
Die AfD erreicht in einer neuen Umfrage in Brandenburg 40 Prozent und liegt damit deutlich vor der SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke. Die Sozialdemokraten kommen nur noch auf 20 Prozent. Auch die CDU verliert erheblich an Zustimmung. Besonders bemerkenswert ist die mögliche Sitzverteilung nach einer Landtagswahl: AfD und Bündnis Sahra Wagenknecht könnten gemeinsam rechnerisch eine parlamentarische Mehrheit erreichen. Für die amtierende Landesregierung aus SPD und CDU reichen die Umfragewerte dagegen nicht mehr aus.
Die am Freitag, 9. Oktober 2026, veröffentlichten Zahlen stammen vom Meinungsforschungsinstitut INSA. Im Auftrag der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau wurden zwischen dem 29. September und dem 6. Oktober insgesamt 1.000 Wahlberechtigte in Brandenburg befragt.
Demnach würde die AfD bei einer Landtagswahl derzeit 40 Prozent der Stimmen erhalten. Gegenüber der vorherigen INSA-Erhebung vom März entspricht das einem Anstieg um sechs Prozentpunkte. Die SPD verliert dagegen vier Punkte und fällt auf 20 Prozent zurück.
Auch für die CDU fällt die Entwicklung negativ aus. Die Partei von Landeschef und Innenminister Jan Redmann erreicht neun Prozent und verliert damit fünf Prozentpunkte gegenüber März. Sie liegt nun gleichauf mit der Linken, die sich um zwei Punkte verbessert.
Die aktuellen Umfragewerte im Überblick:
| Partei | Oktober 2026 | März 2026 |
|---|---|---|
| AfD | 40 % | 34 % |
| SPD | 20 % | 24 % |
| CDU | 9 % | 14 % |
| Linke | 9 % | 7 % |
| Grüne | 7 % | 5 % |
| BSW | 7 % | 8 % |
| Sonstige | 8 % | 8 % |
Damit wäre die AfD mit erheblichem Abstand stärkste Kraft. Die Linke und die Grünen würden nach den aktuellen Zahlen wieder in den Landtag einziehen. Beide Parteien waren 2024 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert.
Die Entwicklung wird besonders beim Vergleich mit der letzten Landtagswahl sichtbar. Am 22. September 2024 hatte die SPD noch 30,9 Prozent der Zweitstimmen erreicht und war damit knapp vor der AfD stärkste Partei geworden. Diese kam damals auf 29,2 Prozent.
Die aktuelle Umfrage weist für die SPD somit einen um 10,9 Prozentpunkte niedrigeren Wert aus. Die AfD liegt dagegen 10,8 Punkte über ihrem damaligen Wahlergebnis.
Auch das BSW hat seit der Wahl deutlich an Zustimmung eingebüßt. Während die Partei 2024 bei ihrem ersten Antreten in Brandenburg 13,5 Prozent erreichte, kommt sie aktuell nur noch auf sieben Prozent. Die CDU fällt von damals 12,1 auf neun Prozent.
Anders sieht es bei Linken und Grünen aus. Die Linke hatte 2024 lediglich drei Prozent erhalten, die Grünen 4,1 Prozent. In der neuen Erhebung liegen beide wieder oberhalb der für den Landtag entscheidenden Fünf-Prozent-Marke.
Der Landtag umfasst regulär 88 Sitze. Nach der Wahl 2024 entfielen davon 32 auf die SPD, 30 auf die AfD, 14 auf das BSW und zwölf auf die CDU. Die heutige Zusammensetzung hat sich durch Fraktionswechsel verändert.
Besonders relevant sind die möglichen Mehrheitsverhältnisse. AfD und BSW erreichen in der Umfrage zusammen 47 Prozent. Obwohl dieser Wert unter 50 Prozent liegt, könnte er für eine parlamentarische Mehrheit genügen.
Der Grund liegt im Wahlrecht. Die acht Prozent für sonstige Parteien verteilen sich nach den aktuellen Zahlen auf politische Gruppierungen, die jeweils unter der Fünf-Prozent-Hürde bleiben. Sollten sie bei einer Wahl keine berücksichtigungsfähigen Mandate gewinnen, würden diese Stimmen bei der proportionalen Sitzverteilung nicht berücksichtigt. Auf AfD und BSW entfielen dann zusammen rund 51 Prozent der Stimmen für Parteien oberhalb der Hürde.
Eine solche rechnerische Mehrheit bedeutet allerdings keine politische Zusammenarbeit. Das BSW lehnt eine Koalition mit der AfD bislang ab. Auch aus den Umfrageergebnissen ergibt sich weder eine Vereinbarung zwischen beiden Parteien noch eine Änderung ihrer bisherigen Haltung.
Für die derzeitigen Koalitionspartner SPD und CDU wäre die Situation ebenfalls schwierig. Zusammen kommen sie auf lediglich 29 Prozent. Damit erreichen sie deutlich weniger als die AfD allein.
Eine parlamentarische Mehrheit ohne die AfD wäre nach der derzeitigen Umfragekonstellation nur mit einem Bündnis aus SPD, CDU, Linken, Grünen und BSW möglich. Diese fünf Parteien vereinen 52 Prozent auf sich. Ob ein solches politisch sehr breites Bündnis tatsächlich zustande kommen könnte, ist damit nicht beantwortet.
Brandenburg hat bereits einen Regierungswechsel innerhalb der laufenden Wahlperiode erlebt. Nach der Landtagswahl 2024 hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke zunächst eine Koalition mit dem BSW gebildet.
Diese Zusammenarbeit endete am 6. Januar 2026. Hintergrund waren unter anderem mehrere Austritte aus der BSW-Fraktion, durch die das Regierungsbündnis seine parlamentarische Grundlage verlor.
Woidke führte die Regierung zunächst ohne feste Koalitionsmehrheit weiter. Anschließend verständigten sich SPD und CDU auf ein neues Bündnis. Seit dem 18. März 2026 regieren beide Parteien gemeinsam. Woidke blieb Ministerpräsident, CDU-Landeschef Jan Redmann übernahm das Innenministerium und wurde stellvertretender Ministerpräsident.
Die aktuelle Umfrage verändert die bestehenden Mehrheitsverhältnisse im Landtag nicht. Das Parlament wurde zuletzt 2024 gewählt, die nächste reguläre Landtagswahl ist für Herbst 2029 vorgesehen.
Neben der Sonntagsfrage hat INSA auch die Zufriedenheit mit der Regierungsarbeit erhoben. Dabei äußern sich 67 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Landesregierung aus SPD und CDU. Davon sind 41 Prozent sehr und weitere 26 Prozent eher unzufrieden.
Deutlich schlechter fällt die Bewertung der Bundesregierung aus. Mit ihrer Arbeit sind 81 Prozent der Befragten unzufrieden. Davon äußern sich 58 Prozent sehr und 23 Prozent eher unzufrieden.
Diese Werte ergänzen das Bild der Sonntagsfrage. Die beiden Regierungsparteien in Brandenburg verlieren gegenüber März zusammen neun Prozentpunkte. Gleichzeitig gewinnt die AfD sechs Punkte hinzu.
Die Verschiebung betrifft damit nicht allein das Verhältnis zwischen SPD und AfD. Auch die kleineren Parteien verändern ihre Positionen, was bei einer späteren Wahl entscheidend für die Regierungsbildung werden könnte.
Die Erhebung hat eine angegebene maximale Fehlertoleranz von 3,1 Prozentpunkten. Einzelne Prozentwerte können daher vom tatsächlichen Meinungsbild abweichen. Besonders bei den kleineren Parteien ist deshalb offen, welche von ihnen bei einer Wahl tatsächlich den Einzug in den Landtag schaffen würden.
Auch die errechneten Mehrheiten hängen davon ab, welche Parteien parlamentarisch vertreten wären. Schon kleinere Veränderungen an der Fünf-Prozent-Hürde könnten die Sitzverteilung beeinflussen.
Der Abstand zwischen AfD und SPD beträgt in der aktuellen Erhebung allerdings 20 Prozentpunkte. Gegenüber der Landtagswahl 2024, bei der noch die SPD knapp vorne lag, hat sich das Kräfteverhältnis damit deutlich verschoben.
Für Brandenburg ergibt sich daraus eine neue politische Ausgangslage: Die AfD liegt in der Wählergunst klar an erster Stelle, während die erst im März gebildete Koalition aus SPD und CDU nach den aktuellen Zahlen keine eigene Mehrheit mehr erreichen würde. Welche Mehrheiten bei der nächsten Landtagswahl entstehen, entscheiden die Wähler im Jahr 2029.
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