
Der Elektronikspezialist Vivanco aus Ahrensburg bei Hamburg steckt in einem regulären Insolvenzverfahren. Betroffen sind sowohl die Vivanco GmbH als auch die Vivanco Gruppe GmbH. Die Verfahren waren bereits Anfang Februar 2026 eröffnet worden. Zunächst sollten die Gesellschaften in Eigenverwaltung saniert werden. Inzwischen ist dieser Versuch in seiner bisherigen Form beendet. Zum 31. Juli hob das Amtsgericht Reinbek die Eigenverwaltung auf, seit dem 1. August ist Rechtsanwalt Peter-Alexander Borchardt als Insolvenzverwalter eingesetzt.
Die Vivanco Insolvenz bedeutet allerdings nicht automatisch das Verschwinden des bekannten Namens aus dem Elektronikhandel. Das eigentliche Consumer-Electronics-Geschäft einschließlich der Rechte an der Marke Vivanco war bereits im Jahr 2025 an den italienischen Zubehöranbieter SBS verkauft worden. Die Insolvenz der deutschen Gesellschaften und die Zukunft der Marke sind deshalb getrennt zu betrachten.
Für die operative Vivanco GmbH hatte zunächst ein Insolvenzplan vorgelegen. Über diesen sollten die Gläubiger am 20. Juli 2026 beraten und abstimmen. Dazu kam es nicht. Das Unternehmen zog den Plan zuvor zurück, woraufhin das Amtsgericht Reinbek den angesetzten Erörterungs- und Abstimmungstermin aufhob. Aus dem gerichtlichen Beschluss gingen keine Gründe für die Rücknahme hervor.
Damit war ein wesentlicher Baustein der ursprünglich angestrebten Sanierung entfallen. Wenige Wochen später endete auch die Eigenverwaltung. Seit dem 1. August wird das Verfahren nicht mehr unter eigener Leitung der Gesellschaft mit insolvenzrechtlicher Aufsicht geführt, sondern durch einen Insolvenzverwalter. Dass damit automatisch eine sofortige Stilllegung verbunden wäre, lässt sich aus den veröffentlichten gerichtlichen Angaben nicht ableiten. Wie lange verbliebene Aktivitäten fortgeführt werden und welche Vermögenswerte noch verwertet werden können, war zunächst nicht konkret bekannt.
Für die Beschäftigten ist die weitere Entwicklung besonders relevant. Eine belastbare aktuelle Zahl der Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze unmittelbar von den beiden laufenden Insolvenzverfahren betroffen sind, wurde in den veröffentlichten Gerichtsinformationen zunächst nicht genannt. Auch konkrete Angaben über bereits ausgesprochene Kündigungen oder einen vollständigen Personalabbau lagen dort nicht vor.
Ältere Unternehmensdaten lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres auf den heutigen Personalbestand übertragen. Die Vivanco-Unternehmensgruppe beschäftigte im Geschäftsjahr 2024 nach eigenen Angaben im Durchschnitt 259 Mitarbeiter. Danach veränderte sich die Unternehmensstruktur jedoch erheblich. Das Auslandsgeschäft mit Consumer-Electronics-Produkten wurde bereits Ende 2024 veräußert, das entsprechende Deutschlandgeschäft folgte im März 2025. Vivanco hatte im Zusammenhang mit der Übergabe an SBS selbst weitere Anpassungen der Personalkapazitäten vorgesehen. Eine aktuelle Beschäftigtenzahl für die insolventen Gesellschaften lässt sich daraus nicht ableiten.
Der wirtschaftlich entscheidende Schritt erfolgte bereits vor dem Insolvenzverfahren. Am 14. März 2025 gab Vivanco bekannt, das deutsche Geschäft mit Consumer-Electronics-Produkten an SBS S.p.A. aus Miasino in Italien verkauft zu haben. SBS hatte zuvor schon wesentliche Teile des Auslandsgeschäfts übernommen. Mit dem Deutschlandgeschäft wurden auch die Rechte an der Marke Vivanco und weiteren eingetragenen Marken übertragen.
Nach Angaben des damaligen Vivanco-Konzerns war das verkaufte Geschäft zuletzt stark defizitär. Als Folge der Transaktion verlor die Gruppe einen erheblichen Teil ihres Umsatzes und wollte sich stärker auf andere Tätigkeiten konzentrieren, darunter Dienstleistungen für den Einzelhandel. Der Kaufpreis für das deutsche Geschäft und die damit verbundenen Rechte wurde im Halbjahresbericht mit 3,2 Millionen Euro angegeben.
Die operative Integration bei SBS sollte schrittweise bis Ende 2025 abgeschlossen werden. Der italienische Käufer erklärte bereits bei der Übernahme, Vivanco weiterentwickeln und in sein internationales Markenportfolio integrieren zu wollen.
Für Kunden ist deshalb entscheidend, dass die Marke Vivanco nicht mehr zum Kernvermögen der nun insolventen deutschen Gesellschaften gehört. SBS teilte im Dezember 2025 mit, die Übernahme und Integration abgeschlossen zu haben und Vivanco ab 2026 in eine neue Entwicklungsphase führen zu wollen. Nach Angaben des Unternehmens umfasst das übernommene Sortiment mehr als 800 Artikel aus Bereichen wie Verbindungstechnik, Smart Home, Elektrobedarf und Outdoor.
Damit zeichnet sich für die Marke ein deutlich anderes Bild ab als für die früheren deutschen Vivanco-Gesellschaften. Während deren Insolvenzverfahren weiterläuft und die Perspektive für die verbliebenen Arbeitsplätze zunächst offen ist, verfolgt SBS mit dem Namen Vivanco ausdrücklich eine langfristige Strategie. Auf dem deutschen Markt werden Vivanco-Produkte weiterhin angeboten.
Vivanco führt seine Geschichte bis ins Jahr 1920 zurück. Gegründet wurde das Unternehmen in Hamburg von Edgar und Gustavo de Vivanco. 1976 erfolgte der Umzug nach Ahrensburg in Schleswig-Holstein. Einige Jahre später entwickelte sich das Unternehmen zunehmend zum Anbieter von Zubehör für Unterhaltungselektronik, Informationstechnik und Telekommunikation. Zu den bekannten Produktgruppen gehörten unter anderem Kabel, Antennen, TV-Halterungen und Babyfone.
Mehr als ein Jahrhundert nach der Gründung steht damit nicht zwingend das Ende des Namens Vivanco bevor. Die Unternehmensgeschichte in ihrer bisherigen deutschen Struktur befindet sich jedoch in einer tiefgreifenden Neuordnung. Die Marke ist bereits Teil der italienischen SBS-Gruppe, während über die verbleibenden deutschen Gesellschaften nun ein reguläres Insolvenzverfahren geführt wird.
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