
Die Tegut-Übernahme durch Edeka kann nach der bisherigen Einschätzung des Bundeskartellamts nicht unverändert genehmigt werden. Die Behörde sieht in 37 regionalen Markträumen erhebliche Wettbewerbsprobleme. Besonders betroffen sind Gebiete in Nord- und Osthessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg. Eine endgültige Entscheidung ist damit allerdings noch nicht gefallen. Das Kartellamt hat den beteiligten Unternehmen zunächst seine vorläufige Bewertung übermittelt. Edeka kann nun weitere Zugeständnisse anbieten, um die Bedenken auszuräumen.
Die geplante Edeka Tegut Übernahme betrifft deutlich mehr als einzelne Supermärkte. Edeka möchte 202 Tegut-Märkte sowie alle 41 automatisierten Teo-Verkaufsstellen erwerben. Zum angemeldeten Paket gehören außerdem die Herzberger Bäckerei und ein Logistikzentrum. Das Vorhaben wurde am 23. März 2026 beim Bundeskartellamt angemeldet. Wegen möglicher Auswirkungen auf den Wettbewerb leitete die Behörde anschließend ein vertieftes Hauptprüfverfahren ein. Die Prüfung konzentriert sich sowohl auf die Auswahlmöglichkeiten der Kunden vor Ort als auch auf Edekas Stellung gegenüber Herstellern und Lieferanten.
Die größten Bedenken betreffen den Wettbewerb zwischen den Lebensmittelmärkten in den jeweiligen Regionen. Das Bundeskartellamt untersucht dabei nicht nur bundesweite Marktanteile, sondern die konkrete Situation im Einzugsgebiet einzelner Standorte. In 37 regionalen Markträumen könnte die Tegut-Übernahme durch Edeka nach der vorläufigen Bewertung dazu führen, dass Kunden weniger Auswahl zwischen voneinander unabhängigen Händlern haben. Dadurch könnte auch der Wettbewerbsdruck bei Preisen, Sortiment und Qualität sinken. Die betroffenen Gebiete liegen vor allem in Hessen, Thüringen, Nordbayern und Baden-Württemberg.
Edeka hat bereits ein erstes Zusagenangebot vorgelegt. Solche Vorschläge können beispielsweise vorsehen, einzelne Standorte nicht zu übernehmen oder Märkte an unabhängige Wettbewerber abzugeben. Nach Einschätzung des Kartellamts reichen die bisherigen Änderungen jedoch noch nicht aus, um alle wettbewerbsrechtlichen Bedenken zu beseitigen. Welche Filialen Edeka möglicherweise aus dem Paket herausnehmen muss, steht deshalb noch nicht abschließend fest.
Auf den Beschaffungsmärkten sieht das Kartellamt derzeit keinen ausreichenden Grund für ein Verbot. Zwar verfügt Edeka beim Einkauf von Waren bereits über eine starke Position. Insbesondere bei Markenprodukten erreicht der Konzern nach den Ermittlungen regelmäßig Beschaffungsanteile von rund 30 Prozent. Der zusätzliche Anteil durch Tegut wäre jedoch vergleichsweise gering. Er läge bei deutlich weniger als 0,5 Prozent des gesamten Beschaffungsvolumens des deutschen Lebensmitteleinzelhandels. Für die Untersuchung wurden neun Produktgruppen betrachtet und rund 150 Hersteller und Lieferanten befragt.
Die Prüfung bestätigt zugleich die hohe Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel. Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland sowie Aldi Nord und Aldi Süd erzielen zusammen mehr als 90 Prozent der Umsätze. Allein diese hohe Konzentration reicht laut Kartellamt jedoch nicht aus, um den Edeka-Tegut-Deal zu untersagen. Dafür müsste nachgewiesen werden, dass zwischen den großen Handelsgruppen kein wirksamer Wettbewerb mehr besteht. Dafür haben die bisherigen Ermittlungen keine ausreichenden Hinweise ergeben.
Die Abmahnung des Kartellamts ist noch keine endgültige Untersagung. Sie informiert Edeka und die weiteren Beteiligten darüber, wie die Behörde den Zusammenschluss derzeit bewertet. Die Unternehmen können Stellung nehmen und zusätzliche Lösungen vorschlagen. Wegen des bereits eingereichten Zusagenangebots wurde die Prüffrist bis zum 23. September 2026 verlängert. Spätestens dann soll eine Entscheidung über das angemeldete Übernahmepaket fallen.
Der geplante Verkauf an Edeka ist nur ein Teil der Neuordnung der bisherigen Tegut-Gruppe. Weitere Filialen sollen unter anderem an Rewe und Tante Enso gehen. Einen Überblick über die verschiedenen Käufer, die betroffenen Märkte und das geplante Ende der bisherigen Marke bietet unser Hintergrundartikel: Tegut verschwindet vom Markt: Was aus den rund 300 Filialen wird.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu