
Im Konflikt über strengere Kapitalvorschriften für die UBS wächst die Sorge um Arbeitsplätze in der Schweiz. Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) warnt vor dem möglichen Verlust von 10.000 bis 12.000 Stellen, sollte die Großbank ihren Hauptsitz ins Ausland verlegen. Die Zahl beschreibt ein mögliches Szenario und keinen beschlossenen Stellenabbau. Hintergrund ist eine geplante Verschärfung der Eigenkapitalanforderungen, gegen die sich die UBS seit Monaten wehrt.
Nach Informationen der „NZZ am Sonntag“ hat der Bankpersonalverband seine Bedenken in einem Schreiben an Schweizer Parlamentsmitglieder dargelegt. Demnach könnten bei einem Wegzug der UBS zwischen 10.000 und 12.000 der rund 34.000 Arbeitsplätze in der Schweiz verloren gehen. Der Verband fordert eine politische Lösung, die sowohl die Stabilität des Finanzsystems als auch die Beschäftigung berücksichtigt.
Die Warnung betrifft ein mögliches Zukunftsszenario. Eine Entscheidung der UBS, ihre Konzernzentrale zu verlegen, ist nicht bekannt. Auch konkrete Stellenstreichungen in der genannten Größenordnung wurden von der Bank nicht angekündigt.
Auslöser des Konflikts sind Reformen, mit denen die Schweiz ihr Bankensystem nach der Krise der Credit Suisse widerstandsfähiger machen will. Die UBS hatte ihren früheren Konkurrenten 2023 im Zuge einer staatlich unterstützten Übernahme übernommen.
Die Schweizer Regierung hatte im April 2026 vorgeschlagen, dass systemrelevante Banken ihre Beteiligungen an ausländischen Tochtergesellschaften künftig vollständig mit hartem Kernkapital absichern müssen. Damit soll das Risiko sinken, dass der Staat bei einer erneuten Bankenkrise eingreifen muss.
Der Ständerat entschied am 23. September für eine etwas mildere Variante. Danach sollen 90 Prozent der Auslandsbeteiligungen mit hartem Kernkapital unterlegt werden. Bisher liegt der entsprechende Anteil bei 45 Prozent. Die endgültige gesetzliche Regelung steht noch aus.
Die UBS kritisiert die geplanten Vorschriften als unverhältnismäßig. Nach Berechnungen der Bank würde allein die vom Ständerat beschlossene Variante zusätzliches hartes Kernkapital von rund 16 Milliarden US-Dollar erforderlich machen.
In einer Stellungnahme vom 23. September erklärte die Großbank, dass die Vorschriften ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen könnten. Sie will sich weiterhin für eine Regulierung einsetzen, die stärker mit internationalen Anforderungen abgestimmt ist.
Damit stehen sich unterschiedliche Interessen gegenüber. Die Schweizer Regierung will Risiken für Steuerzahler begrenzen, während die UBS vor wirtschaftlichen Nachteilen im internationalen Bankengeschäft warnt. Für den Finanzplatz Schweiz ist die Entwicklung auch deshalb von Bedeutung, weil die UBS eine weltweit tätige Großbank mit umfangreichen Auslandsgeschäften ist.
Unabhängig von den aktuellen Regulierungsplänen baut die UBS im Zusammenhang mit der Integration der Credit Suisse bereits Arbeitsplätze ab. Für die Schweiz hatte die Bank einen Abbau von insgesamt rund 3.000 Stellen angekündigt. Ein Teil davon ist bereits erfolgt. Die weiteren Veränderungen sollen sich insbesondere auf die zweite Jahreshälfte 2026 und Anfang 2027 konzentrieren.
Die vom Arbeitnehmerverband genannten möglichen zusätzlichen Jobverluste wären damit eine weitere Belastung für den Schweizer Bankensektor. Ob sie tatsächlich eintreten könnten, hängt unter anderem von den abschließenden politischen Entscheidungen und der künftigen Unternehmensstrategie der UBS ab.
Als Nächstes befasst sich die zuständige Kommission des Schweizer Nationalrats mit den Kapitalanforderungen. Eine abschließende Entscheidung über die Reform ist bislang nicht gefallen.
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