Uniper setzt bei Rechenzentren auf seine Kraftwerksstandorte

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der Energiekonzern Uniper will vom starken Ausbau der europäischen Rechenzentrumsbranche profitieren und dafür vorhandene Kraftwerksstandorte nutzen. Mehr als zehn eigene Standorte mit geeigneter Infrastruktur hat das Unternehmen bereits identifiziert. Drei Projekte befinden sich nach Angaben des Konzerns in fortgeschrittener Entwicklung. Weitere Investitionsentscheidungen sollen noch im Laufe des Jahres 2026 getroffen werden.

Anzeige

Die Strategie zeigt, wie eng Energieversorgung und digitale Infrastruktur inzwischen miteinander verbunden sind. Für Betreiber großer Rechenzentren werden nicht nur Grundstücke und schnelle Datenverbindungen entscheidend. Vor allem ein leistungsfähiger Netzanschluss und langfristig verfügbare Strommengen entwickeln sich angesichts des KI-Booms zu zentralen Standortfaktoren. Genau dort sehen Energieunternehmen mit bestehenden Kraftwerksflächen einen Vorteil.

Mehr als zehn Standorte mit vorhandener Infrastruktur

Uniper verfügt in seinen europäischen Kernmärkten Deutschland, Großbritannien, Schweden und den Niederlanden über zahlreiche Kraftwerks- und Energiestandorte. Der Konzern beziffert seine gesamte Erzeugungskapazität auf 18,5 Gigawatt. Für das neue Rechenzentrumsgeschäft hat das Unternehmen mehr als zehn Standorte ausgewählt, die nach eigenen Angaben entlang wichtiger europäischer Datenkorridore liegen.

Dabei geht es nicht darum, dass Uniper sämtliche Rechenzentren selbst errichtet und betreibt. Das Geschäftsmodell umfasst mehrere Möglichkeiten. Der Konzern kann geeignete Flächen verkaufen oder verpachten, sich gemeinsam mit Partnern an Projekten beteiligen und langfristige Stromlieferverträge abschließen. Wo dies wirtschaftlich sinnvoll ist, kommt zudem eine direkte Versorgung aus eigener gesicherter Erzeugungskapazität infrage.

Anzeige

Damit können Kraftwerksstandorte einen Vorteil ausspielen, der bei neuen Gewerbeflächen häufig erst geschaffen werden muss. Sie verfügen vielfach bereits über leistungsfähige Anschlüsse an das Stromnetz und weitere Energieinfrastruktur. Gerade der Zugang zum Netz ist beim Ausbau großer Rechenzentren zunehmend ein Engpass. Die Internationale Energieagentur sieht Netzanschlüsse, Transformatoren, Stromerzeugungskapazitäten und Genehmigungsverfahren inzwischen als wesentliche Grenzen für das Wachstum der Branche.

Uniper hat bislang keine vollständige Liste der mehr als zehn vorgesehenen Standorte veröffentlicht. Das Unternehmen erklärte zudem, ein erstes Projekt in Großbritannien bereits abgeschlossen zu haben. Nähere Angaben zu Art und Umfang dieses Projekts wurden dabei nicht genannt.

Staudinger zeigt den Wert bestehender Kraftwerksflächen

Wie die Verbindung von Energieinfrastruktur und Rechenzentren aussehen kann, zeigt der Uniper-Standort Staudinger im hessischen Großkrotzenburg. Das Gelände wird schrittweise neu ausgerichtet. Neben einer geplanten wasserstofffähigen Gas- und Dampfturbinenanlage nennt Uniper dort ausdrücklich auch Rechenzentren und Batteriespeicher als mögliche künftige Nutzungen.

Besonders wichtig ist die Lage im Rhein-Main-Gebiet. Die Region um Frankfurt zählt zu den bedeutendsten europäischen Standorten für Rechenzentren. Uniper und der Übertragungsnetzbetreiber TenneT Germany haben Anfang 2026 vereinbart, in Großkrotzenburg einen neuen zentralen Netzknoten aufzubauen. Eine neue 380-Kilovolt-Schaltanlage soll bis 2030 entstehen und damit deutlich früher als ursprünglich vorgesehen.

Für Rechenzentren an Kraftwerksstandorten ist eine solche Infrastruktur entscheidend. Große Anlagen benötigen dauerhaft hohe Leistungen. Hinzu kommen steigende Anforderungen durch speziell für künstliche Intelligenz ausgelegte Server. Anders als klassische Büro- oder Gewerbeansiedlungen können einzelne Rechenzentrumskomplexe deshalb zu Großverbrauchern im Stromsystem werden.

KI lässt den Strombedarf der Rechenzentren stark steigen

Die Dimension des Wachstums wird in aktuellen Berechnungen der Internationalen Energieagentur deutlich. Weltweit verbrauchten Rechenzentren 2025 demnach etwa 485 Terawattstunden Strom. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf rund 950 Terawattstunden nahezu verdoppeln. Das entspräche dann etwa drei Prozent des weltweiten Stromverbrauchs.

Besonders schnell wächst der Bedarf der auf künstliche Intelligenz spezialisierten Rechenzentren. Ihr Stromverbrauch legte nach Berechnungen der IEA bereits 2025 um rund 50 Prozent zu. Bis 2030 könnte er sich gegenüber 2025 verdreifachen. Gleichzeitig steigt die Leistungsdichte moderner KI-Systeme erheblich, wodurch auch Anforderungen an Stromversorgung, Kühlung und Netztechnik zunehmen.

Der Effekt trifft auf einen europäischen Strommarkt, dessen Nachfrage nach Jahren schwacher Entwicklung ohnehin wieder wächst. Die IEA erwartet für die Europäische Union bis 2030 einen durchschnittlichen jährlichen Anstieg des Stromverbrauchs von etwa 2,3 Prozent. Neben Rechenzentren spielen dabei unter anderem Elektromobilität, Wärmepumpen, Klimatisierung und eine mögliche Erholung der Industrie eine Rolle.

Für Energieunternehmen eröffnet diese Entwicklung zusätzliche Einnahmequellen. Uniper plant zwischen 2025 und 2030 insgesamt Investitionen von rund fünf Milliarden Euro in die Versorgungssicherheit und den Umbau des europäischen Energiesystems. Gut die Hälfte soll nach Unternehmensangaben in Deutschland eingesetzt werden. Die Rechenzentrumsstrategie ergänzt diese Investitionsplanung, ohne dass der Konzern bislang ein eigenes Gesamtbudget für die mehr als zehn Standorte genannt hat.

Auch RWE entwickelt Kraftwerksflächen für Rechenzentren

Uniper ist mit diesem Ansatz nicht allein. Auch der deutsche Konkurrent RWE entwickelt bestehende Industrie- und Energiestandorte für Rechenzentren. RWE nennt rund zehn Standorte in Entwicklung und mehr als drei Gigawatt beantragte oder bereits gesicherte Netzanschlusskapazität.

Das Prinzip ähnelt dem von Uniper. Flächen mit vorhandener Energieinfrastruktur sollen vorbereitet und anschließend verkauft oder vermietet werden. Dazu können langfristige Verträge über erneuerbaren Strom sowie zusätzliche Dienstleistungen rund um Erzeugung, Reserveversorgung und Energiemanagement kommen.

Damit entsteht für klassische Energieversorger ein neues Geschäftsfeld an der Schnittstelle zwischen Stromerzeugung, Immobilienentwicklung und digitaler Infrastruktur. Kraftwerksstandorte, die über Jahrzehnte vor allem nach ihrer Erzeugungsleistung bewertet wurden, können dadurch zusätzlich wegen ihrer Netzanschlüsse und verfügbaren Flächen an Bedeutung gewinnen.

Der Rechenzentrumsboom verändert die Energiewirtschaft

Das Wachstum bringt zugleich neue Anforderungen an die Stromsysteme mit sich. Rechenzentren können in kurzer Zeit geplant und errichtet werden, während neue Stromleitungen, Umspannwerke und Kraftwerke häufig deutlich längere Vorlaufzeiten benötigen. Die IEA warnt deshalb vor einer zunehmenden zeitlichen Lücke zwischen dem Ausbau digitaler Infrastruktur und dem Ausbau der dafür benötigten Energieversorgung.

Auch die Herkunft des Stroms wird zu einer entscheidenden Frage. Rechenzentren benötigen rund um die Uhr Energie, während Wind- und Solarstrom wetterabhängig erzeugt werden. Betreiber setzen deshalb zunehmend auf langfristige Stromlieferverträge, Batteriespeicher und andere Formen gesicherter Leistung. Genau diese Kombination kann Energieunternehmen mit einem breiten Erzeugungsportfolio zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

Für Uniper ist der Schritt deshalb mehr als eine reine Vermarktung nicht mehr benötigter Flächen. Der Konzern versucht, vorhandene Kraftwerksstandorte, Netzanschlüsse und energiewirtschaftliches Know-how für eine Branche nutzbar zu machen, deren Strombedarf stark wächst. Wie groß dieses Geschäft tatsächlich wird, hängt nun von den einzelnen Projekten und den noch ausstehenden Investitionsentscheidungen ab.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu