Deutsche Telekom greift mit Milliarden-Deal in Polen an

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Deutsche Telekom baut ihr Geschäft in Polen mit einer größeren Übernahme aus. Der Bonner Konzern hat sich auf den Erwerb des Glasfasernetzbetreibers Fiberhost und des Telekommunikationsanbieters INEA verständigt. Beide Unternehmen sollen nach Abschluss der Transaktion Teil von T-Mobile Polska werden. Damit erhält die polnische Telekom-Tochter nicht nur zusätzliche Festnetzkunden, sondern erstmals auch in größerem Umfang eine eigene Glasfaser-Infrastruktur bis zu den Haushalten.

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Die Deutsche Telekom Übernahme in Polen hat nach Unternehmensangaben einen Enterprise Value von rund einer Milliarde Euro. Dabei handelt es sich um die Bewertung der übernommenen Unternehmen. Ein davon getrennt ausgewiesener tatsächlich zu zahlender Eigenkapital-Kaufpreis wurde in den Mitteilungen vom Montag nicht genannt.

Telekom will 100 Prozent an Fiberhost und INEA übernehmen

T-Mobile Polska bezeichnet den Umfang der Vereinbarung eindeutig: Deutsche Telekom hat demnach einen Vertrag über die Übernahme von 100 Prozent der Anteile an Fiberhost und INEA unterzeichnet. Verkäufer sind der Macquarie European Infrastructure Fund 5, der von Macquarie Asset Management verwaltet wird, sowie Minderheitsgesellschafter.

Fiberhost betreibt ein offenes Glasfasernetz in Polen und stellt seine Infrastruktur verschiedenen Telekommunikationsunternehmen zur Verfügung. INEA tritt dagegen direkt gegenüber Endkunden auf und bietet unter anderem Breitbandinternet und Fernsehen an.

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Macquarie hatte sich 2018 an INEA beteiligt. Im Jahr 2021 wurden Infrastruktur- und Endkundengeschäft organisatorisch getrennt. Daraus entstanden die heutige Struktur mit Fiberhost als Netzbetreiber und INEA als Anbieter von Telekommunikationsdiensten.

Die Deutsche Telekom beziffert den Unternehmenswert der nun vereinbarten Transaktion auf rund eine Milliarde Euro. Diese Zahl ist nicht mit einem exakt ausgewiesenen Barkaufpreis gleichzusetzen. Weitere finanzielle Einzelheiten, etwa eine Aufschlüsselung auf Fiberhost und INEA oder die Berücksichtigung von Schulden und liquiden Mitteln, wurden zunächst nicht veröffentlicht.

Fiberhost bringt Glasfasernetz für 1,4 Millionen Haushalte

Strategisch ist vor allem Fiberhost für T-Mobile Polska bedeutend. Das Glasfasernetz des Unternehmens führt an mehr als 1,4 Millionen Haushalten vorbei. Macquarie zufolge hat sich die Reichweite während seiner Beteiligungszeit von etwa 500.000 auf 1,4 Millionen Haushalte erhöht. Die Infrastruktur erstreckt sich über acht der 16 polnischen Regionen und mehr als 9.700 Städte und Ortschaften.

Hinzu kommt das Endkundengeschäft von INEA. Deutsche Telekom spricht von mehr als 300.000 Kunden, die mit der Übernahme zum Geschäft von T-Mobile Polska hinzukommen.

Für die polnische Telekom-Tochter verändert sich damit die strategische Ausgangslage. T-Mobile Polska verfügt bereits über ein Mobilfunknetz und verkauft auch Festnetzprodukte, nutzt dafür bislang aber stark die Infrastruktur anderer Anbieter. Durch Fiberhost erhält das Unternehmen künftig ein eigenes FTTH-Netz mit einer Reichweite von 1,4 Millionen Haushalten.

Damit kann T-Mobile Polska Mobilfunk, Festnetz und weitere Dienste stärker aus einer Hand anbieten. Solche kombinierten Angebote spielen im europäischen Telekommunikationsmarkt eine wichtige Rolle, weil Anbieter Kunden mehrere Dienste in einem Vertrag oder Produktpaket verkaufen können.

Offenes Fiberhost-Netz soll auch Konkurrenten zugänglich bleiben

Die Übernahme bedeutet allerdings nicht, dass die Fiberhost-Infrastruktur künftig ausschließlich von T-Mobile Polska genutzt werden soll. Deutsche Telekom hat angekündigt, dass Fiberhost sein Netz weiterhin transparent und diskriminierungsfrei anderen Internetanbietern zur Verfügung stellen soll.

Das ist auch mit Blick auf den Wettbewerb von Bedeutung. Nach Angaben von Macquarie nutzen inzwischen mehr als 160 Diensteanbieter die Fiberhost-Infrastruktur. T-Mobile Polska würde mit der Übernahme somit Eigentümer eines Netzes, über das gleichzeitig auch andere Telekommunikationsunternehmen ihre Kunden erreichen.

Für den polnischen Markt verstärkt die Transaktion den Wettbewerb zwischen Anbietern, die Mobilfunk und Festnetz miteinander kombinieren können. T-Mobile Polska entwickelt sich dadurch weiter von einem vor allem mobilfunkorientierten Betreiber zu einem integrierten Telekommunikationsanbieter mit eigener Festnetzinfrastruktur.

Polnische Wettbewerbsbehörde muss noch zustimmen

Abgeschlossen ist die Übernahme noch nicht. Zunächst haben die Beteiligten einen Kaufvertrag unterzeichnet. Für den Vollzug ist unter anderem die Zustimmung der polnischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde UOKiK erforderlich.

Macquarie nennt darüber hinaus übliche regulatorische Genehmigungen und weitere marktübliche Vollzugsbedingungen. Bis zum Abschluss sollen Fiberhost, INEA und T-Mobile Polska weiterhin unabhängig voneinander arbeiten.

Macquarie rechnet damit, dass die Transaktion bis Ende 2026 finanziell abgeschlossen werden kann. Dieser Zeitplan steht allerdings unter dem Vorbehalt der erforderlichen Genehmigungen und Bedingungen.

Für Deutsche Telekom ist die Vereinbarung vor allem ein Ausbau des bestehenden Polengeschäfts und kein Einstieg in einen neuen Markt. Die entscheidende Veränderung liegt in der Infrastruktur: T-Mobile Polska würde neben seinem Mobilfunkgeschäft eine eigene bedeutende Glasfaserplattform erhalten und zugleich seine Kundenbasis im Festnetz ausbauen. Damit bekommt die polnische Tochter eine deutlich breitere Grundlage, um mit integrierten Mobilfunk-, Internet- und TV-Angeboten am Markt aufzutreten.

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