
Am Sonntag, 20. September 2026, richten sich die Blicke auf zwei sehr unterschiedliche Landeswahlen. Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin finden am selben Tag statt, doch die Ausgangslagen unterscheiden sich erheblich. Im Nordosten liegen SPD und AfD in den jüngsten Umfragen nahezu gleichauf. In der Hauptstadt konkurrieren Linke und CDU um die höchsten Werte. Insgesamt sind in beiden Ländern rund 3,8 Millionen Menschen wahlberechtigt. Die Ergebnisse dürften auch deshalb bundesweit aufmerksam verfolgt werden, weil CDU und SPD gemeinsam die Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz bilden.
Die jüngste Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF zeigt in Mecklenburg-Vorpommern einen sehr kleinen Abstand. In der vom 14. bis 17. September durchgeführten Befragung unter 1.395 Wahlberechtigten erreichte die SPD 37 Prozent, die AfD 36 Prozent. Die Linke kam auf 9 Prozent, die CDU auf 6 Prozent, die Grünen auf 5 Prozent und das BSW auf 4 Prozent. Weitere Parteien lagen zusammen bei 3 Prozent. Die statistische Fehlertoleranz beträgt bei größeren Parteien rund drei Prozentpunkte.
Eine kurz zuvor veröffentlichte INSA-Erhebung zeigt, wie offen das Bild ist. Bei der Befragung vom 8. bis 15. September unter 1.000 Wahlberechtigten kam die AfD auf 37 Prozent und die SPD auf 35 Prozent. Die Linke erreichte 10 Prozent, die CDU 7 Prozent, die Grünen 5 Prozent und das BSW 3 Prozent. Die beiden Umfragen unterscheiden sich damit auch bei der Reihenfolge von SPD und AfD. Sie bilden die politische Stimmung zum jeweiligen Erhebungszeitpunkt ab und sind keine Prognosen für das Wahlergebnis.
Die Ausgangslage unterscheidet sich deutlich von der Landtagswahl 2021. Damals erreichte die SPD 39,6 Prozent und wurde mit großem Abstand stärkste Kraft. Die AfD kam auf 16,7 Prozent, die CDU auf 13,3 Prozent, die Linke auf 9,9 Prozent, die Grünen auf 6,3 Prozent und die FDP auf 5,8 Prozent. Anschließend bildeten SPD und Linke die Landesregierung unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.
Für die CDU ergibt sich damit eine besonders veränderte Ausgangslage. Ihr Ergebnis von 13,3 Prozent aus dem Jahr 2021 steht aktuellen Umfragewerten von 6 bis 7 Prozent gegenüber. Gleichzeitig liegt die AfD in den jüngsten Erhebungen deutlich über ihrem Ergebnis von 2021. Für die Grünen ist die Fünf-Prozent-Hürde von besonderer Bedeutung, während das BSW zuletzt darunter lag. Wegen der statistischen Schwankungsbreiten lassen sich aus diesen Werten keine sicheren Aussagen über den Einzug einzelner Parteien ableiten.
Inhaltlich gehören Bildung, Wirtschaft und Migration zu den zentralen Themen des Wahlkampfs. Hinzu kommen hohe Energie- und Lebenshaltungskosten, die medizinische Versorgung im dünn besiedelten Flächenland sowie Fragen der sozialen Sicherung. Beim Thema Bildung geht es unter anderem um Lehrkräfte, Schulstrukturen und Inklusion. In der Wirtschaftspolitik spielen Arbeitsplätze, Energiepreise, Infrastruktur und die Zukunft wichtiger Branchen wie Tourismus, Landwirtschaft und maritime Wirtschaft eine Rolle.
Auch in der Energiepolitik bestehen deutliche Unterschiede. Die AfD fordert unter anderem einen Stopp des weiteren Windkraftausbaus und eine Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines unter bestimmten Voraussetzungen. Die SPD setzt dagegen auf weitere Investitionen in die Energie-, Gesundheits- und Digitalwirtschaft sowie in die Infrastruktur des Landes. Migration und innere Sicherheit gehören ebenfalls zu den Bereichen, in denen die Parteien unterschiedliche politische Konzepte vertreten.
Rund 1,3 Millionen Menschen dürfen in Mecklenburg-Vorpommern abstimmen. Erstmals gilt bei einer Landtagswahl im Land das Wahlalter von 16 Jahren. Gewählt werden regulär mindestens 71 Abgeordnete in 36 Wahlkreisen.
Auch in Berlin zeigen die letzten Erhebungen geringe Abstände. Die Forschungsgruppe Wahlen befragte vom 14. bis 17. September 1.611 Wahlberechtigte. In dieser Projektion erreichte die Linke 22 Prozent, die CDU 20 Prozent, die AfD 18 Prozent, die Grünen 15 Prozent und die SPD 12 Prozent. Das BSW kam auf 4 Prozent, die übrigen Parteien zusammen auf 9 Prozent. 23 Prozent der Befragten waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, wen oder ob sie wählen wollen.
Eine am Freitag veröffentlichte INSA-Umfrage im Auftrag von Volt Berlin kommt zu einem sehr ähnlichen Bild. Die Onlinebefragung unter 1.000 Wahlberechtigten lief vom 10. bis 16. September. Die Linke erreichte darin 21 Prozent, die CDU 20 Prozent, die AfD 18 Prozent, die Grünen 15 Prozent und die SPD 12 Prozent. Das BSW lag bei 5 Prozent. Bei der Bewertung dieser Erhebung ist zu berücksichtigen, dass sie von einer selbst zur Wahl antretenden Partei in Auftrag gegeben wurde.
Die Verschiebungen gegenüber der Berliner Wiederholungswahl von 2023 wären bei einer entsprechenden Stimmverteilung erheblich. Damals wurde die CDU mit 28,2 Prozent stärkste Kraft. SPD und Grüne kamen jeweils auf 18,4 Prozent, die Linke auf 12,2 Prozent und die AfD auf 9,1 Prozent. Seitdem regieren CDU und SPD gemeinsam.
Das bestimmende Berliner Wahlkampfthema ist der Wohnungsmarkt. Im BerlinTrend von Infratest dimap nannten Ende August 32 Prozent der Befragten Wohnen und Mieten als wichtigstes politisches Problem. Mit Abstand folgten Einwanderung mit 10 Prozent, innere Sicherheit und Kriminalität mit 9 Prozent sowie Verkehr und Mobilität mit 8 Prozent.
Die Parteien unterscheiden sich vor allem bei der Frage, wie zusätzlicher Wohnraum entstehen und wie stark der Mietmarkt reguliert werden soll. Umstritten bleibt außerdem der Umgang mit dem Volksentscheid von 2021 zur Vergesellschaftung großer privater Wohnungsunternehmen. Die Linke fordert dessen Umsetzung sowie stärkere Begrenzungen von Mieterhöhungen bei landeseigenen Gesellschaften. CDU und andere Parteien setzen stärker auf Neubau und eine Ausweitung des Angebots. Auch eine mögliche Bebauung von Teilen des Tempelhofer Feldes gehört zu den Konfliktthemen. Weitere Gegensätze bestehen bei Verkehrspolitik, innerer Sicherheit und Klimaschutz.
In Berlin sind rund 2,5 Millionen Menschen zur Wahl des Abgeordnetenhauses aufgerufen. Erstmals dürfen dabei auch 16- und 17-Jährige abstimmen. Gewählt werden mindestens 130 Abgeordnete. Parallel finden die Wahlen zu den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen statt.
Der Wahlabend trifft mehrere bundespolitische Entwicklungen gleichzeitig. CDU und SPD regieren im Bund gemeinsam unter Bundeskanzler Friedrich Merz. In Mecklenburg-Vorpommern liegt die CDU in den Umfragen deutlich unter ihrem Landtagswahlergebnis von 2021, während die SPD dort wesentlich höhere Werte erreicht als in bundesweiten Umfragen. In Berlin wiederum liegt die SPD deutlich unter ihrem Ergebnis von 2023, während die CDU trotz Verlusten gegenüber der letzten Wahl weiterhin um die höchsten Umfragewerte konkurriert.
Auch die AfD steht bundesweit im Blickpunkt. In Mecklenburg-Vorpommern liegt sie aktuell bei 36 bis 37 Prozent, nachdem sie 2021 16,7 Prozent erreicht hatte. In Berlin weisen die jüngsten Erhebungen 18 Prozent aus, verglichen mit 9,1 Prozent bei der Wahl 2023. Wie stark sich diese Umfragewerte tatsächlich in Stimmen und Mandate übersetzen, entscheidet sich erst am Sonntag. Die unterschiedlichen Ausgangslagen in einem Flächenland im Nordosten und in der Hauptstadt machen den gemeinsamen Wahlabend zugleich zu einem Vergleich darüber, wie unterschiedlich sich bundespolitische Entwicklungen auf Landesebene niederschlagen können.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu