
Die Torney Landfleischerei Pripsleben GmbH aus Altentreptow in Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Neubrandenburg ordnete die vorläufige Eigenverwaltung am 7. August 2026 an. Betroffen sind rund 100 Beschäftigte. Produktion, Auslieferung und die Verkaufsstellen sollen während der Sanierung weiterlaufen. Damit führt die Insolvenz der Torney Landfleischerei zunächst nicht zur Einstellung des Geschäftsbetriebs.
Das Unternehmen stellt seit 1993 Fleisch und Wurstwaren sowie Feinkost her. Produziert wird in Altentreptow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Der aktuelle Filialfinder des Unternehmens führt 13 Verkaufsstellen auf, unter anderem in Altentreptow, Neubrandenburg, Penzlin, Pasewalk, Neustrelitz, Malchin und Demmin. Mehrere Standorte befinden sich in oder an Märkten von Netto und Kaufland.
Nach Angaben des Sanierungsteams sollen Produktion, Auslieferung und Filialbetrieb während des Verfahrens unverändert fortgesetzt werden. Für Kunden bedeutet die Insolvenz deshalb zunächst keine angekündigte Schließung der Verkaufstheken. Auch eine Stilllegung der Produktion ist derzeit nicht vorgesehen. Ziel des Verfahrens ist vielmehr, das Unternehmen wirtschaftlich neu aufzustellen und möglichst viele Arbeitsplätze und Verkaufsstellen zu erhalten.
Die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind unmittelbar von dem Verfahren betroffen. Ihre Löhne sind nach Angaben des Sanierungsteams für zunächst drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert. Diese Leistung der Bundesagentur für Arbeit soll bei einer Unternehmensinsolvenz den Verdienstausfall für einen begrenzten Zeitraum auffangen.
Ob sämtliche Arbeitsplätze langfristig erhalten werden können, ist damit noch nicht entschieden. Sanierungsgeschäftsführer Michael Witt äußerte sich gegenüber dem NDR zuversichtlich, dass die 13 Filialen und die rund 100 Stellen bestehen bleiben können. Eine Garantie dafür gibt es zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht. Entscheidend wird sein, ob die geplante wirtschaftliche Neuordnung tragfähig umgesetzt und die Finanzierung des Unternehmens gesichert werden kann.
Für die Zukunft der Landfleischerei werden derzeit zwei Möglichkeiten verfolgt. Eine Variante ist die Fortführung über einen Insolvenzplan. Nach Angaben des Sanierungsteams haben die Gesellschafter hierfür grundsätzlich einen eigenen finanziellen Beitrag in Aussicht gestellt. Die zweite Möglichkeit ist der Einstieg eines Investors. Ein vorläufiger Gläubigerausschuss begleitet das Verfahren. Zum vorläufigen Sachwalter wurde Rechtsanwalt Michael Busching bestellt.
Bei einer Eigenverwaltung bleibt die Unternehmensleitung anders als in einem klassischen Regelinsolvenzverfahren grundsätzlich handlungsfähig und führt den Geschäftsbetrieb unter insolvenzrechtlicher Aufsicht weiter. Für die operative Sanierung von Torney ist Michael Witt verantwortlich. Die bisherigen Geschäftsführer Hans-Dieter Gabel und Frank Wegner sollen dem Unternehmen nach Angaben des Sanierungsteams weiterhin zur Verfügung stehen.
Als Ursachen für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nennt das Sanierungsteam eine verhaltene Konsumstimmung und gestiegene Kosten. Gerade bei Fleisch und Wurstwaren aus Bedienungstheken steht der mittelständische Fachhandel seit Jahren unter erheblichem Preisdruck durch verändertes Einkaufsverhalten und höhere Betriebsausgaben.
Für Torney bezifferte Sanierungsgeschäftsführer Witt die Verbindlichkeiten gegenüber dem NDR auf rund 2,3 Millionen Euro. Diese Summe ist bislang als Angabe des Sanierungsmanagements einzuordnen. Witt erklärte außerdem, dass die Produktion ausgelastet sei und wichtige Handelspartner die Zusammenarbeit fortsetzen wollten.
Die Torney Landfleischerei Pripsleben GmbH wurde 1993 gegründet. Ihre Wurzeln reichen nach Unternehmensangaben bis in die unmittelbare Nachwendezeit zurück. Die Fleischerei entwickelte in den folgenden Jahren ein regionales Netz von Verkaufstheken, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Der Produktionsstandort wurde 1995 nach Altentreptow verlegt.
Die Insolvenz betrifft damit einen seit mehr als drei Jahrzehnten bestehenden regionalen Lebensmittelproduzenten. Anders als bei einer unmittelbar bevorstehenden Betriebsschließung zielt die Eigenverwaltung ausdrücklich auf eine Fortführung. Ob dies über einen Insolvenzplan oder mit einem neuen Kapitalgeber gelingt, ist noch offen. Produktion und Verkauf laufen währenddessen nach derzeitigem Stand weiter.
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