VW-Werk Osnabrück vor möglicher Kehrtwende bei der Produktion

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Im Volkswagen-Werk Osnabrück steht eine grundlegende Veränderung bevor. Die Produktion des T-Roc Cabriolet soll im Sommer 2027 enden. Einen bestätigten Nachfolgeauftrag für die Fahrzeugfertigung gibt es bislang nicht. Volkswagen sucht deshalb nach einer neuen Nutzung für den Standort mit rund 2.300 Beschäftigten. Dabei spielen nach mehreren Medienberichten inzwischen auch Unternehmen aus der Rüstungsindustrie eine wichtige Rolle.

Anzeige

Besonders konkret sind Berichte über Gespräche mit dem staatlichen israelischen Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems. Nach Informationen des NDR könnte es um eine Fertigung von Komponenten für Luftverteidigungssysteme gehen. Als möglicher nächster Schritt wird eine Absichtserklärung genannt, die am 7. September zwischen Volkswagen, dem Land Niedersachsen und einem israelischen Rüstungsunternehmen unterzeichnet werden könnte. Eine offizielle Bestätigung für diesen Termin lag zunächst nicht vor. Auch Volkswagen hat bislang keinen Beschluss über eine Rüstungsfertigung in Osnabrück bekannt gegeben.

Volkswagen bestätigt Suche nach neuer Nutzung

Offiziell bestätigt ist zunächst nur, dass der Autobauer unterschiedliche Perspektiven für den Standort prüft. Volkswagen selbst erklärt auf seiner Standortseite, die Produktion des T-Roc Cabriolet werde im Sommer 2027 auslaufen. Für die Zeit danach würden tragfähige Zukunftsperspektiven untersucht. Konkrete Entscheidungen zur künftigen Ausrichtung seien noch nicht getroffen worden.

Das entspricht auch der Linie, die der Konzern bereits seit dem Tarifkompromiss Ende 2024 verfolgt. Damals hatten Volkswagen und Arbeitnehmerseite vereinbart, dass das Cabriolet bis Mitte 2027 in Osnabrück gefertigt wird und anschließend andere Verwendungsmöglichkeiten für den Standort geprüft werden.

Anzeige

Dass dabei auch Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie angesprochen werden, ist inzwischen ebenfalls grundsätzlich bestätigt. Volkswagen-Chef Oliver Blume hatte sich bereits offen für Kooperationen mit der Branche gezeigt. Gespräche mit verschiedenen Marktteilnehmern liefen. Eine eigene Waffenproduktion durch Volkswagen wurde dabei bislang nicht angekündigt.

Rafael gilt als möglicher Partner

Deutlich weiter gehen Medienberichte über Rafael. Reuters berichtete bereits im März unter Berufung auf einen Bericht der Financial Times, Volkswagen führe Gespräche mit dem israelischen Unternehmen über eine Nutzung des Werks. Im Raum stehe demnach die Produktion von Komponenten im Umfeld des Raketenabwehrsystems Iron Dome.

Ende April berichtete Reuters unter Berufung auf mit den Gesprächen vertraute Personen zudem von einer Absichtserklärung zur Übernahme beziehungsweise Nutzung des Standorts. Volkswagen und Rafael äußerten sich damals nicht zu den Einzelheiten.

Später kamen Berichte über Widerstand des VW-Großaktionärs Katar hinzu. Das Emirat hält über seinen Staatsfonds einen bedeutenden Anteil an Volkswagen. Medien zufolge soll insbesondere eine direkte gesellschaftsrechtliche Zusammenarbeit von Volkswagen mit dem israelischen Rüstungskonzern auf Vorbehalte gestoßen sein.

Zuletzt wurde deshalb ein anderes Modell diskutiert. Dabei könnte das Land Niedersachsen eine Rolle bei der künftigen Eigentümer- oder Betreiberstruktur übernehmen. Der NDR berichtete, das Land könne Teile des Standorts übernehmen und gemeinsam mit einem neuen Partner eine Gesellschaft bilden. Eine unabhängige Bestätigung für die konkrete Konstruktion lag zunächst nicht vor.

Niedersachsen prüft Beteiligung

Dass Niedersachsen grundsätzlich eine Beteiligung prüft, hat die Landesregierung dagegen bestätigt. Ein Regierungssprecher erklärte, verschiedene Möglichkeiten würden untersucht. Dabei gehe es unter anderem um die mögliche Höhe und Ausgestaltung einer Beteiligung sowie um gesellschaftsrechtliche und unternehmerische Strukturen.

Ministerpräsident Olaf Lies sieht nach einem Besuch des Werks Ende August grundsätzlich eine Perspektive für Osnabrück. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die konkrete Lösung noch nicht feststeht. Das Land habe ein Interesse daran, industrielle Beschäftigung und technisches Know-how am Standort zu erhalten.

Damit spielt Osnabrück eine besondere Rolle im laufenden Umbau von Volkswagen. Während für mehrere andere deutsche Werke ebenfalls über Auslastung, Kosten und langfristige Produktionsprogramme gestritten wird, endet in Osnabrück bereits 2027 das derzeit wichtigste Fahrzeugprojekt.

Beschäftigtenvertretung fordert schnelle Entscheidung

Betriebsrat und IG Metall drängen seit Monaten auf Klarheit. Betriebsratschef Jürgen Placke forderte bereits im Juni eine langfristige Perspektive für die Beschäftigten. Aus der Belegschaft seien verschiedene Ideen für eine künftige Nutzung des Standorts entwickelt worden. Entscheidend sei aus Sicht der Arbeitnehmervertretung, möglichst viele Arbeitsplätze dauerhaft zu erhalten.

Die Vorsitzende des Volkswagen-Konzernbetriebsrats, Daniela Cavallo, hat Rüstungsaufträge grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Sie erklärte im Frühjahr, Deutschland und Europa müssten im Verteidigungsbereich unabhängiger werden. Für Osnabrück könnten entsprechende Projekte deshalb eine Option sein. Gleichzeitig fordert die Arbeitnehmerseite weiterhin eine wirtschaftlich tragfähige Perspektive für den gesamten Standort und kritisiert den generellen Sparkurs des Konzerns.

Innerhalb der Belegschaft gibt es allerdings keine einheitliche Haltung. Einzelne Beschäftigte und gewerkschaftlich aktive Initiativen wenden sich gegen eine Umstellung auf militärische Produktion und fordern stattdessen zivile Industrieprojekte.

Friedensorganisationen lehnen Rüstungsfertigung ab

Auch außerhalb des Werks gibt es deutliche Kritik. Das Bündnis Aktion Aufschrei, Stoppt den Waffenhandel, dem nach eigenen Angaben mehr als 100 Organisationen und Initiativen angehören, lehnt eine mögliche Rüstungsproduktion in Osnabrück ab. Zu den Unterstützern gehören unter anderem Misereor und Pax Christi.

Die Kritiker argumentieren, ein Standort mit langer ziviler Fahrzeugbautradition solle nicht auf militärische Produktion umgestellt werden. Lokale Initiativen verweisen zudem auf Osnabrücks Selbstverständnis als Friedensstadt und fordern alternative Konzepte für Busse, Bahnen oder andere zivile Produkte.

Dem gegenüber stehen Arbeitnehmervertreter und Politiker, die vor allem den Erhalt industrieller Arbeitsplätze betonen. Für sie ist entscheidend, dass nach dem Auslaufen des T-Roc Cabriolet überhaupt ein wirtschaftlich tragfähiger Auftrag gefunden wird.

Entscheidende Wochen für das VW-Werk Osnabrück

Der nächste wichtige Konzerntermin ist die Aufsichtsratssitzung am 4. September. Dort soll über die weitere Strategie von Volkswagen beraten werden. Ob dabei bereits eine konkrete Entscheidung für Osnabrück fällt, war zunächst offen.

Nach NDR-Informationen könnte am 7. September eine weitere Absichtserklärung folgen. Bestätigt ist dieser Termin bislang nicht. Ebenso offen blieb zunächst, welches Unternehmen eine mögliche Rüstungsfertigung übernehmen würde, wie viele Beschäftigte übernommen werden könnten und wie stark sich Niedersachsen finanziell beteiligen würde.

Damit bleibt die Zukunft des Volkswagen-Werks Osnabrück trotz fortgeschrittener Gespräche ungeklärt. Sicher ist derzeit vor allem der Zeitdruck: Im Sommer 2027 endet die heutige Autoproduktion. Bis dahin muss Volkswagen eine belastbare Nachnutzung finden, wenn der traditionsreiche Industriestandort dauerhaft erhalten werden soll.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu