Tegut vor dem Ende: Wann die letzten Filialen schließen und was aus den Supermärkten wird

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die traditionsreiche Supermarktkette Tegut aus Fulda steht vor dem endgültigen Rückzug aus dem deutschen Lebensmittelhandel. Für Filialen ohne neuen Betreiber zeichnet sich inzwischen ein konkreter Termin ab: Nach Angaben der Schweizer Eigentümerin Migros Zürich sollen diese Märkte voraussichtlich bis zum 19. Dezember 2026 geöffnet bleiben. Gleichzeitig übernehmen andere Handelsunternehmen einen Großteil der bisherigen Standorte. Damit steht Tegut vor dem Aus, während viele ehemalige Filialen unter anderen Namen weitergeführt werden.

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Tegut-Filialen sollen spätestens im Dezember schließen

Der Abschied von Tegut ist bereits in vollem Gange. Zahlreiche Supermärkte haben ihren Betrieb unter dem bisherigen Namen eingestellt. Weitere Standorte werden in den kommenden Wochen an neue Betreiber übergeben. Für bislang nicht verkaufte Filialen ist der 19. Dezember 2026 als voraussichtliches Ende des regulären Verkaufs vorgesehen.

Ein verbindlicher Schließungstermin für sämtliche Standorte ist das allerdings nicht. Migros Zürich führt weiterhin Gespräche mit potenziellen Käufern. Sollte sich für einzelne Märkte noch eine Lösung ergeben, könnten die Übergaben auch später erfolgen. Die bisherige Eigentümerin erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, weiterhin eine Perspektive für die betroffenen Beschäftigten und Standorte finden zu wollen.

Edeka, Rewe und Tante Enso übernehmen 252 Märkte

Von den zuletzt 288 Tegut-Filialen haben 252 eine Übernahmeperspektive. Den größten Teil erhält der Edeka-Verbund mit 178 Standorten. Ein Teil davon wird künftig unter der Marke Netto Marken-Discount betrieben. Die Rewe-Gruppe übernimmt weitere 38 Märkte, von denen 36 als Rewe-Supermärkte und zwei als Penny-Discounter weitergeführt werden sollen. Hinzu kommen 36 überwiegend kleinere Standorte, die an das Unternehmen Tante Enso gehen.

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Für 36 Filialen gibt es bislang noch keinen bestätigten Käufer. Die betroffenen Standorte sind deshalb weiterhin Gegenstand von Verhandlungen. Bei den Übernahmen handelt es sich zudem nicht überall um eine nahtlose Fortführung des Geschäftsbetriebs. Zahlreiche Märkte schließen zunächst für Umbauarbeiten, bevor sie unter einem neuen Namen wiedereröffnen.

Was sich für Kunden durch das Tegut-Ende verändert

Für Kundinnen und Kunden bedeutet die Neuordnung vor allem einen Wechsel des Betreibers. An zahlreichen bisherigen Tegut-Standorten werden künftig Edeka, Netto, Rewe, Penny oder Tante Enso Lebensmittel verkaufen. Damit können sich Sortimente, Eigenmarken und Rabattaktionen verändern.

Besonders relevant ist das Ende des bisherigen Bonusprogramms Tebonus. Nach den veröffentlichten Informationen können Kundinnen und Kunden nur noch bis zum 31. Oktober 2026 neue Punkte sammeln. Bereits vorhandene Bonuspunkte sollen spätestens bis zum 28. November eingelöst werden. Die Teilnahme am Programm wird automatisch beendet. Eine gesonderte Kündigung ist nicht erforderlich.

Welche Märkte bereits geschlossen sind, wann Umbauten stattfinden und welcher Betreiber künftig übernimmt, lässt sich über die Standortübersicht auf der Tegut-Internetseite prüfen. Gerade während der Übergangsphase können die Öffnungszeiten und verfügbaren Angebote unterschiedlich sein.

Tausende Beschäftigte erhalten eine neue Perspektive

Die Veränderungen betreffen auch die Belegschaft. Tegut beschäftigte vor der Aufteilung nach Angaben von Migros knapp 7.500 Menschen. Ein erheblicher Teil soll künftig bei den übernehmenden Handelsunternehmen arbeiten.

Allein die Übernahme durch Edeka eröffnet nach Unternehmensangaben rund 3.800 Beschäftigten, darunter etwa 190 Auszubildenden, eine berufliche Perspektive. Die Rewe-Gruppe kündigte an, sämtlichen Mitarbeitenden der von ihr übernommenen Märkte ein Beschäftigungsangebot zu machen.

Anders sieht die Lage für Teile der bisherigen Unternehmensverwaltung aus. Die Tegut-Zentrale in Fulda soll ihren Betrieb zum 31. März 2027 vollständig einstellen. Nach Angaben der Fuldaer Zeitung betrifft die Schließung rund 470 Beschäftigte der zentralen Dienste. Für die bislang nicht verkauften Filialen sind die langfristigen Beschäftigungsperspektiven weiterhin offen.

Wirtschaftliche Verluste führten zum Rückzug von Migros

Die Supermarktkette wurde 1947 in Fulda gegründet und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem Lebensmittelhändler mit besonderem Schwerpunkt auf Bio-Produkten und regionalen Lebensmitteln. Seit 2013 gehört das Unternehmen zur Schweizer Genossenschaft Migros Zürich.

Im März 2026 kündigte Migros an, sich aus dem deutschen Markt zurückzuziehen. Hintergrund waren anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten bei Tegut. Zwar konnte das Unternehmen seinen operativen Verlust im Geschäftsjahr 2025 gegenüber dem Vorjahr deutlich reduzieren. Nach Angaben von Migros lag dieser dennoch bei 26 Millionen Schweizer Franken. Gleichzeitig entwickelte sich der Umsatz rückläufig.

Migros begründete die Verkaufsentscheidung mit der schwierigen Wettbewerbssituation und der begrenzten Unternehmensgröße von Tegut. Eine vollständige Übernahme durch einen einzelnen Händler ließ sich nicht verwirklichen. Stattdessen wurde der Verkauf einzelner Unternehmensteile und Filialpakete vereinbart.

Bundeskartellamt begrenzte die Übernahmen

Bei der Aufteilung des Filialnetzes spielte das Bundeskartellamt eine zentrale Rolle. Die Behörde genehmigte die Übernahme von 178 Märkten durch Edeka Ende September 2026 unter Auflagen. Ursprünglich wollte Edeka weitere 24 Standorte erwerben. Darauf muss der Handelsverbund mindestens vier Jahre verzichten.

Auch Rewe erhielt nicht für sämtliche gewünschten Filialen eine Genehmigung. Von ursprünglich 40 vorgesehenen Standorten darf der Konzern zunächst 38 übernehmen. Für die beiden übrigen gilt ebenfalls ein vierjähriges Erwerbsverbot.

Hintergrund sind wettbewerbsrechtliche Bedenken. Im deutschen Lebensmittelhandel entfallen bereits mehr als 90 Prozent der bundesweiten Umsätze auf die großen Handelsgruppen Edeka, Rewe, Schwarz mit Lidl und Kaufland sowie Aldi. Die Wettbewerbshüter wollten verhindern, dass sich die Marktstellung einzelner Unternehmen in bestimmten Regionen durch die Tegut-Übernahmen weiter verstärkt.

Mit dem Rückzug von Tegut endet damit eine fast 80-jährige Unternehmensgeschichte. Für einen Großteil der bisherigen Supermärkte ist eine Nachfolgelösung gefunden. Offen bleibt dagegen, ob für die letzten 36 Standorte noch Käufer gefunden werden, bevor der für Dezember vorgesehene Verkaufsstopp erreicht ist.

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