2.700 Hektar betroffen: Internationale Hilfe im Hohen Venn

Symbolbild: Blaulicht auf dem Dach eines Einsatzfahrzeugs
Symbolbild Feuerwehreinsatz

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Der Waldbrand im Hohen Venn an der deutsch-belgischen Grenze hat nach Angaben der Wallonischen Regionalregierung mehr als 2.700 Hektar erfasst. Das Feuer begann am Freitag, 14. August 2026, gegen 13.06 Uhr bei Baelen in der belgischen Provinz Lüttich und beschäftigt die Einsatzkräfte seitdem ohne Unterbrechung. Am Sonntag waren weiterhin belgische und deutsche Feuerwehrleute sowie Polizei, Zivilschutz, Militär und medizinische Dienste im Einsatz. Mehrere Brandherde waren am Morgen noch aktiv, zugleich meldeten die Behörden eine erhebliche Rauchentwicklung.

Mehr als 250 Kräfte kämpfen gegen den Brand

Nach Angaben der Wallonie waren in der Nacht zum Sonntag mehr als 250 Einsatzkräfte und rund 50 Fahrzeuge mobilisiert. Dazu gehörten mehr als 100 belgische und deutsche Feuerwehrleute, etwa 70 Polizisten, rund 20 Angehörige des belgischen Zivilschutzes, etwa 40 Militärangehörige sowie rund ein Dutzend Kräfte der medizinischen und psychosozialen Dienste. Auch der wallonische Natur und Forstdienst DNF sowie Landwirte unterstützen die Arbeiten.

Die Wallonie bezifferte die deutschen und belgischen Feuerwehrkräfte nur gemeinsam. Eine gesonderte Zahl für das deutsche Kontingent wurde nicht genannt. Die wechselnde Windrichtung erschwerte nach Angaben der Behörden in der Nacht wiederholt die Einsatzplanung. Besonders problematisch ist der östliche Abschnitt des Brandgebietes, der teilweise gar nicht mit Fahrzeugen und anderen Einsatzmitteln am Boden erreicht werden kann.

EU schickt Hubschrauber und zwei Löschflugzeuge

Belgien hat wegen des Großbrandes den Katastrophenschutzmechanismus der Europäischen Union aktiviert. Die EU-Kommission bestätigte darüber die Mobilisierung eines Hubschraubers und zweier Löschflugzeuge. Über den Mechanismus können betroffene Staaten zusätzliche Flugzeuge, Hubschrauber, Spezialteams und Ausrüstung aus anderen europäischen Staaten anfordern. Die Koordination übernimmt das europäische Zentrum für die Koordination von Notfallmaßnahmen ERCC.

Unabhängig davon bestätigte die Wallonie am Sonntag Einsätze von Hubschraubern der belgischen Bundespolizei und aus den Niederlanden. Sie nahmen ihre Löscharbeiten nach Tagesanbruch wieder auf und konzentrierten sich unter anderem auf schwer zugängliche Abschnitte der Feuerfront. Für die Wasseraufnahme der Hubschrauber wurde der Freizeitbetrieb auf dem Robertville See stark eingeschränkt. Boote dürfen dort derzeit nicht fahren.

Menschen mussten ihre Häuser verlassen

In gefährdeten Bereichen der Gemeinden Waimes mit dem Ortsteil Sourbrodt und Bütgenbach wurden vorsorgliche Evakuierungen angeordnet. Nach Angaben der Wallonie verbrachten rund 20 Evakuierte die Nacht in einem Aufnahmezentrum im Sportzentrum von Malmedy. Am Sonntagmorgen durften die Betroffenen zunächst nicht in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren.

Die Behörden erklärten gegen 8 Uhr, die eingerichtete Verteidigungslinie vor den geräumten Bereichen halte. Zu diesem Zeitpunkt war nach Angaben der Wallonie kein Wohnhaus vom Feuer erfasst. Die Flammen befanden sich jedoch weiterhin in der Nähe bewohnter Gebiete. Die örtliche und die föderale Polizei bewachten die evakuierten Bereiche. Verletzte Menschen wurden in der aktualisierten Lageinformation der Wallonie am Sonntag nicht gemeldet.

Straßen im Hohen Venn bleiben gesperrt

Für den Einsatz bleiben mehrere wichtige Verkehrsverbindungen und Ausflugsziele gesperrt. Nach Angaben des wallonischen öffentlichen Dienstes sind die N68 und die N672 bei Herbiester nicht befahrbar. Auch die Zugänge zu den Talsperren von Eupen und Gileppe sind geschlossen. Die Wasserreservoirs werden für die Löscharbeiten genutzt.

Auf den Autobahnen A3 bei Soumagne und A27 bei Polleur weisen elektronische Verkehrstafeln auf den Brand und das Zugangsverbot zum Hohen Venn hin. Die Behörden fordern Besucher ausdrücklich auf, das betroffene Gebiet zu meiden. Zusätzlicher Verkehr könnte Zufahrtswege für Feuerwehr und andere Einsatzkräfte blockieren.

Rauch erreicht Deutschland und das Saarland

Die Auswirkungen des Feuers reichen weit über das belgische Brandgebiet hinaus. In der grenznahen Stadt Monschau in Nordrhein-Westfalen bereitete die Stadtverwaltung in der Nacht vorsorglich eine mögliche Evakuierung der Ortsteile Kalterherberg und Mützenich vor. Hintergrund waren die Annäherung der Brandfront sowie mögliche erhebliche Rauchbelastungen und Rauchniederschläge. Eine Evakuierung dieser beiden Ortsteile wurde am Sonntag zunächst nicht angeordnet. Später meldete die Stadt dort nur noch geringe oder keine Rauchbelastung.

Noch deutlich weiter entfernt war der Rauch bereits am Samstag im Saarland ein Thema. Die Integrierte Leitstelle Saarland veröffentlichte über das Warnportal des Bundes eine Gefahreninformation wegen Rauchentwicklung durch das Brandereignis in Belgien. Die Bevölkerung wurde unter anderem darauf hingewiesen, den Notruf nur bei einem konkret erkennbaren Brand oder einer anderen tatsächlichen Notlage zu wählen. Damit hatten die Rauchmassen mehrere hundert Kilometer vom Hohen Venn entfernt Auswirkungen.

Auch auf belgischer Seite beeinträchtigt der Rauch die Luftqualität. Die Wallonie registrierte am Sonntagmorgen erhöhte Spitzen bei den Feinstaubwerten PM10 und PM2,5, besonders in den Provinzen Lüttich und Namur. Die Regionalregierung stellt deshalb knapp 100.000 FFP2 Masken aus ihrem strategischen Vorrat bereit. Mehr als 9.000 davon sind zunächst für Einsatzkräfte vorgesehen.

Hürtgenwald ist eine zweite große Einsatzlage

Nur wenige Dutzend Kilometer entfernt läuft gleichzeitig der Großeinsatz nach dem Waldbrand im Hürtgenwald im Kreis Düren. Der Kreis Düren meldete am Sonntag eine weitere Entspannung. Rund 900 Kräfte waren allerdings weiterhin vor Ort und arbeiteten Brandstellen nach. Offene Flammen wurden dort nicht mehr festgestellt. Bewohner des zuvor geräumten Ortes Gey durften bereits am Samstagabend zurückkehren.

Beide Feuer liegen in derselben Großregion der Eifel und des Hohen Venns, werden von den zuständigen Behörden aber als getrennte Einsatzlagen geführt. Angaben zu einem ursächlichen Zusammenhang liegen nicht vor. Die parallelen Brände haben allerdings dazu geführt, dass Rauch und Brandgeruch in weiten Teilen Westdeutschlands zeitweise nicht eindeutig einem einzelnen Brandgebiet zugeordnet werden konnten.

Torfböden machen Löscharbeiten besonders schwierig

Das Hohe Venn unterscheidet sich deutlich von einem gewöhnlichen Waldgebiet. Nach Angaben des wallonischen Umwelt und Forstdienstes gehören Moore und torfreiche Böden zu den Lebensräumen der Region. Bei Bodenfeuern kann organisches Material in Humus und Torfschichten brennen oder schwelen. Solche Feuer können sich unter der Oberfläche halten und sind deshalb besonders schwierig vollständig zu löschen. Hinzu kommen offene Heideflächen, Wald sowie Geländeabschnitte, die für Löschfahrzeuge kaum oder gar nicht erreichbar sind.

Gerade diese Kombination erklärt die große Bedeutung der Luftunterstützung. Wasser muss über weite Strecken herangebracht oder von Hubschraubern aufgenommen werden. Gleichzeitig können auch schwache, aber wechselnde Winde die Ausbreitungsrichtung verändern und die Einsatzplanung erschweren.

Hohes Venn schützt seltene Moor und Heidelandschaften

Das Hohe Venn besitzt einen besonders hohen Naturschutzwert. Die wallonische Umweltverwaltung zählt dort unter anderem aktive und beeinträchtigte Hochmoore, Übergangsmoore, feuchte und trockene Heiden sowie Moorwälder zu den besonders wertvollen Lebensräumen. Mehrere dieser Lebensraumtypen sind nach der europäischen Fauna Flora Habitat Richtlinie geschützt.

Die wallonischen Behörden bezeichnen das Hohe Venn als Gebiet von herausragender Bedeutung für die Biodiversität. Dazu gehören spezialisierte Pflanzenarten sowie seltene Vogel und Schmetterlingsarten. Die Region hat in den vergangenen Jahren erhebliche Mittel in die Wiederherstellung von Mooren und Heidelandschaften investiert. Wie groß die ökologischen Schäden des aktuellen Feuers sind, war am Sonntag noch nicht abschließend festgestellt.

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