
CDU und CSU erreichen in einer neuen bundesweiten Wahlumfrage nur noch 19 Prozent. Im aktuellen Sonntagstrend des Meinungsforschungsinstituts INSA für die Bild am Sonntag liegt die AfD mit 29 Prozent zehn Prozentpunkte vor der Union. Für CDU und CSU ist das der niedrigste Wert dieses INSA-Formats in der laufenden Legislaturperiode. Die Erhebung ist allerdings eine Momentaufnahme und keine Prognose für eine künftige Bundestagswahl.
Für die Erhebung wurden nach Angaben zur Umfrage vom 21. bis 25. September 2026 insgesamt 1.203 Menschen befragt. Auftraggeber ist die Bild am Sonntag. Neben der AfD mit 29 Prozent und CDU/CSU mit 19 Prozent kommen die Grünen auf 15 Prozent und die SPD auf 14 Prozent. Die Linke erreicht 10 Prozent. Für die FDP werden 4 Prozent, für das Bündnis Sahra Wagenknecht 3 Prozent und für die übrigen Parteien zusammen 6 Prozent ausgewiesen.
Im vergleichbaren INSA-Sonntagstrend vom 20. September hatte die Union noch bei 20 Prozent gelegen. Die AfD kam bereits damals auf 29 Prozent. Die Grünen erreichten 14 Prozent, die SPD 13 Prozent, die Linke 11 Prozent, die FDP 5 Prozent und das BSW 3 Prozent. Die sonstigen Parteien lagen zusammen ebenfalls bei 5 Prozent.
Damit verliert die Union innerhalb einer Woche einen Prozentpunkt. SPD und Grüne gewinnen jeweils einen Punkt hinzu, während die Linke und die FDP jeweils einen Punkt abgeben. Die AfD und das BSW bleiben in diesem Wochenvergleich unverändert. Der Abstand zwischen AfD und Union vergrößert sich dadurch von neun auf zehn Prozentpunkte.
Auch die weiteren INSA-Erhebungen im September zeigen, dass CDU und CSU seit Wochen um die Marke von 20 Prozent liegen. Am 12. September wurden 20 Prozent gemessen, am 15. September 19,5 Prozent und am 22. September ebenfalls 19,5 Prozent. Die AfD bewegte sich in diesen Befragungen zwischen 29 und 29,5 Prozent.
Der Blick auf andere Institute zeigt zugleich, warum einzelne Wahlumfragen nicht isoliert als sichere Aussage über eine tatsächliche Wahl behandelt werden sollten. Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte im ZDF-Politbarometer vom 25. September 28 Prozent für die AfD und 21 Prozent für CDU/CSU. Befragt wurden dort 1.346 Wahlberechtigte vom 22. bis 24. September.
Eine am 24. September veröffentlichte Allensbach-Erhebung sah die Union bei 23 Prozent und die AfD bei 28 Prozent. Forsa hatte am 22. September 20 Prozent für CDU/CSU und 27 Prozent für die AfD ausgewiesen. Eine YouGov-Befragung vom 15. September kam dagegen auf nur 18 Prozent für die Union und 29 Prozent für die AfD. Der Abstand und auch der konkrete Unionswert unterscheiden sich damit je nach Institut, Erhebungsmethode und Befragungszeitraum.
Der aktuelle INSA-Wert von 19 Prozent ist deshalb zwar der niedrigste Wert der Union im entsprechenden INSA-Sonntagstrend während dieser Legislaturperiode, aber nicht der niedrigste Wert, den ein Institut zuletzt für CDU und CSU gemessen hat.
Noch deutlicher wird die Veränderung im Vergleich zur Bundestagswahl vom 23. Februar 2025. Nach dem endgültigen Ergebnis der Bundeswahlleiterin erhielt die CDU damals 22,6 Prozent der Zweitstimmen, die CSU 6,0 Prozent. Zusammen kamen die Schwesterparteien damit auf 28,6 Prozent. Die AfD erreichte 20,8 Prozent, die SPD 16,4 Prozent, die Grünen 11,6 Prozent und die Linke 8,8 Prozent. Die FDP kam auf 4,3 Prozent.
Verglichen mit diesem tatsächlichen Wahlergebnis liegt die Union im neuen INSA-Sonntagstrend 9,6 Prozentpunkte niedriger. Die AfD liegt 8,2 Punkte über ihrem damaligen Zweitstimmenanteil. Die Grünen stehen in der aktuellen Befragung 3,4 Punkte höher als bei der Bundestagswahl, die Linke 1,2 Punkte höher. Die SPD liegt zwei Jahre nach ihrem damaligen Ergebnis in dieser Umfrage 2,4 Punkte darunter. Diese Differenzen beschreiben lediglich den Abstand zwischen einem Wahlergebnis und einer aktuellen Befragung. Sie sagen nicht voraus, wie eine spätere Wahl ausgehen würde.
Die schwachen bundesweiten Umfragewerte treffen die Union in einer Phase intensiver Debatten nach mehreren Landtagswahlen. Nach den jüngsten Ergebnissen hatte CSU-Chef Markus Söder zu Geschlossenheit in der Union aufgerufen und vor fortgesetzten Personaldebatten gewarnt. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz kündigte nach den Wahlrückschlägen an, den Reformkurs seiner Bundesregierung fortsetzen zu wollen.
Hessens Ministerpräsident Boris Rhein stellte sich am Sonntag hinter Merz. Rhein sagte in einem Interview, Merz habe seine Unterstützung, und wandte sich gegen weitere Personaldebatten. Zugleich forderte er, die CDU müsse bei Alltagsfragen wieder stärker Vertrauen gewinnen. Rhein verband dies unter anderem mit Forderungen in der Migrations-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Seine Aussagen fielen zeitlich mit der Veröffentlichung der neuen Umfrage zusammen, waren aber Teil eines umfassenderen Interviews zur Lage der CDU nach den jüngsten Wahlen.
Auch innerhalb des sozialdemokratischen Koalitionspartners wird über den Kurs der Bundesregierung diskutiert. SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil hatte nach den jüngsten Landtagswahlen erklärt, notwendige Reformen müssten so ausgestaltet und vermittelt werden, dass sie von Bürgerinnen und Bürgern nicht vor allem als Verschlechterung wahrgenommen würden. Dabei sprach er sich auch für eine Überprüfung einzelner Inhalte des bisherigen Reformkurses aus.
Die aktuellen Erhebungen zeigen vor allem ein stark verändertes Kräfteverhältnis gegenüber der Bundestagswahl 2025. Damals waren CDU und CSU mit zusammen 28,6 Prozent stärkste politische Kraft und lagen 7,8 Prozentpunkte vor der AfD. Im aktuellen INSA-Sonntagstrend ist das Verhältnis umgekehrt. Die AfD liegt zehn Punkte vor der Union.
Eine solche Sonntagsfrage bildet die Parteipräferenzen während eines bestimmten Befragungszeitraums ab. Bis zu einer Bundestagswahl können sich Einstellungen, Kandidaturen, politische Themen und Wahlentscheidungen verändern. Hinzu kommen statistische Unsicherheiten jeder Stichprobe. Deshalb lassen sich aus dem aktuellen Abstand weder ein späteres Wahlergebnis noch künftige Regierungsmehrheiten verlässlich ableiten.
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