
Die mögliche Fusion der Deutschen Telekom mit ihrer amerikanischen Tochter T-Mobile US bleibt ein bedeutendes strategisches Thema für den Konzern. Vorstandschef Tim Höttges hat am Donnerstag, 5. November 2026, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für größere Zusammenschlüsse erläutert, ohne sich auf ein konkretes Vorhaben festzulegen. Gleichzeitig stellt sich die Telekom auf zusätzliche Konkurrenz durch das Raumfahrtunternehmen SpaceX ein, das ein eigenes Mobilfunknetz in den Vereinigten Staaten aufbauen will.
Höttges erklärte während einer Telefonkonferenz mit Analysten, dass mögliche Transaktionen einen zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen für die Aktionäre schaffen müssten. Neben finanziellen Vorteilen seien auch industrielle Synergien, eine tragfähige Kapitalstruktur und langfristige Erträge entscheidend. Zu einem möglichen Zusammenschluss mit T-Mobile US äußerte er sich nicht konkret.
Die Diskussion über einen Zusammenschluss der beiden börsennotierten Unternehmen hat sich in den vergangenen Wochen verschärft. Ende Oktober hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen gemeldet, die Telekom habe ihre Überlegungen für ein formelles Fusionsangebot zunächst zurückgestellt.
Als Hindernisse wurden unter anderem Vorbehalte von Arbeitnehmervertretern und Aktionären genannt. Eine endgültige Aufgabe des Vorhabens war damit allerdings nicht verbunden. Die Möglichkeit eines späteren neuen Anlaufs blieb bestehen.
Am 4. November berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf vier mit den Vorgängen vertraute Personen, dass Höttges weiterhin an dem Zusammenschluss arbeite. Demnach bemühe sich der Telekom-Chef insbesondere um politische Unterstützung durch die Bundesregierung. Eine unabhängige Bestätigung dieser internen Gespräche lag zunächst nicht vor.
Die Telekom-Fusion mit T-Mobile US wäre eine weitreichende Veränderung der bisherigen Unternehmensstruktur. Beide Konzerne sind bereits eng miteinander verbunden, werden aber weiterhin als eigenständige Aktiengesellschaften an unterschiedlichen Börsen gehandelt.
T-Mobile US ist für die wirtschaftliche Entwicklung der Deutschen Telekom von herausragender Bedeutung. Das Unternehmen gehört zu den drei großen etablierten Mobilfunknetzbetreibern in den Vereinigten Staaten und konkurriert dort vor allem mit Verizon und AT&T.
Die Deutsche Telekom verfügt bereits über die Kontrolle ihrer amerikanischen Tochter. Nach dem am 5. November veröffentlichten Zwischenbericht lag ihr unmittelbarer Kapitalanteil zum 30. September 2026 bei rund 45,5 Prozent. Unter Berücksichtigung der von T-Mobile US selbst gehaltenen Aktien lag der entsprechende Anteil bei 54,8 Prozent. Einschließlich einer Stimmrechtsvereinbarung mit SoftBank konnte die Telekom die Stimmrechte für insgesamt 55,7 Prozent der Aktien ausüben.
Ein möglicher Zusammenschluss würde deshalb nicht die erstmalige Übernahme eines unabhängigen Wettbewerbers bedeuten. Vielmehr ginge es darum, die bisherigen Konzernstrukturen grundlegend neu zu ordnen.
Als eine Möglichkeit wurde in den bisherigen Fusionsüberlegungen die Gründung einer gemeinsamen Holding diskutiert, deren Aktien sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa gehandelt werden könnten. Ob dieses Modell weiterhin verfolgt wird, ist nicht offiziell bestätigt.
Eine besonders wichtige Rolle kommt bei möglichen Fusionsplänen dem deutschen Staat zu. Der Bund hielt einschließlich der Beteiligung über die staatliche Förderbank KfW zum 30. September 2026 insgesamt 28,6 Prozent der Aktien der Deutschen Telekom.
Damit besitzt der Staat erheblichen Einfluss auf grundlegende Entscheidungen. Bei Beschlüssen, für die eine Mehrheit von mindestens 75 Prozent des vertretenen Kapitals erforderlich ist, kann eine Beteiligung dieser Größenordnung eine Sperrminorität darstellen.
Ein möglicher Zusammenschluss würde deshalb auch politische Fragen aufwerfen. Dazu gehören die künftige Konzernzentrale, die Einflussmöglichkeiten deutscher Anteilseigner und die organisatorische Stellung des Deutschlandgeschäfts.
Nach Angaben des Handelsblatts bemüht sich Höttges um die Unterstützung der Bundesregierung. Eine entsprechende Einigung wurde zunächst nicht bekannt. Auch über einen konkreten Zeitplan für eine mögliche Fusion gab es keine bestätigten Angaben.
Hinzu kommen unterschiedliche Interessen der Investoren. Der aktivistische Investor Elliott Investment Management hatte sich nach Informationen der Nachrichtenagenturen gegen einen Zusammenschluss positioniert und stattdessen Maßnahmen zur Steigerung des Börsenwerts befürwortet.
Während die Fusionsfrage offen ist, verändert sich das Wettbewerbsumfeld für T-Mobile US. Der von Elon Musk geführte Raumfahrtkonzern SpaceX will sein Satellitengeschäft Starlink um ein eigenes landgestütztes Mobilfunknetz erweitern.
Am Mittwoch, 4. November, gab der US-Chiphersteller Qualcomm eine entsprechende Vereinbarung mit SpaceX bekannt. Qualcomm soll technische Komponenten für das geplante landesweite 5G-Netz liefern. Dazu zählen Systeme für Mobilfunkbasisstationen und die Verarbeitung der Funksignale.
Nach Unternehmensangaben soll der Ausbau 2027 beginnen. Im Rahmen einer mehrjährigen Zusammenarbeit ist die Errichtung beziehungsweise Ausstattung von Zehntausenden Mobilfunkstandorten vorgesehen. Ein flächendeckendes eigenes Netz betreibt SpaceX damit gegenwärtig noch nicht.
Höttges erklärte am Donnerstag, dass die Telekom mit einem Markteintritt von SpaceX als zusätzlichem Mobilfunkanbieter rechne. Der Aufbau eines entsprechenden Netzes werde allerdings erhebliche Investitionen erfordern.
Nach seiner Einschätzung können Satellitenverbindungen herkömmliche Mobilfunknetze nicht vollständig ersetzen. Gerade in Städten und Gebäuden seien weiterhin terrestrische Mobilfunkanlagen notwendig.
Die mögliche Konkurrenz ist besonders bemerkenswert, weil T-Mobile US und SpaceX bereits geschäftlich zusammenarbeiten.
Unter der Bezeichnung T-Satellite bietet T-Mobile US gemeinsam mit Starlink Satellitenkommunikation für kompatible Smartphones an. Das Angebot ergänzt die vorhandenen Mobilfunknetze insbesondere dort, wo herkömmliche Funkmasten keine Versorgung gewährleisten.
Der Dienst wurde 2025 kommerziell eingeführt und anschließend um zusätzliche Datenanwendungen erweitert. Kunden können damit unter bestimmten technischen Voraussetzungen auch außerhalb der regulären Mobilfunkversorgung kommunizieren.
SpaceX könnte damit künftig gleichzeitig Technologiepartner und direkter Wettbewerber werden. Ob und in welchem Umfang das Unternehmen eigene Mobilfunkkunden gewinnen wird, lässt sich derzeit nicht bestimmen.
Höttges sieht in der Entwicklung zudem eine Herausforderung für europäische Telekommunikationsunternehmen. Diese seien im internationalen Vergleich häufig kleiner und könnten deshalb nicht dieselben Größenvorteile wie große amerikanische Anbieter nutzen. Er sprach sich dafür aus, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Netzinfrastruktur im internationalen Maßstab zu stärken.
Die strategische Bedeutung des US-Geschäfts bleibt für die Deutsche Telekom hoch. Das Unternehmen profitiert erheblich von der Entwicklung seiner amerikanischen Tochter und verfügt bereits über eine Mehrheitsposition.
Die am Donnerstag veröffentlichten Geschäftszahlen unterstreichen die wirtschaftliche Bedeutung dieser Beteiligung. Die Telekom hob ihre Prognose für 2026 unter anderem wegen der höheren Erwartungen von T-Mobile US an. Gleichzeitig kündigte sie für 2027 Aktienrückkäufe von bis zu zwei Milliarden Euro an.
Für einen möglichen Zusammenschluss sind jedoch weiterhin wesentliche Fragen ungeklärt. Neben der Zustimmung beteiligter Aktionäre und möglichen politischen Hürden wären auch die konkrete rechtliche Struktur, die Finanzierung und die wirtschaftlichen Vorteile eines solchen Vorhabens zu bestimmen.
Höttges machte deutlich, dass Größe allein keine ausreichende Grundlage für eine Übernahme oder Fusion sei. Entscheidend sei ein zusätzlicher Nutzen für die Aktionäre, ohne die finanzielle Stabilität des Konzerns zu gefährden.
Damit bleibt die mögliche Fusion der Deutschen Telekom mit T-Mobile US eine strategische Option, aber kein offiziell beschlossenes Vorhaben. Der angekündigte Ausbau von SpaceX schafft unterdessen eine neue Wettbewerbsperspektive für den amerikanischen Mobilfunkmarkt, auf dem die Telekom bereits heute einen großen Teil ihres Geschäfts erwirtschaftet.
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