
Der schwedische Autohersteller Volvo Cars steckt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Nach einem deutlichen Umsatzrückgang und einem Milliardenverlust im dritten Quartal 2026 kündigte das Unternehmen am Freitag, 23. Oktober, weitere Einsparungen und den Abbau von rund 2.500 Arbeitsplätzen an. Besonders schwache Geschäfte in China und den USA belasten den Autobauer. An der Börse reagierten die Anleger mit massiven Verkäufen. Die Aktie erreichte zeitweise ein Rekordtief.
Zwischen Juli und September setzte Volvo Cars insgesamt 66,9 Milliarden schwedische Kronen um. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch 86,4 Milliarden Kronen. Damit gingen die Erlöse um knapp 23 Prozent zurück. Die Zahl der ausgelieferten Fahrzeuge sank um elf Prozent auf rund 141.300.
Auch das operative Ergebnis verschlechterte sich erheblich. Nach einem Gewinn von 6,4 Milliarden Kronen im dritten Quartal 2025 verzeichnete Volvo Cars nun einen operativen Verlust von 5,6 Milliarden Kronen. Bereinigt um Sondereffekte und Ergebnisse aus Beteiligungen lag der Verlust bei 3,7 Milliarden Kronen. Die entsprechende bereinigte operative Marge erreichte minus 5,6 Prozent.
Zusätzlich geriet die Liquidität unter Druck. Der freie Cashflow lag bei minus 8,9 Milliarden Kronen, nachdem im Vorjahresquartal bereits ein negativer Wert von 4,3 Milliarden Kronen ausgewiesen worden war.
Als Reaktion auf die wirtschaftliche Entwicklung verschärft Volvo Cars sein laufendes Sparprogramm. Weltweit sollen rund 2.500 weitere Arbeitsplätze entfallen. Etwa 2.000 davon befinden sich in Schweden. Die übrigen Stellen verteilen sich auf andere Standorte des Unternehmens.
Der Stellenabbau bei Volvo Cars soll unter anderem durch das Auslaufen von Beraterverträgen, natürliche Fluktuation und gezielte Abfindungsangebote umgesetzt werden. Bereits zuvor hatte der Autobauer die Streichung von rund 3.000 Stellen angekündigt.
Mit den neuen Maßnahmen sollen die indirekten und variablen Kosten um weitere fünf Milliarden schwedische Kronen reduziert werden. Die vollständige finanzielle Wirkung erwartet Volvo Cars bis Ende 2027. Im Vergleich zu 2024 sollen die indirekten Kosten dann insgesamt um nahezu ein Viertel niedriger liegen.
Besonders angespannt ist die Lage für Volvo Cars auf dem chinesischen Automarkt. Dort brach der Umsatz im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um nahezu 50 Prozent ein. Der Hersteller steht unter starkem Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter, die insbesondere bei Elektrofahrzeugen zunehmend günstige Alternativen anbieten.
Auch in den USA gestaltet sich das Geschäft schwierig. Nach Unternehmensangaben belasten Einfuhrzölle sowie der Wegfall von Kaufanreizen für elektrifizierte Fahrzeuge die Profitabilität. Hinzu kamen negative Auswirkungen durch gestiegene Rohstoffkosten und Änderungen der US-Regulierung für Emissionsgutschriften.
Auf dem europäischen Markt entwickelte sich das Geschäft vergleichsweise stabil. Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge an den weltweiten Volvo-Verkäufen stieg im dritten Quartal von 22 auf 32 Prozent. Insgesamt entfielen 53 Prozent der Verkäufe auf elektrifizierte Fahrzeuge, einschließlich Plug-in-Hybriden.
Die schwachen Quartalszahlen und die angekündigten Stellenstreichungen belasteten die Aktie von Volvo Cars erheblich. Im Handel an der Stockholmer Börse verlor das Papier am Freitag, 23. Oktober, zwischenzeitlich nahezu 30 Prozent und erreichte ein Rekordtief. Das berichteten Reuters und die Financial Times im Verlauf des Handelstages.
Bereits am 2. Oktober hatte Volvo Cars seine bisherigen Jahresprognosen für das Absatzvolumen und den Cashflow zurückgezogen. Als Gründe nannte der Konzern eine Verschlechterung der Marktbedingungen in China und eine langsamer als erhoffte Erholung in den USA. Eine neue kurzfristige Prognose veröffentlichte das Unternehmen damals nicht.
Parallel zum Stellenabbau setzt Volvo Cars auf eine umfassende Erneuerung seiner Modellpalette. Bis Ende 2030 will der Hersteller insgesamt 13 neue Fahrzeuge vorstellen und die Produktion stärker auf die Anforderungen einzelner Märkte ausrichten.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das elektrische SUV EX60. Nach Unternehmensangaben liegen für das Modell bereits mehr als 50.000 Bestellungen aus Europa vor. Allerdings verläuft der Produktionshochlauf langsamer als ursprünglich geplant.
In China soll die Zusammenarbeit mit dem Mehrheitseigentümer Geely vertieft werden. Für den dortigen Markt sind eigens angepasste Fahrzeuge vorgesehen, die stärker auf chinesische Technologieplattformen zurückgreifen. In den USA plant Volvo Cars zudem, die Produktion des XC60 am Standort Charleston Anfang 2027 aufzunehmen.
Mit einer regionaler ausgerichteten Modellpalette und niedrigeren Kosten will der Hersteller seine Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Bis Ende 2027 sollen die zusätzlichen Sparmaßnahmen vollständig wirksam werden.
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