
Eine Woche vor der Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2026 geht der Wahlkampf in seine entscheidende Phase. Am Sonntag, 6. September 2026, sind rund 1,7 Millionen Wahlberechtigte aufgerufen, über die Zusammensetzung des neuen Landtags zu entscheiden. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Die jüngsten repräsentativen Umfragen sehen die AfD mit deutlichem Abstand an erster Stelle. Eine absolute Mehrheit ergibt sich daraus derzeit jedoch nicht. Gleichzeitig liegt der amtierende Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU bei der direkten Personenfrage vor AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Damit stehen nicht nur die Kräfteverhältnisse zwischen den Parteien, sondern auch die Möglichkeiten für eine Regierungsbildung im Mittelpunkt des Wahlkampf-Endspurts.
Sachsen-Anhalt wird derzeit von einer Koalition aus CDU, SPD und FDP regiert. Schulze ist seit dem 28. Januar 2026 Ministerpräsident. Er folgte auf Reiner Haseloff, der das Land seit 2011 geführt hatte.
Das jüngste ZDF-Politbarometer Extra der Forschungsgruppe Wahlen sieht die AfD bei 40 Prozent. Die CDU erreicht demnach 23 Prozent, die Linke 13 Prozent, die SPD 9 Prozent und die Grünen 6 Prozent. FDP und BSW kommen jeweils auf 3 Prozent und lägen damit unter der Fünf-Prozent-Hürde. Andere Parteien erreichen zusammen ebenfalls 3 Prozent.
Die Forschungsgruppe Wahlen befragte im Auftrag des ZDF vom 25. bis 27. August 2026 insgesamt 1.053 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt telefonisch und online. Bei einem Anteilswert von 40 Prozent liegt der statistische Fehlerbereich bei gut drei Prozentpunkten, bei einem Wert von 10 Prozent bei gut zwei Prozentpunkten. Zudem gaben 31 Prozent der Befragten an, noch nicht sicher zu wissen, wen oder ob sie wählen werden. Das ZDF weist ausdrücklich darauf hin, dass die Werte ein aktuelles Stimmungsbild und keine Prognose des Wahlergebnisses darstellen.
Ein ähnliches Bild hatte wenige Tage zuvor der Sachsen-AnhaltTREND von Infratest dimap im Auftrag der ARD ergeben. In dieser Erhebung lag die AfD bei 42 Prozent und die CDU bei 22 Prozent. Die Linke erreichte 11 Prozent, die SPD 8 Prozent, die Grünen 6 Prozent, das BSW 4 Prozent und die FDP 3 Prozent. Befragt wurden vom 24. bis 25. August 1.511 Wahlberechtigte per Telefon und online. Die Schwankungsbreite liegt bei Anteilswerten um 50 Prozent bei etwa drei Prozentpunkten und bei Werten um 10 Prozent bei etwa zwei Prozentpunkten.
Auch Infratest dimap verweist auf mögliche Veränderungen bis zum Wahltag. Elf Prozent der Befragten erklärten, ihre Parteipräferenz könne sich noch ändern. 19 Prozent tendierten zur Nichtwahl oder nannten noch keine Partei.
Während die CDU in beiden jüngsten Umfragen deutlich hinter der AfD liegt, fällt der Vergleich der beiden Kandidaten für das Ministerpräsidentenamt anders aus.
Im ZDF-Politbarometer nannten 48 Prozent Sven Schulze als bevorzugten Ministerpräsidenten. 32 Prozent entschieden sich für Ulrich Siegmund. Die übrigen Befragten nannten keinen der beiden, kannten sie nicht oder machten keine Angabe. Auf die Frage, ob sie lieber eine CDU-geführte oder eine AfD-geführte Landesregierung hätten, entschieden sich 50 Prozent für eine Führung durch die CDU und 35 Prozent für eine Führung durch die AfD.
Die wenige Tage zuvor erhobenen ARD-Werte lagen enger beieinander. Bei Infratest dimap bevorzugten 41 Prozent Schulze und 39 Prozent Siegmund. Eine AfD-geführte Landesregierung befürworteten dort 42 Prozent, eine CDU-geführte Regierung 41 Prozent. Die unterschiedlichen Ergebnisse verdeutlichen zugleich, dass einzelne Prozentwerte nicht unabhängig von Erhebungszeitraum, Fragestellung und statistischer Schwankungsbreite betrachtet werden können.
Schulze erklärte am Samstag bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dessau, er nehme nach dem Fernsehduell eine veränderte Stimmung wahr. Das ist eine Einschätzung des CDU-Spitzenkandidaten und kein durch die bislang veröffentlichten Umfragedaten nachgewiesener Trend. Die jüngste ZDF-Erhebung wurde bereits zwischen dem 25. und 27. August durchgeführt und damit teilweise vor beziehungsweise unmittelbar nach dem TV-Auftritt erhoben.
Schulze und Siegmund hatten sich am Mittwoch, 26. August, beim MDR erstmals in diesem Wahlkampf in einem direkten Fernsehduell gegenübergestanden. Die Sendung begann um 20.15 Uhr und dauerte für das eigentliche Duell rund 34 Minuten. Anschließend wurde die Debatte um die Spitzenkandidaten der weiteren Parteien erweitert.
Im direkten Schlagabtausch ging es unter anderem um Wirtschaft, Bildung, Klimapolitik, Fachkräfte, Altersvorsorge, Migration und innere Sicherheit. Der MDR überprüfte im Anschluss mehrere Aussagen der Kandidaten anhand eigener Faktenchecks, darunter Angaben zum Landeshaushalt und zu Bundesmitteln, zur Herkunft von Fachkräften, zur ärztlichen Versorgung sowie zu Grenzkontrollen und Überlegungen der AfD zu sogenannten Bürgerwachten.
Schulze verteidigte dabei im Kern die bisherige Regierungsarbeit und warb für Kontinuität unter CDU-Führung. Siegmund stellte dem einen politischen Kurswechsel gegenüber. Das Duell machte zugleich deutlich, dass die Konfliktlinie des Wahlkampfs weit über einzelne landespolitische Projekte hinausgeht.
Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt wird vom Landesverfassungsschutz seit November 2023 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Nach Angaben der Behörde richtet sich die politische Agitation des Landesverbandes gegen wesentliche Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Die AfD bestreitet die gegen sie erhobenen Extremismusvorwürfe.
Sollte sich das Kräfteverhältnis der jüngsten Umfragen am Wahltag ähnlich im Landtag abbilden, wäre die Regierungsbildung kompliziert.
Nach der Projektion der Forschungsgruppe Wahlen hätte die AfD mit 40 Prozent keine absolute Mehrheit und wäre für eine parlamentarische Mehrheit auf einen Partner angewiesen. Gleichzeitig würde eine gemeinsame Mehrheit von CDU, Linken, SPD und Grünen rechnerisch ausreichen. Eine Fortsetzung der bisherigen Koalition aus CDU, SPD und FDP wäre bei diesen Werten dagegen nicht möglich, zumal die FDP in der ZDF-Projektion unter der Fünf-Prozent-Hürde liegt.
Politisch ist die rechnerische Addition jedoch nicht mit einer Koalitionsoption gleichzusetzen. Schulze hatte Mitte August sowohl eine Koalition mit der AfD als auch eine Beteiligung der Linken an seinem Kabinett ausgeschlossen. Bei der Debatte nach dem TV-Duell vermied er zugleich eine weitergehende Festlegung zu möglichen Formen einer parlamentarischen Unterstützung.
Aus der Linken kamen dagegen Signale, dass eine Unterstützung einer CDU-geführten Minderheitsregierung unter bestimmten Bedingungen denkbar sein könnte. Vertreter der Partei nannten dafür politische und haushaltspolitische Voraussetzungen. Eine vereinbarte Zusammenarbeit zwischen CDU und Linken gibt es bislang nicht.
Damit könnten am Wahlabend nicht nur die Abstände zwischen AfD und CDU entscheidend sein. Von großer Bedeutung ist auch, welche kleineren Parteien die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. Schon geringe Verschiebungen bei Grünen, BSW oder FDP könnten die Sitzverteilung und damit die rechnerisch möglichen Mehrheiten erheblich verändern.
Die Abstimmung wird auch außerhalb Sachsen-Anhalts aufmerksam verfolgt. Die AfD war bislang weder auf Bundesebene noch in einem Bundesland an einer Regierung beteiligt. Ein Wahlsieg mit einem Stimmenanteil um 40 Prozent wäre deshalb auch für die Bundespolitik von erheblicher Bedeutung. Internationale Medien verfolgen den Wahlkampf ebenfalls vor dem Hintergrund der gestiegenen AfD-Werte in Ostdeutschland und auf Bundesebene.
Bei der Landtagswahl 2021 hatte die CDU noch 37,1 Prozent erreicht und die AfD 20,8 Prozent. Die Linke kam damals auf 11,0 Prozent, die SPD auf 8,4 Prozent, die FDP auf 6,4 Prozent und die Grünen auf 5,9 Prozent. Sollten die aktuellen Umfragewerte auch nur annähernd zum Wahlergebnis werden, würde sich das Kräfteverhältnis im Magdeburger Landtag deutlich verändern.
Bis zum 6. September bleibt jedoch offen, wie stark die Parteien ihre Anhänger mobilisieren können und wie sich bislang unentschlossene Wahlberechtigte entscheiden. Gerade die Werte kleinerer Parteien bewegen sich teilweise innerhalb der üblichen statistischen Fehlertoleranz rund um die Fünf-Prozent-Hürde. Erst das Wahlergebnis bestimmt, welche Mehrheiten im neuen Landtag tatsächlich möglich sind.
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