
Der französische Energiekonzern TotalEnergies stellt die Wirtschaftlichkeit mehrerer geplanter Offshore-Windparks in Deutschland infrage. In seiner Quartalsbilanz für das dritte Quartal 2026 weist das Unternehmen erhebliche Abschreibungen aus. Zugleich machte Konzernchef Patrick Pouyanné deutlich, dass weitere Investitionen in einzelne deutsche Windkraftprojekte von deren wirtschaftlichen Aussichten abhängen. Die Entwicklung fällt in eine Phase, in der die Bundesregierung über neue Möglichkeiten zur Rückgabe bereits versteigerter Offshore-Flächen diskutiert.
Aus den am 29. Oktober 2026 veröffentlichten Quartalsunterlagen geht hervor, dass TotalEnergies im Geschäftsbereich Integrated Power Wertminderungen und Rückstellungen von 891 Millionen US-Dollar verbuchte. Der Bereich umfasst die Stromerzeugung und weitere Aktivitäten im Elektrizitätsgeschäft. Als einen wesentlichen Grund für die Belastungen nennt der Konzern seine Offshore-Windaktivitäten in Deutschland.
Konzernweit beliefen sich die entsprechenden Wertminderungen und Rückstellungen im dritten Quartal auf rund 1,95 Milliarden Dollar. Neben dem Stromgeschäft war insbesondere die Raffinerie- und Chemiesparte betroffen. Wie viel der 891 Millionen Dollar im Stromsegment genau auf einzelne deutsche Windparkprojekte entfällt, wird in der Quartalsaufstellung nicht gesondert ausgewiesen.
Eine Abschreibung bedeutet, dass ein Unternehmen den bilanzierten Wert eines Vermögenswerts reduziert. Sie ist nicht mit einem entsprechenden unmittelbaren Geldabfluss gleichzusetzen. Bei den deutschen Offshore-Windkonzessionen spiegelt die Wertminderung wider, dass TotalEnergies die wirtschaftlichen Aussichten einzelner Projekte inzwischen schlechter einschätzt.
Bei der Präsentation der Quartalszahlen am Donnerstag, 29. Oktober, äußerte sich Konzernchef Patrick Pouyanné kritisch zu den Rahmenbedingungen für Offshore-Windenergie in Deutschland. Er verwies auf gestiegene Kosten, längere Zeiträume bis zum Netzanschluss und die schwierige Vermarktung des künftig erzeugten Stroms.
Nach seiner Darstellung kann TotalEnergies unter diesen Voraussetzungen nicht bei allen erworbenen Konzessionen eine ausreichende Rentabilität erkennen. Pouyanné machte deutlich, dass Investitionen für den Konzern nur infrage kämen, wenn sich damit Strom zu wirtschaftlich tragfähigen Preisen anbieten lasse.
Allerdings unterschied der Manager ausdrücklich zwischen den einzelnen Projekten. An bestimmten Konzessionen, die zu vergleichsweise günstigen Bedingungen erworben worden seien, wolle TotalEnergies weiterarbeiten. Bei anderen müsse das Unternehmen die wirtschaftlichen Folgen erneut bewerten.
Damit stehen nicht sämtliche Offshore-Windprojekte in Deutschland vor dem Aus. Auch eine grundsätzliche Einstellung aller deutschen Investitionen kündigte Pouyanné nicht an. Seine Aussagen bezogen sich auf die Wirtschaftlichkeit der betreffenden Windkraftvorhaben.
TotalEnergies hatte sich seit 2023 umfangreiche Rechte zum Bau von Offshore-Windparks in deutschen Gewässern gesichert. Dazu gehören Flächen in der Nordsee und Ostsee sowie Beteiligungen an Projekten des deutschen Energiekonzerns RWE.
Im Juli 2023 erhielt TotalEnergies die Zuschläge für die Flächen N-12.1 und O-2.2 mit einer vorgesehenen Gesamtleistung von drei Gigawatt. Im Juni 2024 kam die Nordseefläche N-11.2 mit einer geplanten Leistung von weiteren 1,5 Gigawatt hinzu.
Im Jahr 2025 sicherte sich der Konzern zusätzliche Rechte für das Projekt N-9.4 mit einer vorgesehenen Kapazität von einem Gigawatt. Zusammen mit Beteiligungen an weiteren Windparks entwickelte TotalEnergies damit ein umfangreiches deutsches Offshore-Portfolio.
Bereits im Juni 2026 hatte das Unternehmen öffentlich erklärt, nach einer Lösung für das Projekt NordseeEnergies 2 zu suchen. Der geplante Windpark liegt etwa 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland und soll eine Leistung von 1,5 Gigawatt erreichen.
TotalEnergies wollte mit deutschen Behörden über die Bedingungen einer möglichen Rückgabe der entsprechenden Konzession verhandeln. Weil diese Gespräche zunächst erfolglos geblieben waren, reichte das Unternehmen den Genehmigungsantrag ein und leistete die vertraglich vorgesehene erste Zahlung. Gleichzeitig kündigte es an, mögliche Entschädigungsansprüche wegen der Verzögerungen beim Netzanschluss zu verfolgen.
Parallel zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Projektentwickler arbeitet die Bundesregierung an einer Reform der Offshore-Windenergie.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche erklärte Ende Oktober, dass für wirtschaftlich nicht mehr realisierbare Vorhaben eine geordnete Rückgabe und anschließende Neuvergabe von Flächen ermöglicht werden solle. Die betreffenden Unternehmen sollen dabei nicht ohne finanzielle Verpflichtungen aus ihren bisherigen Zusagen entlassen werden.
Damit reagiert die Ministerin auch auf Forderungen mehrerer Bundesländer. Acht Regierungschefinnen und Regierungschefs hatten sich für eine rechtssichere Rückgabemöglichkeit ausgesprochen, um die Blockade nicht mehr wirtschaftlich entwickelbarer Windkraftflächen zu verhindern.
Die geplante Regelung ist allerdings noch nicht mit einer bereits wirksamen allgemeinen Rückgabeerlaubnis gleichzusetzen. Der bisherige Gesetzentwurf sieht eine einseitige Rückgabe von Zuschlägen nicht vor. Für eine neue Möglichkeit wären entsprechende gesetzliche Änderungen erforderlich.
Die Schwierigkeiten im deutschen Offshore-Geschäft stehen im Kontrast zu den insgesamt starken Quartalszahlen des französischen Energiekonzerns.
TotalEnergies erzielte im dritten Quartal 2026 einen bereinigten Nettogewinn von rund 9,1 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahresquartal waren es knapp vier Milliarden Dollar gewesen. Der Gewinn nach der ausgewiesenen Konzernrechnung lag bei rund 8,26 Milliarden Dollar.
Besonders das Raffineriegeschäft und der Handel mit Flüssigerdgas trugen zu dem Gewinnanstieg bei. Der operative Cashflow vor Veränderungen des Working Capital erreichte rund 12,3 Milliarden Dollar.
Trotz der Abschreibungen bestätigte TotalEnergies seine Investitionsplanung für 2026 mit Nettoinvestitionen von rund 15 Milliarden Dollar. Außerdem stellte der Konzern Aktienrückkäufe von jeweils 2,5 Milliarden Dollar für das vierte Quartal 2026 und das erste Quartal 2027 in Aussicht.
Die Probleme bei einzelnen TotalEnergies-Projekten betreffen eine Branche, die mit höheren Finanzierungskosten, gestiegenen Baukosten und Verzögerungen beim Netzanschluss konfrontiert ist. Hinzu kommen Unsicherheiten über die künftig erzielbaren Stromerlöse.
Die Bundesnetzagentur hatte die ursprünglich für 2026 vorgesehenen Offshore-Ausschreibungen bereits auf 2027 verschoben. Hintergrund der Neuplanung sind unter anderem Schwierigkeiten des bisherigen Ausschreibungssystems.
Mit der Reform des Windenergie-auf-See-Gesetzes will die Bundesregierung die wirtschaftlichen Bedingungen für künftige Vorhaben verbessern. An den langfristigen Ausbauzielen für die Windenergie auf See soll grundsätzlich festgehalten werden.
Für TotalEnergies hängt die Entwicklung seiner deutschen Offshore-Windprojekte nun wesentlich davon ab, wie sich Netzanschlüsse, Investitionskosten und regulatorische Rahmenbedingungen verändern. Während der Konzern an bestimmten Standorten weiterarbeiten will, stehen bei anderen Konzessionen die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Realisierung infrage.
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