Kunstdiebstahl auf Sizilien trifft Meisterwerk der Renaissance

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Ein schwerer Kunstraub in Messina beschäftigt die italienischen Ermittlungsbehörden. Am Abend des 15. August 2026 wurden aus dem Museo Regionale Interdisciplinare Accascina in der sizilianischen Stadt mehrere bedeutende Arbeiten des Renaissance-Malers Antonello da Messina entwendet. Betroffen sind drei Tafeln seines Polyptychons von San Gregorio aus dem Jahr 1473 und eine kleine doppelseitig bemalte Andachtstafel. Zwei weitere Tafeln des Polyptychons wurden zunächst ebenfalls aus dem Museum gebracht, anschließend jedoch in unmittelbarer Nähe zurückgelassen und wiedergefunden.

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Die Ermittlungen laufen unter Leitung der zuständigen Staatsanwaltschaft. Die sizilianische Regionalregierung hat zugleich eine interne Untersuchung des Museumsbetriebs angekündigt. Zu den Tätern und einem möglichen Motiv lagen zunächst keine behördlich bestätigten Angaben vor.

Diese vier Tafeln von Antonello da Messina fehlen

Das wichtigste betroffene Werk ist das sogenannte Polittico di San Gregorio. Das signierte und auf 1473 datierte Polyptychon bestand ursprünglich aus sechs Bildtafeln. Fünf davon waren bis zum Diebstahl erhalten. Im unteren Bereich befanden sich zentral die thronende Madonna mit dem Kind und seitlich die Heiligen Gregor der Große und Benedikt. Im oberen Register zeigen zwei kleinere Tafeln den Verkündigungsengel und die Jungfrau Maria bei der Verkündigung.

Nach dem Diebstahl fehlen die zentrale Tafel mit der Madonna und dem Kind sowie die beiden Tafeln mit dem Verkündigungsengel und der Jungfrau Maria. Die Tafeln des heiligen Gregor und des heiligen Benedikt waren ebenfalls aus ihrer Präsentation entfernt worden, wurden aber außerhalb des Museums zurückgelassen und sichergestellt.

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Hinzu kommt die gestohlene doppelseitige Tafel, die auf einer Seite Maria mit dem segnenden Jesuskind und einen betenden Franziskaner zeigt. Auf der Rückseite befindet sich eine Darstellung Christi als Schmerzensmann beziehungsweise Christus in Pietà. Das nur etwa 16 mal 12 Zentimeter große Werk wird gewöhnlich in die Zeit zwischen etwa 1465 und 1470 datiert.

Alarm und Videoüberwachung sollen funktioniert haben

Wie genau die Täter in das Museum gelangten und die Bilder entfernen konnten, war am Montag noch Gegenstand der Ermittlungen. Siziliens Regionalpräsident Renato Schifani erklärte, Alarmanlage und Videoüberwachung des Museums hätten regulär funktioniert. Die Aufzeichnungen und weitere Daten seien den Ermittlern übergeben worden.

Damit sind Berichte, wonach sämtliche Sicherheitssysteme vollständig ausgeschaltet oder funktionsunfähig gewesen seien, bislang nicht amtlich bestätigt. Die Regionalregierung ordnete zusätzlich eine interne Untersuchung an. Dabei soll geklärt werden, wie der Ablauf im Museum war und ob es Versäumnisse bei der Bewachung gegeben haben könnte.

Über mehrere maskierte Personen und einen sehr kurzen Tatablauf wurde vielfach berichtet. Einzelheiten über Zahl, Kleidung und genaue Zugangswege der Täter waren zunächst jedoch nicht in vergleichbarer Weise von Ermittlungsbehörden bestätigt. Sie lassen sich deshalb derzeit nicht als gesicherter Tathergang darstellen.

Zwei Tafeln blieben außerhalb des Museums zurück

Fest steht dagegen, dass zunächst sämtliche fünf erhaltenen Tafeln des Polyptychons aus ihrer Präsentation entfernt wurden. Die Darstellungen des heiligen Gregor und des heiligen Benedikt ließen die Täter anschließend außerhalb des Museums zurück. Damit blieben drei Teile des Polyptychons verschwunden.

Die kleine doppelseitige Andachtstafel wurde aus ihrer geschützten Präsentation entwendet. Wie die Sicherung geöffnet oder überwunden wurde, müssen die Ermittler klären.

Der Zeitpunkt des Diebstahls fiel auf den 15. August, den italienischen Feiertag Ferragosto. In Messina findet an diesem Tag traditionell die große Prozession der Vara statt, die zahlreiche Menschen in die Innenstadt zieht. Ob die Täter den Feiertag und die Veranstaltung gezielt für ihre Tat ausgewählt hatten, ist nicht behördlich festgestellt. Ein solcher Zusammenhang sollte deshalb nicht als gesichert gelten.

Sizilien lässt Sicherheitsabläufe untersuchen

Die sizilianische Regionalregierung bezeichnete die Entwendung als schweren Angriff auf das kulturelle Erbe und sagte den Ermittlungsbehörden umfassende Zusammenarbeit zu. Parallel dazu läuft eine interne Inspektion. Dabei sollen unter anderem die Abläufe beim Wachpersonal rekonstruiert werden.

Auch Italiens Kulturministerium reagierte öffentlich auf den Verlust. Kulturminister Alessandro Giuli äußerte seine Unterstützung für Messina und die Hoffnung auf eine schnelle Wiederbeschaffung der Werke.

Konkrete Erkenntnisse zu möglichen Auftraggebern oder zum geplanten Verbleib der Bilder wurden von den zuständigen Behörden zunächst nicht veröffentlicht. Einschätzungen einzelner Politiker, Experten oder Medien über einen möglichen Auftragsdiebstahl sind daher nicht mit einem bestätigten Ermittlungsergebnis gleichzusetzen.

Warum Antonello da Messina so bedeutend ist

Antonello da Messina wurde um 1430 in Messina geboren und starb dort 1479. Er gehört zu den bedeutendsten italienischen Malern des 15. Jahrhunderts. Kunsthistorisch nimmt er eine besondere Stellung ein, weil sich in seinen Bildern unterschiedliche europäische Traditionen verbinden.

Antonello kannte die Entwicklungen der italienischen Renaissance mit ihrer perspektivischen Raumdarstellung und verband sie mit einer außergewöhnlich präzisen Behandlung von Licht, Oberflächen und Gesichtern, wie sie besonders mit der niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts verbunden wird. Seine Porträts und religiösen Bilder zeichnen sich durch eine für ihre Zeit außergewöhnliche räumliche Präsenz und psychologische Wirkung aus.

Das Polyptychon von San Gregorio ist darüber hinaus eng mit Messina verbunden. Es wurde 1473 für ein dortiges Kloster geschaffen und überstand eine schwierige Geschichte mit Beschädigungen und Restaurierungen. Auch das verheerende Erdbeben von Messina im Jahr 1908 setzte dem Werk erheblich zu.

Gestohlene Andachtstafel kam 2003 nach Messina

Die kleine doppelseitige Tafel hat eine andere Herkunftsgeschichte. Sie gehörte früher zur Sammlung Wilhelm Soldan und wurde erst 2003 Antonello da Messina zugeschrieben. Im selben Jahr erwarb die Region Sizilien das Werk bei einer Auktion und brachte es anschließend in das Museum in Messina.

Gerade wegen der geringen Zahl erhaltener Gemälde Antonellos besitzen die verschwundenen Tafeln einen außergewöhnlichen kunsthistorischen Wert. Belastbare amtliche Angaben zu einem konkreten Marktwert der vier gestohlenen Teile lagen zunächst nicht vor. Genannte Summen von mehreren Dutzend Millionen Euro beruhen auf Schätzungen einzelner Kunstexperten und sind deshalb nicht mit einem festgestellten Versicherungswert oder einem möglichen Verkaufspreis gleichzusetzen.

Im Mittelpunkt steht nun die Suche nach den drei Tafeln des Polyptychons und der doppelseitigen Andachtstafel. Zugleich müssen die Ermittler rekonstruieren, wie es trotz vorhandener Sicherheits- und Überwachungstechnik möglich war, mehrere empfindliche Holztafeln aus dem Museum zu entfernen.

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