Millionen Deutsche überschuldet: Krankheit bleibt häufigster Auslöser

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Die Zahl der überschuldeten Erwachsenen in Deutschland ist nach mehreren Jahren des Rückgangs wieder gestiegen. Im Jahr 2025 galten rund 5,67 Millionen Menschen über 18 Jahren als überschuldet. Das waren etwa 111.000 mehr als ein Jahr zuvor. Gleichzeitig zeigt der neue Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen, kurz iff, dass bei Menschen in der Schuldnerberatung gesundheitliche Probleme und Arbeitslosigkeit weiterhin besonders häufig am Beginn finanzieller Krisen stehen.

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Die beiden Angaben stammen aus unterschiedlichen Datengrundlagen. Die bundesweite Zahl von 5,67 Millionen geht auf den SchuldnerAtlas Deutschland 2025 von Creditreform Wirtschaftsforschung zurück. Der am 18. September 2026 veröffentlichte iff-Überschuldungsreport 2026 greift diese Größenordnung auf und untersucht zusätzlich detaillierte Daten aus Schuldnerberatungsstellen.

Zahl der Überschuldeten steigt erstmals seit Jahren wieder

Nach Angaben von Creditreform erhöhte sich die Zahl überschuldeter Erwachsener 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 2,0 Prozent. 2024 waren noch etwa 5,56 Millionen Menschen betroffen. Die Überschuldungsquote stieg innerhalb eines Jahres von 8,09 auf 8,16 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Zuvor waren die bundesweiten Zahlen seit 2018 zurückgegangen oder weitgehend stabil geblieben.

Als überschuldet gelten dabei nicht Menschen allein deshalb, weil sie Kredite oder andere Verbindlichkeiten haben. Entscheidend ist, dass Zahlungsverpflichtungen dauerhaft nicht mehr aus den verfügbaren Mitteln erfüllt werden können. Der iff-Report beschreibt den Übergang von einem vorübergehenden finanziellen Engpass zur Überschuldung als fließend. Ausschlaggebend sei, ob die finanzielle Belastung auf Dauer nicht mehr aus eigener Kraft bewältigt werden kann.

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Die Creditreform-Zahlen zeigen auch, dass sich der jüngste Anstieg nicht auf einzelne Regionen oder Gruppen beschränkt. In 69 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte nahmen die Überschuldungsquoten 2025 zu. Creditreform registrierte zugleich sowohl mehr Fälle mit bereits juristisch relevanten Merkmalen wie Vollstreckungen als auch mehr Fälle mit länger anhaltenden Zahlungsstörungen.

Krankheit und Arbeitslosigkeit führen die Ursachenliste an

Für die Frage, warum Menschen in eine Überschuldung geraten, liefert der neue iff-Überschuldungsreport 2026 detailliertere Angaben. Bei den ausgewerteten Beratungsfällen war Krankheit mit 17,8 Prozent der häufigste dokumentierte Hauptauslöser. Das iff fasst in dieser Kategorie Erkrankungen, Suchterkrankungen und Unfälle zusammen. Auf Arbeitslosigkeit oder reduzierte Erwerbsarbeit entfielen 14,9 Prozent.

Danach folgten gescheiterte Selbstständigkeit mit 9,9 Prozent, Konsumverhalten mit 9,5 Prozent, Einkommensarmut mit 9,1 Prozent sowie Scheidung oder Trennung mit 8,8 Prozent. Die Daten zeigen damit, dass häufig einschneidende Veränderungen bei Gesundheit, Arbeit oder Familie mit finanziellen Schwierigkeiten verbunden sind. Zugleich weist das Institut darauf hin, dass Überschuldung meist nicht durch einen einzigen Faktor entsteht. Mehrere Belastungen können gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken.

Der Bericht unterscheidet dabei ausdrücklich zwischen einem dokumentierten Hauptauslöser und den tieferliegenden Gründen einer Überschuldung. Für die Auswertung wurde jeweils der zuerst erfasste Hauptauslöser verwendet, weil Angaben zu weiteren Ursachen wesentlich seltener vollständig vorlagen.

Mehr als 224.000 Beratungsfälle ausgewertet

Der iff-Überschuldungsreport basiert insgesamt auf 224.768 Beratungsfällen aus den Jahren 2015 bis 2025. Die Daten stammen von 122 Schuldnerberatungsstellen aus allen Bundesländern. Allein 36.480 ausgewertete Fälle hatten ihren Beratungsbeginn im Jahr 2025. Für die detaillierte Auswertung der Hauptauslöser lagen für 2025 gut 22.000 entsprechende Dokumentationen vor.

Das Institut betont, dass diese Daten keine repräsentative Stichprobe aller überschuldeten Menschen in Deutschland darstellen. Einbezogen werden Personen, die tatsächlich eine der teilnehmenden Beratungsstellen aufgesucht haben und deren Fälle über die verwendete Beratungssoftware erfasst wurden. Die Ergebnisse beschreiben daher vor allem die Lebenssituation von Ratsuchenden.

Zu einem ähnlichen Ergebnis hinsichtlich der wichtigsten Ursachen kommt die amtliche Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes. Für Personen, die 2025 eine Schuldner- oder Insolvenzberatungsstelle nutzten, waren Erkrankung, Sucht oder Unfall mit 18,2 Prozent ebenfalls der häufigste Hauptauslöser. Arbeitslosigkeit folgte mit 16,8 Prozent. Diese Bundesstatistik basiert auf Angaben von 738 der rund 1.360 Beratungsstellen und wurde auf die Gesamtheit der dort beratenen Personen hochgerechnet. Auch das Statistische Bundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass daraus nicht die Gesamtzahl aller überschuldeten Menschen in Deutschland abgeleitet werden kann.

Wohnkosten belasten Ratsuchende überdurchschnittlich stark

Neben den unmittelbaren Auslösern untersucht der iff-Report auch die laufenden finanziellen Belastungen. Besonders deutlich zeigt sich der Unterschied bei den Wohnkosten. Während private Haushalte in Deutschland 2025 durchschnittlich rund 24 Prozent ihres Einkommens für das Wohnen verwendeten, lag der entsprechende Anteil bei den ausgewerteten Ratsuchenden im Mittel bei 38 Prozent.

Auch bestimmte Haushaltsformen sind in der Beratung deutlich stärker vertreten als in der Gesamtbevölkerung. Alleinerziehende mit drei oder mehr Kindern finden sich nach Angaben des Instituts 5,8-mal so häufig in den ausgewerteten Schuldnerberatungen, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechen würde. Bei Alleinerziehenden spielen zudem Trennung, Scheidung und Veränderungen der Erwerbsarbeit eine besonders große Rolle.

Die mittlere Schuldenhöhe der im iff-Report analysierten Beratungsfälle lag 2025 bei 19.168 Euro. Dabei handelt es sich um den Median und damit um den Wert, bei dem jeweils die Hälfte der betrachteten Fälle höhere beziehungsweise niedrigere Schulden hatte. In der amtlichen Statistik des Statistischen Bundesamtes lag die durchschnittliche Verschuldung der beratenen Personen dagegen bei 34.650 Euro. Die Unterschiede erklären sich unter anderem durch verschiedene Datengrundlagen und statistische Kennzahlen.

Der aktuelle Befund zeigt damit zwei Entwicklungen gleichzeitig: Bundesweit ist die Zahl der überschuldeten Erwachsenen 2025 erstmals seit Jahren wieder gestiegen. In den Schuldnerberatungen bleiben zugleich gesundheitliche Einschnitte und der Verlust oder die Einschränkung von Erwerbsarbeit die am häufigsten dokumentierten Auslöser finanzieller Krisen.

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