Behörden versuchten deshalb, den Aufenthaltsort der Reisenden einzeln zu überprüfen.

Unter den zunächst nicht erreichbaren Ausländern befanden sich unter anderem Staatsangehörige Indiens, der USA, Großbritanniens und Malaysias. Auch südkoreanische Arbeiter an einem Wasserkraftprojekt wurden nach Angaben des südkoreanischen Außenministeriums vermisst.

Hubschrauber und Bodenteams im Einsatz

Die nepalesische Regierung mobilisierte Armee, Polizei und Armed Police Force für die Such- und Rettungsarbeiten. Zusätzlich wurden medizinische Teams in die betroffenen Gebiete geschickt. Am Mittwochnachmittag waren nach Angaben eines Armeesprechers zunächst mindestens 25 Menschen gerettet worden. Später meldeten Behörden insgesamt 65 gerettete Verletzte in Rasuwa, Nuwakot und Dhading.

Für die Einsätze standen zahlreiche Hubschrauber bereit. Zeitweise war es allerdings schwierig, in besonders schwer getroffenen Gebieten zu landen. Schlamm, Geröll und zerstörte Verkehrswege erschwerten den Zugang. Auch schwere Baumaschinen wurden eingesetzt, um verschüttete oder abgeschnittene Bereiche zu erreichen.

Die Regierung ordnete zudem an, Bewohner gefährdeter und tiefer gelegener Gebiete vorsorglich in Sicherheit zu bringen. Warnungen galten unter anderem für Regionen entlang des Trishuli. Nepal Police forderte Menschen in Nuwakot, Dhading, Chitwan und Gorkha auf, Uferbereiche zu meiden und sichere Orte aufzusuchen.

Ursache der Flut noch nicht abschließend bestätigt

Der genaue Auslöser der Katastrophe war zunächst nicht abschließend geklärt. Nepals Außenminister erklärte im Parlament, ein Erdbeben in der Region könnte eine Lawine ausgelöst haben, die wiederum zur Flut beigetragen habe. Das Deutsche GeoForschungsZentrum registrierte kurz vor dem Ereignis ein Erdbeben der Magnitude 4,4. Eine direkte Kausalität war damit jedoch nicht belegt.

Fachleute des International Centre for Integrated Mountain Development in Kathmandu gehen davon aus, dass eine Eis- und Felslawine einen Zufluss des Bhotekoshi blockiert haben könnte. Wenn sich eine solche natürliche Barriere plötzlich löst, können große Wassermengen innerhalb kurzer Zeit talwärts strömen. Die genaue Ursache dieser Lawine war zunächst nicht bestätigt.

Schäden reichen bis zur Energieversorgung

Neben Wohngebieten und Verkehrswegen traf die Flut auch die Energieinfrastruktur. Nach Angaben des nepalesischen Energieministeriums waren Wasserkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 430 Megawatt betroffen. Das entsprach mehr als zwölf Prozent der installierten Wasserkraftkapazität des Landes.

Die Region an der Grenze zwischen Nepal und Tibet ist regelmäßig von Naturgefahren betroffen. Bereits 2025 hatte eine schwere Flut im Gebiet des Bhotekoshi Menschenleben gefordert und unter anderem eine wichtige Grenzbrücke zwischen Nepal und China zerstört. Die erneute Katastrophe trifft damit eine Region, deren Verkehrs- und Energieinfrastruktur teilweise erst wiederhergestellt worden war.

Die Such- und Rettungseinsätze liefen am Mittwoch weiter. Wegen unterbrochener Verbindungen und schwer erreichbarer Bergregionen war das vollständige Ausmaß der Katastrophe zunächst noch nicht erfasst.

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