
SuedLink nimmt nach jahrelanger Planung und Genehmigung zunehmend Gestalt an. Die rund 700 Kilometer lange Gleichstromtrasse zwischen Nord- und Süddeutschland befindet sich inzwischen in allen sechs betroffenen Bundesländern im Bau. Ein besonders aufwendiger Abschnitt ist mittlerweile weit vorangekommen: Der Tunnel unter der Elbe zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist vollständig gebohrt. Am Montag, 17. August 2026, wird der erreichte Tunneldurchschlag bei Wischhafen symbolisch begangen. Die vollständige Inbetriebnahme von SuedLink ist weiterhin für Ende 2028 vorgesehen.
Das Infrastrukturprojekt besteht genau genommen aus zwei Höchstspannungs-Gleichstromverbindungen. Eine führt von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Großgartach bei Leingarten in Baden-Württemberg, die zweite von Wilster in Schleswig-Holstein nach Bergrheinfeld in Bayern. Über weite Strecken verlaufen beide Leitungen gemeinsam. Jede Verbindung kann zwei Gigawatt übertragen. Zusammen kommt SuedLink damit auf eine Transportkapazität von vier Gigawatt.
Zu den technisch anspruchsvollsten Bauwerken gehört die Querung der Elbe zwischen Wewelsfleth in Schleswig-Holstein und Wischhafen in Niedersachsen. Die Tunnelbohrmaschine erreichte nach rund 5,2 Kilometern im Juni 2026 die niedersächsische Seite. Damit ist der eigentliche Tunnelvortrieb abgeschlossen. Nun folgen weitere Ausbauarbeiten in der Röhre. Anschließend müssen unter anderem die Stromkabel eingezogen und mit den anschließenden Erdkabelstrecken verbunden werden.
Die Elbquerung ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Gleichstromleitungen nicht über eine klassische Hochspannungsbrücke oder Freileitung über den Fluss geführt werden. Die Kabel passieren die Elbe tief unter dem Flussbett. Der Kabeltunnel wird nach Abschluss aller Arbeiten begehbar sein und soll einen dauerhaft zugänglichen Abschnitt der Verbindung bilden. Die Arbeiten an diesem Sonderbauwerk laufen bereits seit mehreren Jahren.
Auch auf der eigentlichen Landtrasse gibt es inzwischen fertiggestellte Abschnitte. Anfang Juli 2026 wurde in Niedersachsen das erste reine Erdkabelteilstück abgeschlossen. Es erstreckt sich über rund 37 Kilometer von Scheeßel bis zur Grenze des Landkreises Stade. Dort wurden vier Gleichstromkabel im Boden verlegt. Für Straßen, Gewässer und andere Hindernisse waren zahlreiche geschlossene Unterquerungen notwendig.
Der Fortschritt zeigt zugleich, wie unterschiedlich weit die einzelnen Baustellen entlang der Strecke sind. Während auf einigen Abschnitten bereits Kabel im Boden liegen, werden andernorts noch Kabelschutzrohre verlegt, Baugruben angelegt oder Sonderbauwerke errichtet. Seit Herbst 2025 liegen die Genehmigungen für sämtliche Abschnitte vor. Damit konnte das Projekt in allen sechs betroffenen Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Thüringen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg in die Bauphase wechseln.
Trotz bereits fertiggestellter Teilstücke können diese nicht unabhängig voneinander für den regulären Stromtransport genutzt werden. SuedLink arbeitet mit Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Die beiden Verbindungen müssen deshalb zwischen ihren jeweiligen Netzverknüpfungspunkten durchgehend fertiggestellt und technisch miteinander verbunden sein. Die Bundesnetzagentur nennt weiterhin 2028 als geplantes Jahr der Gesamtinbetriebnahme. Die Netzbetreiber TransnetBW und TenneT planen den vollständigen Betrieb für Ende 2028.
Neben den Kabeln gehören große Konverterstationen zum System. Sie wandeln den Wechselstrom des bestehenden Übertragungsnetzes in Gleichstrom um und am anderen Ende wieder zurück. Solche Anlagen entstehen unter anderem an den Endpunkten der beiden Verbindungen. Für die Gleichstromkabel kommt eine Spannungsebene von 525 Kilovolt zum Einsatz. Insgesamt werden aufgrund der beiden Stromkreise, der Anschlüsse und weiterer technischer Anforderungen deutlich mehr Kabelkilometer benötigt, als die reine Nord-Süd-Distanz der Trasse vermuten lässt.
Die SuedLink Stromtrasse Deutschland soll ein grundlegendes Problem des veränderten Stromsystems lösen. Ein wachsender Teil der Stromerzeugung befindet sich im windreichen Norden und auf See, während große Verbrauchszentren und Industriestandorte auch in Süd- und Westdeutschland liegen. Gleichzeitig sind dort in den vergangenen Jahren konventionelle Großkraftwerke aus dem Netz gegangen. Für große Energiemengen über mehrere Hundert Kilometer reichen die bestehenden Nord-Süd-Verbindungen nicht in allen Situationen aus.
Mit insgesamt vier Gigawatt Übertragungsleistung soll SuedLink zusätzliche Transportkapazität schaffen. Gleichstromtechnik eignet sich besonders für die Übertragung großer Leistungen über weite Entfernungen. Der Stromfluss lässt sich gezielt steuern und die Übertragungsverluste können über lange Strecken begrenzt werden. Die Verbindung ist dabei keine reine Einbahnstraße für Windenergie. Technisch kann elektrische Energie abhängig von Erzeugung und Bedarf grundsätzlich in beide Richtungen übertragen werden.
Der Ausbau ist auch für den laufenden Netzbetrieb relevant. Wenn viel Windstrom im Norden produziert wird und die bestehenden Leitungen nicht genügend Energie in andere Regionen transportieren können, müssen Netzbetreiber Kraftwerke und andere Erzeugungsanlagen gezielt hoch- oder herunterfahren. Solche Eingriffe dienen dazu, Leitungen vor Überlastung zu schützen und das Stromsystem stabil zu halten. Zusätzliche Nord-Süd-Kapazitäten sollen solche strukturellen Engpässe reduzieren.
Die Bundesnetzagentur bezeichnet SuedLink deshalb als einen zentralen Transportkorridor des deutschen Übertragungsnetzes. Auch die Netzbetreiber erwarten nach der Inbetriebnahme eine spürbare Entlastung der Nord-Süd-Verbindungen. SuedLink allein ersetzt allerdings nicht den weiteren Netzausbau. Deutschland errichtet und verstärkt parallel weitere Gleichstrom- und Wechselstromverbindungen, weil sich mit dem Ausbau von Windenergie, Photovoltaik, Speichern, Wärmepumpen und Elektromobilität sowohl Stromerzeugung als auch Verbrauch verändern.
Bis zum heutigen Bauzustand war es ein langer Weg. SuedLink gehörte bereits im vergangenen Jahrzehnt zu den besonders umstrittenen Netzausbauprojekten. Im Laufe der Planung wurde der Vorrang für Erdkabel bei den großen Gleichstromverbindungen gesetzlich ausgeweitet. Dadurch mussten frühere Planungen teilweise grundlegend überarbeitet werden. Auch die detaillierte Festlegung des Trassenverlaufs und die anschließenden Planfeststellungsverfahren beanspruchten mehrere Jahre.
Seit 2023 verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend von Genehmigungen auf den tatsächlichen Bau. Im Oktober 2025 wurde schließlich auch der letzte noch fehlende Abschnitt genehmigt. Seitdem befindet sich SuedLink nach Angaben der Projektverantwortlichen in allen betroffenen Bundesländern in der Bauphase. Die Investitionssumme für das Gesamtprojekt wird von den Netzbetreibern mit rund zehn Milliarden Euro angegeben.
Der fertige Tunnel unter der Elbe und der erste abgeschlossene Erdkabelabschnitt bedeuten noch nicht, dass ein Großteil der gesamten Stromverbindung bereits betriebsbereit wäre. Auf Hunderten Kilometern laufen weiterhin Tiefbau, Rohrverlegung, Kabelzug und die Errichtung technischer Anlagen. Hinzu kommen Prüfungen und die Inbetriebsetzung der Konverter und Leitungsverbindungen.
Am Zeitplan hat sich durch die jüngsten Baufortschritte bislang nichts Grundsätzliches geändert. Bundesnetzagentur und Netzbetreiber führen 2028 weiterhin als Jahr der geplanten Inbetriebnahme. TenneT hat für die vollständige Verbindung Ende 2028 als Ziel genannt. Bis dahin müssen die einzelnen Baustellen zu zwei durchgängigen Gleichstromsystemen zusammenwachsen. Erst dann kann SuedLink seine vorgesehene Aufgabe übernehmen und große Strommengen gezielt zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands transportieren.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu