
Die italienische Großbank UniCredit hat eine entscheidende Genehmigung für die geplante Übernahme der Commerzbank erhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) erlaubt dem Institut seit Donnerstag, 15. Oktober 2026, seine Beteiligung an der Frankfurter Bank über die Schwelle von 30 Prozent hinaus auszubauen. Eine Obergrenze hat die Bankenaufsicht dabei nicht festgelegt. Damit rückt die Übernahme der Commerzbank näher. Vollständig abgeschlossen ist das Vorhaben allerdings noch nicht.
Die neue EZB-Genehmigung ermöglicht UniCredit, weitere Commerzbank-Aktien zu übernehmen und ihre Beteiligung grundsätzlich auch über 50 Prozent hinaus zu erhöhen. Bislang durfte die italienische Bank aufgrund einer früheren aufsichtsrechtlichen Genehmigung höchstens knapp 30 Prozent unmittelbar halten.
UniCredit bezeichnete die Entscheidung am Donnerstag als wichtigen Fortschritt bei der Übernahme. Die Bank sieht darin eine positive Bewertung des Vorhabens durch die europäische Bankenaufsicht.
Die Genehmigung bedeutet jedoch nicht, dass sämtliche Commerzbank-Anteile bereits übertragen wurden oder UniCredit sofort die operative Leitung übernimmt. Dafür müssen weitere regulatorische Verfahren abgeschlossen und die Voraussetzungen des Übernahmeangebots erfüllt werden. Besondere zusätzliche Auflagen der EZB wurden zunächst nicht öffentlich konkretisiert.
Die Grundlage für die bevorstehende Kontrollübernahme hatte UniCredit bereits im Sommer geschaffen. Im Mai 2026 unterbreitete das Institut den Commerzbank-Aktionären ein öffentliches Übernahmeangebot in Form eines Aktientauschs.
Nach dem Ende der zusätzlichen Annahmefrist Anfang Juli teilte UniCredit mit, dass insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient worden seien. Hinzu kommen bereits direkt gehaltene Aktien sowie Positionen aus Finanzinstrumenten.
UniCredit rechnet damit, nach Abschluss der ausstehenden Verfahren gegen Ende 2026 über ungefähr 50 Prozent der Stimmrechte zu verfügen. Damit könnte die italienische Bank wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen der Aktionäre ausüben.
Eine vollständige rechtliche Verschmelzung beider Banken wäre damit noch nicht verbunden. Größere Strukturmaßnahmen können zudem qualifizierte Mehrheiten erfordern, die über eine einfache Stimmenmehrheit hinausgehen.
Die Commerzbank hatte sich gegen das Übernahmeangebot ausgesprochen. Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen den Aktionären am 18. Mai 2026, das Angebot nicht anzunehmen. Sie hielten die angebotene Gegenleistung für unzureichend und sahen in der eigenständigen Unternehmensstrategie größere wirtschaftliche Vorteile.
Zuletzt setzte die Commerzbank auf einen konstruktiven Dialog mit UniCredit. Dabei verlangt das Frankfurter Institut, dass sein Geschäftsmodell und die Interessen der Aktionäre, Kunden und Beschäftigten berücksichtigt werden.
Die Commerzbank verfolgt weiterhin ihre Strategie „Momentum 2030“. Besonders wichtig ist dabei das Geschäft mit mittelständischen Unternehmen, das einen zentralen Bestandteil der Bank bildet.
Auch die Bundesregierung verfolgt die Übernahme mit erheblichem Interesse. Der Bund hält weiterhin rund 13 Prozent der Commerzbank-Anteile und gehört damit zu den bedeutenden Aktionären.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte bei einem Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel am 14. September 2026 konkrete Erwartungen formuliert. Die Commerzbank soll ihren Sitz in Frankfurt behalten, weiterhin börsennotiert sein und ihre Finanzierung des deutschen Mittelstands im In- und Ausland fortsetzen.
Zudem legt die Bundesregierung besonderen Wert auf die Interessen der Beschäftigten. Die Commerzbank beschäftigt weltweit mehr als 40.000 Menschen.
Ein möglicher Personalabbau bleibt einer der Streitpunkte. Die Commerzbank hatte in ihrer Stellungnahme vom Mai die von UniCredit vorgesehene Reduzierung von Personalkosten und Arbeitsplätzen kritisiert und Zweifel an den wirtschaftlichen Annahmen geäußert.
UniCredit verfolgt mit seinem Konzept Einsparungen und eine höhere Profitabilität. Wie viele Arbeitsplätze bei einer späteren Zusammenführung tatsächlich entfallen würden, war am Donnerstag nicht verbindlich festgelegt. Die neue EZB-Genehmigung ist deshalb nicht mit einer konkreten Entscheidung über Stellenstreichungen gleichzusetzen.
Trotz der Zustimmung der Europäischen Zentralbank ist das Übernahmeverfahren noch nicht vollständig abgeschlossen. Auch die Europäische Kommission befasst sich mit dem Vorhaben.
UniCredit hat die erforderliche kartellrechtliche Genehmigung beantragt. Die EU-Kommission hat für ihre vorläufige Prüfung den 16. November 2026 als Entscheidungsfrist festgelegt. Sie kann die Transaktion genehmigen, gegebenenfalls Auflagen verlangen oder bei erheblichen wettbewerbsrechtlichen Bedenken eine vertiefte Untersuchung einleiten.
UniCredit ist bereits seit 2005 mit der HypoVereinsbank in Deutschland vertreten. Eine Kontrolle über die Commerzbank würde die Stellung der italienischen Bank auf dem deutschen Markt weiter stärken.
UniCredit plant, zunächst stärkeren Einfluss auf die Geschäftsstrategie der Commerzbank zu nehmen. Ein vollständiger Zusammenschluss der beiden Institute ist nach den bisher dargestellten Plänen frühestens für die Jahre 2029 oder 2030 vorgesehen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu