Unimicron gibt Standort auf

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Der taiwanische Elektronikkonzern Unimicron zieht sich aus der Leiterplattenproduktion im niederrheinischen Geldern zurück. Das Werk soll im ersten Halbjahr 2027 seinen Betrieb einstellen. Rund 240 Beschäftigte sind von der Entscheidung betroffen. Der Konzern begründet den Schritt mit anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten seiner deutschen Tochtergesellschaft. Für die geplante Abwicklung sollen 35 Millionen Euro bereitgestellt werden. Die Schließung trifft einen traditionsreichen Produktionsstandort und fällt in eine Phase erheblicher Veränderungen der europäischen Elektronikindustrie.

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Produktion soll 2027 enden

Die geplante Schließung des Standorts wurde am Donnerstag, 29. Oktober 2026, bekannt. Bereits zwei Tage zuvor hatte die taiwanische Muttergesellschaft Unimicron Technology die vorgesehene Auflösung der Unimicron Germany GmbH in einer Börsenmitteilung angekündigt.

Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Fertigung am Standort Am Holländer See im ersten Halbjahr 2027 eingestellt werden. Neue Kundenaufträge nimmt das Unternehmen nach den veröffentlichten Angaben nicht mehr an. Bereits vereinbarte Lieferungen sollen dagegen noch abgearbeitet werden.

Betroffen sind rund 240 Beschäftigte. Damit steht die gesamte Belegschaft des Standorts vor einer beruflichen Neuorientierung. Für die Mitarbeiter sollen Verhandlungen über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan beginnen.

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Konkrete Vereinbarungen über Abfindungen, mögliche Transfermaßnahmen oder Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche waren zunächst nicht bekannt. Auch ein genauer Termin für das Ende der Produktion wurde noch nicht genannt.

Konzern nennt wirtschaftliche Gründe

Als wesentliche Gründe für die Entscheidung gelten nach Unternehmensangaben länger anhaltende Verluste und schwierige Marktbedingungen. Trotz finanzieller Unterstützung durch die taiwanische Konzernmutter habe sich für den deutschen Standort keine dauerhaft wirtschaftlich tragfähige Perspektive ergeben.

In seiner Börsenmitteilung vom 27. Oktober verwies Unimicron außerdem auf die strategische Planung der gesamten Unternehmensgruppe und das Ziel, laufende Betriebskosten zu reduzieren.

Welche konkreten Kostenfaktoren für die Entscheidung ausschlaggebend waren, wurde nicht aufgeschlüsselt. Insbesondere liegen keine gesicherten Angaben dazu vor, welchen Anteil Energiepreise, Personalkosten oder der internationale Wettbewerb an der wirtschaftlichen Entwicklung des Werks hatten.

Der Schritt ist damit sowohl Teil einer unternehmerischen Standortentscheidung als auch Folge der nach Unternehmensdarstellung schwierigen wirtschaftlichen Situation der deutschen Tochter.

35 Millionen Euro für die Abwicklung

Für die Auflösung der deutschen Gesellschaft plant Unimicron eine Kapitalzuführung von 35 Millionen Euro. Das Geld soll über die Tochtergesellschaft UniRuwel Holding Limited bereitgestellt werden.

Die Mittel sind für mehrere Aufgaben vorgesehen. Dazu gehören die Fertigstellung bestehender Kundenaufträge, die Finanzierung von Personalmaßnahmen einschließlich Abfindungen sowie die Rückzahlung von Bank- und konzerninternen Darlehen. Außerdem sollen die weiteren Kosten der Auflösung und Liquidation gedeckt werden.

Die Summe ist somit nicht ausschließlich für Entschädigungen der Beschäftigten bestimmt. Wie viel Geld tatsächlich für Abfindungen verwendet werden soll, ist bislang offen.

Aus der Mitteilung geht außerdem hervor, dass die zusätzliche Finanzierung in die Kapitalrücklage der deutschen Gesellschaft fließen soll. Die bestehenden Beteiligungsverhältnisse ändern sich dadurch nicht.

Der Konzern hat die geplante Auflösung der Tochtergesellschaft angekündigt. Ein Insolvenzverfahren wurde in der Börsenmitteilung nicht bekannt gegeben.

Traditionsreicher Produktionsstandort betroffen

Die Werksschließung in Geldern betrifft einen Standort mit einer langen Geschichte in der deutschen Elektronikfertigung. Seine Wurzeln reichen bis zum früheren Leiterplattenhersteller Ruwel zurück, der seit 2009 schrittweise in den taiwanischen Konzern integriert wurde.

Unimicron Germany produziert technisch anspruchsvolle Leiterplatten, die in elektronischen Geräten und industriellen Anwendungen benötigt werden. Dazu gehören mehrlagige Leiterplatten, Hochfrequenzlösungen sowie spezielle Bauformen für hohe elektrische Ströme oder besonders kompakte elektronische Baugruppen.

Zu den wichtigen Absatzbereichen zählen die Automobilindustrie, die Industrieelektronik, erneuerbare Energien und die Medizintechnik.

Noch im Jahr 2022 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen Euro in ein zusätzliches Produktionsgebäude, moderne Fertigungsanlagen und technische Infrastruktur investiert. Bereits 2018 war eine neue Innenlagenfertigung entstanden.

Auffällig ist eine Abweichung bei der Beschäftigtenzahl. Während die aktuellen Angaben von rund 240 betroffenen Mitarbeitern ausgehen, nennt Unimicron Germany auf seiner weiterhin erreichbaren Internetseite mehr als 350 Beschäftigte. Wann diese Unternehmensdarstellung zuletzt aktualisiert wurde und wie sich die Differenz erklärt, blieb zunächst offen.

Deutscher Leiterplattenmarkt verliert an Bedeutung

Die Entscheidung fällt in eine schwierige Phase für die europäische Leiterplattenindustrie. Während der weltweite Bedarf an elektronischen Komponenten wächst, entwickeln sich die Produktionsstandorte regional sehr unterschiedlich.

Nach einer Auswertung des Branchenanalysten Data4PCB erreichte die europäische Leiterplattenproduktion 2025 einen Wert von rund 1,76 Milliarden Euro. Das entsprach einem nominalen Wachstum von 2,4 Prozent. Weltweit legte der Markt dagegen um mehr als elf Prozent zu.

Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der europäischen Leiterplattenhersteller um elf auf 168 Unternehmen mit insgesamt 182 Produktionsstandorten.

Besonders deutlich ist der Rückgang in Deutschland. Nach den Daten von Data4PCB sanken die Umsätze der deutschen Leiterplattenfertigung drei Jahre in Folge. Zwischen 2022 und 2025 belief sich der Rückgang auf mehr als 27 Prozent.

Andere europäische Länder entwickelten sich im selben Zeitraum günstiger. Das zeigt, dass die Schwierigkeiten der deutschen Hersteller nicht allein auf eine weltweit schwache Nachfrage zurückzuführen sind.

Mutterkonzern wächst international

Während die deutsche Tochtergesellschaft abgewickelt werden soll, verzeichnet die taiwanische Konzernmutter deutlich steigende Geschäftszahlen.

Im dritten Quartal 2026 erzielte Unimicron Technology nach veröffentlichten Geschäftszahlen einen Umsatz von rund 52,65 Milliarden Taiwan-Dollar. Im entsprechenden Vorjahresquartal waren es rund 33,99 Milliarden Taiwan-Dollar gewesen.

Der Nettogewinn erhöhte sich von etwa 2,19 Milliarden auf rund 10,05 Milliarden Taiwan-Dollar.

Das internationale Geschäft profitiert unter anderem von der steigenden Nachfrage nach leistungsfähiger Elektronik für Rechenzentren und Anwendungen künstlicher Intelligenz. Diese Entwicklung verteilt sich allerdings nicht gleichmäßig auf sämtliche Produktgruppen und Produktionsstandorte.

Bereits im August hatte eine Vertreterin von Unimicron Germany bei einem Besuch einer taiwanischen Delegation in Geldern auf Schwierigkeiten bei der Materialversorgung hingewiesen. Die starke Nachfrage nach Komponenten für KI-Infrastruktur belaste demnach auch die Lieferketten des Unternehmens. Ob diese Engpässe unmittelbar zur Schließungsentscheidung beigetragen haben, ist nicht bestätigt.

Folgen für Beschäftigte und Industrie

Für die Beschäftigten stehen zunächst die geplanten Verhandlungen über die sozialen Folgen der Schließung im Mittelpunkt. Offen ist, welche konkreten Regelungen vereinbart werden und ob einzelne Tätigkeiten innerhalb der Unternehmensgruppe fortgeführt werden können.

Öffentlich dokumentierte Stellungnahmen von IHK, Gewerkschaft oder politischen Vertretern zur konkreten Schließungsentscheidung waren am Donnerstag zunächst nicht bekannt.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Werks für die Stadt war allerdings bereits zuvor hervorgehoben worden. Bei einem Besuch taiwanischer Wirtschaftsvertreter im August 2026 hatte Gelderns Bürgermeister Sven Kaiser Unimicron als einen wichtigen Arbeitgeber und Wirtschaftsstandort bezeichnet.

Über den unmittelbaren Verlust von Arbeitsplätzen hinaus bedeutet die geplante Einstellung der Produktion einen weiteren Rückgang deutscher Fertigungskapazitäten für spezialisierte Leiterplatten.

Für europäische Elektronikunternehmen sind solche Produktionsmöglichkeiten insbesondere dort relevant, wo besondere technische Anforderungen, individuelle Entwicklungen oder eine enge Abstimmung mit dem Hersteller notwendig sind.

Welche Auswirkungen die Schließung auf Kunden und Zulieferer haben wird, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Ebenso offen ist die künftige Nutzung der Gebäude und Produktionsanlagen.

Die Entwicklung bei Unimicron verdeutlicht jedoch den Unterschied zwischen einer weltweit wachsenden Elektronikindustrie und dem wirtschaftlichen Druck auf einzelne europäische Fertigungsstandorte.

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