Halbe Preise bei Tegut: Kundenansturm sorgt für volle Supermärkte

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

Teilen:

Der Ausverkauf bei Tegut hat in mehreren Bundesländern einen außergewöhnlichen Kundenandrang ausgelöst. Besonders in Hessen bildeten sich lange Warteschlangen vor den Supermärkten. In Bad Vilbel musste eine Filiale am Donnerstag, 15. Oktober 2026, wegen des großen Andrangs vorzeitig schließen. Hintergrund ist der bevorstehende Betreiberwechsel zahlreicher Standorte. Die Lebensmittelkette verabschiedet sich mit erheblichen Preisnachlässen von ihren Kunden.

Anzeige

Kunden warten vor Tegut-Filialen auf Einlass

Seit Beginn der Rabattaktion am 15. Oktober herrscht in zahlreichen Tegut-Märkten großer Andrang. Kunden kaufen vor allem länger haltbare Lebensmittel, Getränke und Haushaltsartikel. Aus mehreren hessischen Städten wurden überfüllte Geschäfte, lange Kassenschlangen und zeitweise Einlassbeschränkungen bekannt. Besonders deutlich zeigte sich die Situation in Bad Vilbel. Dort wurde der Supermarkt an der Friedberger Straße am Donnerstagabend vorzeitig geschlossen, nachdem sich bereits am Nachmittag zahlreiche Menschen vor dem Eingang versammelt hatten. Auch aus Karben und Bad Hersfeld wurden lange Warteschlangen gemeldet.

Tegut bestätigte gegenüber dem Fachportal Supermarktblog, dass die Nachfrage deutlich höher ausfiel als erwartet. „Einzelne Märkte haben wir deshalb zeitweise auf Blockabfertigung umgestellt“, erklärte das Unternehmen. Dabei durften neue Kunden erst eintreten, wenn andere das Geschäft verlassen hatten. An besonders stark besuchten Standorten wurde zusätzliches Sicherheits- und Einlasspersonal eingesetzt. Einzelne Märkte können nach Unternehmensangaben grundsätzlich auch vor ihrem angekündigten letzten Verkaufstag schließen, wenn die Warenbestände erschöpft sind. Eine solche vorzeitige Schließung sei allerdings nicht geplant.

Tegut verlängert Rabattaktion bis zum 25. Oktober

Ursprünglich hatte Tegut den Preisnachlass von 50 Prozent für den Zeitraum vom 15. bis zum 17. Oktober angekündigt. Inzwischen wurde die Aktion verlängert. Nach Angaben des Unternehmens gegenüber der Fachpresse gelten die halben Preise in den teilnehmenden Märkten bis einschließlich 25. Oktober. Ab dem 26. Oktober sind sogar 75 Prozent Rabatt auf verbliebene Restbestände vorgesehen. Die Sonderaktion läuft dort bis zum jeweiligen letzten Verkaufstag. Rund 135 Filialen beteiligen sich an dem Ausverkauf. Tegut will die Geschäfte grundsätzlich weiterhin beliefern, allerdings nicht mehr mit sämtlichen Artikeln und Sortimenten.

Anzeige

Die Preisnachlässe gelten nicht uneingeschränkt. Obst und Gemüse sowie Waren aus den Frischetheken sind ausgenommen. Auch für Säuglingsanfangsnahrung, Tabakwaren, Zeitschriften, Geschenkgutscheine, Wertkarten und Pfandbeträge gibt es keinen entsprechenden Rabatt. Zudem nehmen nicht alle Tegut-Filialen an der Aktion teil. In mehreren Märkten der Region Fulda gibt es beispielsweise keinen pauschalen Nachlass von 50 Prozent. Dort werden stattdessen unter anderem Eigenmarken und ausgewählte Haushaltsartikel günstiger angeboten. Welche Geschäfte teilnehmen, veröffentlicht Tegut auf seiner offiziellen Übersichtsseite.

Rewe und Edeka übernehmen große Teile von Tegut

Hinter dem Ausverkauf steht die Neuausrichtung des bisherigen Eigentümers Migros Zürich. Die Schweizer Genossenschaft hatte am 11. März 2026 angekündigt, sich aus dem deutschen Lebensmittelhandel zurückzuziehen. Als Gründe nannte das Unternehmen anhaltende operative Verluste, rückläufige Umsätze und die schwierige Wettbewerbsposition der vergleichsweise kleinen Supermarktkette. Trotz umfangreicher Sparmaßnahmen sei keine langfristig tragfähige wirtschaftliche Perspektive für Tegut erkennbar gewesen. Die 1947 in Fulda gegründete Kette gehört seit 2013 zur Migros-Gruppe und beschäftigt rund 7.500 Menschen.

Für einen Großteil der rund 300 Standorte stehen inzwischen neue Betreiber fest. Das Bundeskartellamt genehmigte Ende September die Übernahme von 178 Tegut-Märkten durch Edeka. Am 14. Oktober erhielt auch Rewe die Freigabe für 38 Standorte. Weitere 36 Märkte sollen an Tante Enso gehen. Allerdings dürfen Edeka und Rewe bestimmte ursprünglich vorgesehene Standorte wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken zunächst nicht erwerben. Bei Edeka betrifft das 24 Märkte, bei Rewe zwei. Für insgesamt 36 weitere Tegut-Filialen war zuletzt noch kein Käufer gefunden worden. Migros führt dafür ein weiteres Bieterverfahren.

Für viele Kunden bedeutet der Eigentümerwechsel, dass ihr bisheriger Supermarkt künftig unter einem anderen Namen weitergeführt wird. Zahlreiche Standorte sollen bereits Ende Oktober ihren letzten Verkaufstag als Tegut haben. Nach vorübergehenden Schließungen für die Umstellung sind Neueröffnungen unter Edeka oder Netto im November vorgesehen. Auch für Beschäftigte verändert sich die Situation. Rewe kündigte an, allen Mitarbeitern der übernommenen Märkte ein Beschäftigungsangebot zu machen. Edeka plant ebenfalls die Übernahme zahlreicher Beschäftigter. Für Mitarbeiter an Standorten ohne gesicherte Nachfolgelösung bleibt die weitere Perspektive dagegen offen.

Die Aufteilung von Tegut verändert zugleich den Wettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel. Nach Angaben des Bundeskartellamtes vereinen Rewe, Edeka, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland bereits mehr als 90 Prozent des Branchenumsatzes auf sich. Die Behörde hat die Übernahmen deshalb mit Auflagen verbunden, um eine erhebliche Verschlechterung des Wettbewerbs in einzelnen Regionen zu verhindern. Mit dem Verschwinden von Tegut verliert der deutsche Lebensmittelhandel zugleich einen eigenständigen Anbieter, der sich über viele Jahrzehnte insbesondere mit Bio-Produkten und regionalen Lebensmitteln positioniert hatte.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu