US-Anleiherenditen steigen auf höchsten Stand seit 2002

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen haben am Donnerstag neue Höchststände seit mehr als zwei Jahrzehnten erreicht. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg im Tagesverlauf auf 5,342 Prozent. Ein vergleichbares Niveau hatte es zuletzt Anfang 2002 gegeben. Später beruhigte sich der Anleihemarkt wieder etwas. Gleichzeitig nahm die Erwartung ab, dass die US-Notenbank Federal Reserve bereits bei ihrer nächsten Sitzung Ende Oktober erneut die Zinsen anheben könnte.

Damit sendet der amerikanische Kapitalmarkt derzeit zwei unterschiedliche Signale. Langfristige Finanzierungskosten sind stark gestiegen, während Händler eine unmittelbar bevorstehende weitere Straffung der Geldpolitik inzwischen für deutlich weniger wahrscheinlich halten als noch vor wenigen Tagen.

Rendite zehnjähriger US-Anleihen erreicht 5,34 Prozent

Am Donnerstag, 1. Oktober 2026, erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen nach Reuters-Daten in der Spitze 5,342 Prozent. Das war der höchste Stand seit Anfang 2002. Im späteren US-Handel ging die Rendite wieder zurück und bewegte sich zeitweise um 5,26 Prozent.

Renditen und Kurse von Anleihen bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen. Steigt die geforderte Verzinsung neuer oder am Markt gehandelter Papiere, fallen in der Regel die Kurse bereits ausgegebener Anleihen mit niedrigeren Kupons. Der jüngste Renditeanstieg steht deshalb für erhebliche Kursverluste am internationalen Anleihemarkt.

Bereits im dritten Quartal waren die Renditen amerikanischer Staatsanleihen kräftig gestiegen. Bei der zehnjährigen Treasury lag der Anstieg innerhalb von drei Monaten bei fast 0,9 Prozentpunkten. Auch andere große Anleihemärkte gerieten unter Druck. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hatte in dieser Woche zeitweise 3,6526 Prozent erreicht, den höchsten Stand seit Juni 2009.

Zu den Belastungsfaktoren zählen anhaltende Inflationssorgen, hohe Energiepreise und die Erwartung, dass die US-Wirtschaft trotz höherer Zinsen vergleichsweise robust bleiben könnte. Steigende Wachstumserwartungen können langfristige Renditen zusätzlich erhöhen, weil Anleger eine höhere Verzinsung für langfristig gebundenes Kapital verlangen.

Erwartung einer Fed-Zinserhöhung sinkt deutlich

Die hohen Kapitalmarktzinsen bedeuten allerdings nicht automatisch, dass die Federal Reserve ihre Leitzinsen schon im Oktober erneut erhöht. Im Gegenteil: Die Erwartungen an einen unmittelbaren Zinsschritt gingen am Donnerstag deutlich zurück.

Nach den am Donnerstag von Reuters ausgewiesenen Daten des CME FedWatch Tool lag die vom Terminmarkt abgeleitete Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um mindestens 0,25 Prozentpunkte bei nur noch 28,2 Prozent. Eine Woche zuvor waren es noch 68,6 Prozent gewesen.

Auslöser für die Neubewertung waren unter anderem schwächer als erwartet ausgefallene Inflationsdaten. Goldman Sachs verschob am Donnerstag seine eigene Prognose für die nächste Zinserhöhung von Oktober auf Dezember. Dabei handelt es sich um eine Einschätzung der Bank und nicht um eine Ankündigung der Federal Reserve.

Die Fed hatte ihren Leitzins im September um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Die nächste reguläre Sitzung des Offenmarktausschusses FOMC findet laut offiziellem Kalender der US-Notenbank am 27. und 28. Oktober statt. Eine Entscheidung über den weiteren Zinskurs ist damit noch nicht gefallen.

Warum langfristige Renditen trotzdem weiter steigen können

Der Unterschied zwischen sinkenden Erwartungen an einen kurzfristigen Fed-Schritt und steigenden langfristigen Renditen ist kein Widerspruch. Der Leitzins der Fed beeinflusst vor allem sehr kurzfristige Finanzierungskosten. Zehnjährige oder dreißigjährige Staatsanleihen spiegeln dagegen zusätzlich Erwartungen zur langfristigen Inflation, zum Wirtschaftswachstum, zur Staatsverschuldung und zum künftigen Angebot an Anleihen wider.

Hinzu kommen derzeit hohe Energiepreise. Steigende Öl- und Treibstoffkosten können die Inflation länger hoch halten und damit die Wahrscheinlichkeit verringern, dass die Notenbanken ihre Geldpolitik in absehbarer Zeit deutlich lockern können.

Auch die hohe Staatsverschuldung großer Volkswirtschaften spielt am Anleihemarkt eine zunehmende Rolle. Wenn Staaten große Mengen neuer Anleihen ausgeben, müssen dafür ausreichend Käufer gefunden werden. Verlangen Anleger höhere Renditen, verteuert das mittel- und langfristig auch die Finanzierung der öffentlichen Haushalte.

DAX fällt unter 25.000 Punkte

Der kräftige Renditeanstieg war auch an den europäischen Aktienmärkten zu spüren. Der DAX beendete den Handel am Donnerstag bei 24.939,35 Punkten und verlor damit 1,03 Prozent. Die Schlussdaten wurden von Infront über tagesschau.de ausgewiesen. Der deutsche Leitindex fiel damit erstmals seit Ende Juli wieder unter die Marke von 25.000 Punkten.

Auch der europäische Stoxx 600 gab deutlich nach und verlor am Donnerstag 1,3 Prozent. Besonders schwach entwickelten sich Bankaktien. Gleichzeitig stiegen die Renditen zahlreicher europäischer Staatsanleihen auf mehrjährige oder jahrzehntelange Höchststände.

An der Wall Street fiel die Reaktion weniger eindeutig aus. Nachdem die US-Indizes im Tagesverlauf zunächst unter den steigenden Renditen gelitten hatten, erholten sie sich mit dem späteren Rückgang der Anleiherenditen wieder. Nach Reuters-Schlussdaten legte der S&P 500 am Donnerstag um 0,23 Prozent zu. Der Nasdaq Composite gewann 0,07 Prozent, der Dow Jones Industrial Average 0,06 Prozent.

Was die hohen US-Renditen für Anleger in Deutschland bedeuten

Die Entwicklung der Renditen von US-Staatsanleihen kann auch für Anleger in Deutschland Folgen haben. Steigende sichere Renditen verändern die Bewertung anderer Anlageklassen. Wenn Staatsanleihen höhere laufende Erträge bieten, müssen Aktien und Unternehmensanleihen im Vergleich attraktiv genug bleiben.

Besonders Unternehmen, deren Bewertung stark auf weit in der Zukunft erwarteten Gewinnen beruht, können empfindlich auf höhere Marktzinsen reagieren. Steigende Renditen erhöhen außerdem tendenziell die Finanzierungskosten für Unternehmen und können Investitionen verteuern.

Für Besitzer bereits ausgegebener Anleihen kann ein Renditeanstieg zunächst Kursverluste bedeuten. Wer US-Anleihen in Dollar hält, trägt zusätzlich ein Wechselkursrisiko gegenüber dem Euro. Umgekehrt sorgen höhere Marktrenditen bei neu ausgegebenen oder neu gekauften festverzinslichen Papieren für eine höhere laufende Verzinsung als in einer Niedrigzinsphase.

Wie sich die Märkte weiter entwickeln, dürfte wesentlich von den kommenden US-Konjunktur- und Inflationsdaten abhängen. Für die Entscheidung der Federal Reserve Ende Oktober sind insbesondere neue Daten zum Arbeitsmarkt und zum Preisauftrieb relevant. Am Donnerstagabend sprach der Terminmarkt jedenfalls deutlich eher für eine Zinspause als für eine weitere Erhöhung im Oktober.

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