
Volkswagen will die Gehälter im Konzern offenbar bis 2030 auf dem bisherigen Niveau halten. Damit zeichnet sich ein neuer Konflikt zwischen dem Autobauer und der IG Metall ab. Die Gewerkschaft fordert fünf Prozent mehr Geld und warnt vor erheblichen Kaufkraftverlusten. Betroffen sein könnten nicht nur Beschäftigte der Kernmarke Volkswagen, sondern auch Mitarbeiter von Audi, Porsche und weiteren Konzerngesellschaften.
Nach Angaben des Europäischen und Weltkonzernbetriebsrats hat die Volkswagen-Führung ihre Personalverantwortlichen weltweit angewiesen, bis 2030 keine weiteren Entgelterhöhungen einzuplanen. Diese Vorgabe soll bereits Anfang Oktober in Kraft getreten sein. Bislang hatte der Konzern in seinen Personalbudgets auch mögliche Tarifsteigerungen und einen Ausgleich für die Inflation berücksichtigt.
Von der geplanten Linie könnten weltweit mehr als 660.000 Beschäftigte betroffen sein, darunter rund 275.000 in Deutschland. Etwa 130.000 Mitarbeiter unterliegen hierzulande dem VW-Haustarif. Volkswagen selbst wollte die Darstellung nicht bestätigen. Gegenüber dem NDR bezeichnete ein Konzernsprecher die Angaben als Spekulationen.
Die Vorstellungen des Konzernvorstands stehen im direkten Gegensatz zu den Forderungen der Arbeitnehmervertreter. Die IG Metall verlangt für die neue Tarifrunde fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Darüber hinaus sollen Beschäftigte in den unteren Entgeltgruppen besonders berücksichtigt werden.
Über Nullrunden bei Volkswagen ist bislang keine neue tarifliche Vereinbarung geschlossen worden. Die Gewerkschaft weist darauf hin, dass Lohnentwicklungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmervertretungen ausgehandelt werden müssen. Sie kündigt erheblichen Widerstand gegen einen mehrjährigen Gehaltsstopp an.
Die wirtschaftlichen Folgen könnten für Beschäftigte beträchtlich sein. Sollte Volkswagen über mehrere Jahre auf Lohnerhöhungen verzichten und die Inflation ähnlich hoch ausfallen wie zuletzt, rechnet die Gewerkschaft mit Kaufkraftverlusten von mindestens zehn Prozent bis 2030. Dabei handelt es sich um eine Prognose, nicht um einen bereits eingetretenen Verlust.
Der neue Konflikt trifft auf eine Belegschaft, die bereits erhebliche Einschnitte akzeptiert hat. Im Dezember 2024 verständigten sich Volkswagen und IG Metall auf einen umfassenden Tarifkompromiss. Eine vereinbarte Entgelterhöhung von 5,5 Prozent wurde bis Anfang 2031 verschoben. Auch bei Sonderzahlungen und der Ergebnisbeteiligung wurden Zugeständnisse vereinbart.
Im Gegenzug wurde die Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 verlängert. Der damalige Abschluss schloss neue tarifliche Entgelterhöhungen ab 2027 jedoch ausdrücklich nicht aus. Nach Angaben der IG Metall tragen die Beschäftigten durch die bestehenden Vereinbarungen bereits jährlich rund 1,5 Milliarden Euro zur Entlastung des Unternehmens bei.
Die möglichen Folgen reichen über die eigentlichen Volkswagen-Werke hinaus. Für große deutsche Konzerngesellschaften wie Audi, Porsche und MAN gelten grundsätzlich die regionalen Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie. Deren Verhandlungen laufen unabhängig vom VW-Haustarif.
Auch in dieser Tarifrunde verlangt die IG Metall fünf Prozent mehr Geld. Die ersten Gespräche in der Metall- und Elektroindustrie brachten keine Einigung. Ab dem 27. Oktober sind weitere Verhandlungsrunden vorgesehen. Eine konzernweite Vorgabe zu unveränderten Personalkosten könnte damit auch bei den Verhandlungen für Audi eine Rolle spielen. Automatisch wirksam würde ein Gehaltsstopp durch eine solche Konzernentscheidung allerdings nicht.
Hintergrund der Auseinandersetzung ist die wirtschaftliche Neuordnung des Volkswagen-Konzerns. Der Autobauer begründet seine Sparmaßnahmen unter anderem mit zunehmendem Wettbewerb aus China, internationalen Handelsbarrieren und dem tiefgreifenden Wandel der Automobilindustrie.
Im September stellte Volkswagen weitere Maßnahmen zur Senkung der Kosten vor. Der Zukunftsplan 2030 sieht unter anderem eine Anpassung der Beschäftigtenzahl um rund 50.000 Stellen im Konzern vor. Auch die künftige Auslastung einzelner europäischer Werke steht zur Diskussion. Für Emden, Hannover, Zwickau und den Audi-Standort Neckarsulm kann das Unternehmen nach eigenen Angaben für die Jahre ab 2031 bis 2034 bislang keine wettbewerbsfähige Anschlussproduktion gewährleisten. Alternative Nutzungsmöglichkeiten werden geprüft.
Volkswagen hatte bereits Ende September mehrere Haustarifverträge zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Betroffen sind unter anderem Vereinbarungen zu Entgelt, Arbeitsbedingungen und Zusatzleistungen. Die bisherige Beschäftigungssicherung bis 2030 bleibt bestehen. Nach Angaben des Unternehmens gelten die gekündigten tariflichen Regelungen zunächst weiter.
Während in der Metall- und Elektroindustrie bereits verhandelt wird, soll die eigentliche Entgelttarifrunde bei Volkswagen voraussichtlich im Winter beginnen. Ab Januar 2027 sind dort auch Arbeitskampfmaßnahmen möglich. Ob der Konzern den geplanten Gehaltsstopp in den Verhandlungen tatsächlich durchsetzen kann, ist offen.
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