VW-Chef Blume kommt nach Emden: Zukunft des Werks offen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume setzt seine Gespräche mit der Belegschaft an den deutschen Standorten am Mittwoch in Emden fort. Bei einer Betriebsversammlung soll er sich zur wirtschaftlichen Lage des Konzerns und zur Zukunft des norddeutschen Elektroautowerks äußern. Der Besuch folgt auf außerordentliche Betriebsversammlungen in Wolfsburg und Braunschweig, bei denen der geplante weitere Konzernumbau auf deutliche Kritik aus der Belegschaft gestoßen war.

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Für das VW Werk Emden steht dabei eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Welche Aufgabe soll der Standort nach Ablauf der derzeit geplanten Modellzyklen in den 2030er Jahren übernehmen? Eine Schließung des Werks ist nach Angaben des Konzernchefs nicht beschlossen. Blume hatte am Dienstag allerdings erklärt, dass es für Emden sowie für weitere Standorte derzeit noch keine wettbewerbsfähige Belegung für das kommende Jahrzehnt gebe.

Keine Schließungsentscheidung für das Werk in Emden

Blume versuchte bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg, Befürchtungen vor bereits feststehenden Werksschließungen entgegenzutreten. Für Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk Neckarsulm gebe es keine entsprechende Entscheidung. Werksschließungen bezeichnete der Konzernchef als letzte und teuerste Möglichkeit. Zugleich machte er deutlich, dass Volkswagen bei der künftigen Auslastung seiner Fabriken Lösungen finden müsse.

Der Vorstand will nach Blumes Angaben innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate Perspektiven für die betroffenen Standorte entwickeln. Die einzelnen Marken sollen gemeinsam mit den Werken Optionen für die künftige Nutzung erarbeiten. Welche konkreten Modelle oder zusätzlichen Aufgaben dabei für Emden geprüft werden, war vor der Betriebsversammlung am Mittwoch nicht offiziell bekannt.

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Die Diskussion über den Standort hat auch die Stadt Emden erreicht. Der Stadtrat verabschiedete am Montag eine Resolution für den Erhalt des Volkswagen-Werks. Das Werk gehört zu den wichtigsten industriellen Arbeitgebern der Region und ist seit mehr als sechs Jahrzehnten eng mit dem Wirtschaftsstandort verbunden.

Emden wurde für mehr als eine Milliarde Euro umgebaut

Die aktuelle Unsicherheit ist auch deshalb bemerkenswert, weil Volkswagen den Standort in den vergangenen Jahren umfassend auf Elektromobilität ausgerichtet hat. Ab 2020 wurde das Werk während des laufenden Betriebs umgebaut. Nach Konzernangaben flossen mehr als eine Milliarde Euro in neue Fertigungstechnik, Digitalisierung und die Qualifizierung der Beschäftigten.

Seit Mai 2022 wird in Emden der ID.4 gebaut. Im Sommer 2023 kam die Limousine ID.7 hinzu, 2024 folgte der ID.7 Tourer. Ende 2024 verließ das letzte Fahrzeug mit Verbrennungsmotor das Werk. Seitdem produziert Emden ausschließlich Elektroautos. Volkswagen bezifferte die Belegschaft Ende 2025 auf mehr als 7.700 Beschäftigte. Im Jahr 2025 wurden rund 147.000 Fahrzeuge gefertigt.

In der Ende 2024 geschlossenen Vereinbarung Zukunft Volkswagen war für Emden festgelegt worden, dass ID.4, ID.7 und ID.7 Tourer weiter am Standort produziert werden sollen. Der ID.4 sollte demnach auch nach seiner Modellüberarbeitung in Emden vom Band laufen. Die Vereinbarung beantwortete jedoch noch nicht die Frage, welche Fahrzeuge das Werk langfristig in den 2030er Jahren auslasten sollen.

Volkswagen verschärft den Konzernumbau

Die Debatte über Emden ist Teil eines umfassenderen Umbaus des Volkswagen-Konzerns. Bereits Ende 2024 hatten Unternehmen, Betriebsrat und IG Metall vereinbart, die Produktionskapazitäten der deutschen Volkswagen-Standorte dauerhaft um 734.000 Fahrzeuge zu reduzieren. Zugleich sollen bei der Volkswagen AG in Deutschland bis 2030 sozialverträglich mehr als 35.000 Stellen entfallen.

Inzwischen prüft der Konzern weitere Einsparungen. Blume erklärte vor der Belegschaft, Volkswagen müsse insbesondere Kosten in Management, zentralen Funktionen, Entwicklung und Vertrieb reduzieren. Eine zuletzt häufig genannte Größenordnung von rund 50.000 zusätzlichen Stellen bezeichnete er dabei nicht als beschlossenes Abbauziel, sondern als theoretische Rechengröße, die sich aus dem Kostenniveau des Konzerns ableite.

Volkswagen begründet den zusätzlichen Handlungsdruck mit hohen Kosten und dem veränderten internationalen Automarkt. Der Wettbewerb durch chinesische Hersteller hat zugenommen, gleichzeitig steht das Geschäft in China unter Druck. Hinzu kommen Belastungen durch US-Importzölle und hohe Investitionen in neue Fahrzeugplattformen, Software und Elektromobilität.

Halbjahresergebnis zeigt den wirtschaftlichen Druck

Die jüngsten Geschäftszahlen verdeutlichen die gemischte Lage. Volkswagen erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Umsatz von 158,1 Milliarden Euro und damit annähernd so viel wie ein Jahr zuvor. Das operative Ergebnis sank jedoch um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. Der Fahrzeugabsatz ging um 8,4 Prozent auf rund vier Millionen Einheiten zurück.

Gleichzeitig entwickelte sich das Geschäft der Volumenmarken stabiler. Die Brand Group Core, zu der unter anderem Volkswagen Pkw, Škoda, Seat und Cupra gehören, steigerte ihr operatives Ergebnis im ersten Halbjahr um 4,5 Prozent auf 3,61 Milliarden Euro. Volkswagen verweist zudem auf einen gewachsenen Auftragsbestand in Europa und eine stärkere Nachfrage nach Elektrofahrzeugen.

Der Konzern steht damit vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits soll die Kostenbasis deutlich sinken, andererseits benötigt Volkswagen hohe Investitionen, um im internationalen Wettbewerb mit Herstellern aus China, den USA und Europa bestehen zu können. Für Werke wie Emden hängt die langfristige Perspektive deshalb wesentlich davon ab, ob sie nach den aktuellen Modellen ausreichend ausgelastet und zu wettbewerbsfähigen Kosten betrieben werden können.

Entscheidungen über Emden stehen noch aus

Die Betriebsversammlungen sind Teil einer Reihe von Gesprächen an insgesamt neun deutschen Volkswagen-Standorten bis Ende August. Nach Wolfsburg und Braunschweig stehen am Mittwoch Emden und Zwickau im Mittelpunkt. Weitere Termine sind unter anderem in Salzgitter und Hannover vorgesehen.

Eine abschließende Entscheidung über die langfristige Zukunft des Werks Emden war am Mittwochmorgen nicht getroffen. Offiziell bestätigt ist, dass Volkswagen für den Standort eine neue Perspektive für die Zeit nach den derzeit geplanten Modellzyklen erarbeiten will. Welche Produktion Emden in den 2030er Jahren übernehmen könnte und welche Folgen der weitere Konzernumbau für die Belegschaft haben wird, blieb zunächst offen.

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