
Die US-Wirtschaft wächst wieder schneller und hat im dritten Quartal 2026 die Erwartungen von Ökonomen übertroffen. Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt stieg von Juli bis September mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,4 Prozent. Im zweiten Quartal hatte das Wachstum noch bei 2,2 Prozent gelegen. Das geht aus der ersten Schätzung hervor, die das US-Handelsministerium am Donnerstag, 29. Oktober 2026, veröffentlicht hat.
Mit dem kräftigeren Wachstum zeigt sich die größte Volkswirtschaft der Welt trotz gestiegener Energiepreise und anhaltender Inflation widerstandsfähig. Analysten hatten vor der Veröffentlichung mit einem geringeren Anstieg gerechnet. Die Konsensprognosen lagen je nach Erhebung bei 3,1 bis 3,2 Prozent.
Die vom Bureau of Economic Analysis (BEA) veröffentlichte Wachstumsrate ist saisonbereinigt und annualisiert. Sie beschreibt, wie stark die Wirtschaft innerhalb eines Jahres wachsen würde, wenn sich das Tempo des dritten Quartals fortsetzte. Tatsächlich erhöhte sich die Wirtschaftsleistung gegenüber dem unmittelbar vorherigen Quartal um rund 0,8 Prozent.
Damit beschleunigte sich die US-Konjunktur nach einem bereits positiven zweiten Quartal erneut.
Zu den wichtigsten Wachstumstreibern gehörten Unternehmensinvestitionen, private Konsumausgaben und staatliche Ausgaben. Besonders deutlich legten die Investitionen in Lagerbestände und technische Ausrüstung zu.
Bei den Ausrüstungsinvestitionen spielten Computer und weitere Geräte zur Informationsverarbeitung eine wichtige Rolle. Diese Entwicklung steht auch im Zusammenhang mit hohen Investitionen in digitale Infrastruktur und künstliche Intelligenz.
Die amerikanischen Verbraucher blieben ebenfalls eine wichtige Stütze der Konjunktur. Ihre preisbereinigten Ausgaben stiegen im dritten Quartal mit einer annualisierten Rate von 3,8 Prozent. Besonders Dienstleistungen aus dem Gesundheitswesen sowie Ausgaben für Gastronomie und Unterkünfte trugen zum Zuwachs bei.
Ein weiterer Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung sind die realen Endverkäufe an private inländische Abnehmer. Sie umfassen den privaten Konsum und die privaten Anlageinvestitionen und erhöhten sich um 4,9 Prozent, nach 4,6 Prozent im Vorquartal.
Gegenläufig entwickelten sich Teile des Außenhandels. Die Exporte gingen zurück, während die Importe zunahmen. Beide Entwicklungen belasteten die rechnerische Wachstumsrate.
Das starke Wirtschaftswachstum fällt in eine Phase, in der die US-Notenbank Federal Reserve weiterhin gegen erhöhte Verbraucherpreise vorgeht.
Erst am Mittwoch, 28. Oktober, hatte die Fed beschlossen, ihren Leitzinskorridor unverändert bei 3,75 bis 4,00 Prozent zu belassen. Die Entscheidung fiel mit zehn zu zwei Stimmen. Zwei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses hatten eine Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte bevorzugt.
Zusätzlich zu den Wachstumsdaten veröffentlichte das Handelsministerium am Donnerstag neue Inflationszahlen. Der für die Geldpolitik wichtige PCE-Preisindex lag im September um 3,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel lag bei 3,1 Prozent.
Damit überschreitet die Inflation weiterhin das Ziel der Federal Reserve von zwei Prozent. Die Kombination aus kräftiger Wirtschaftsleistung und erhöhtem Preisdruck erschwert eine geldpolitische Lockerung. Für die kommenden Zinsentscheidungen bleiben neben der Inflation auch Beschäftigung und Lohnentwicklung entscheidend.
An den amerikanischen Finanzmärkten trafen die Konjunkturdaten auf eine ohnehin angespannte Stimmung. Neben den neuen Wachstums- und Inflationszahlen beschäftigten die Anleger auch Quartalsergebnisse großer Technologieunternehmen.
Um 13:48 Uhr mitteleuropäischer Zeit lagen die Terminkontrakte auf den Dow Jones Industrial Average rund 0,24 Prozent im Minus. Die Futures auf den S&P 500 verloren etwa 0,40 Prozent, diejenigen auf den technologielastigen Nasdaq 100 rund 1,22 Prozent.
Die Kursbewegungen waren nicht allein auf die Wirtschaftsdaten zurückzuführen. Insbesondere die Entwicklung der Technologieaktien beeinflusste die Stimmung vor dem regulären US-Handelsbeginn.
Bei den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen handelt es sich um eine erste Berechnung. Sie basiert teilweise auf vorläufigen Informationen und kann nachträglich korrigiert werden.
Das Bureau of Economic Analysis plant die zweite Schätzung zum amerikanischen Bruttoinlandsprodukt für den 25. November 2026. Dann sollen auch erste Angaben zu den Unternehmensgewinnen im dritten Quartal veröffentlicht werden.
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