
Ein Wechsel von Luca Waldschmidt zu Hertha BSC wird wenige Wochen vor dem Ende der Sommertransferperiode zu einer konkreteren Personalie. Nach Informationen der Bild hat sich der Berliner Zweitligist nach dem 30 Jahre alten Offensivspieler des 1. FC Köln erkundigt. Eine offizielle Bestätigung des Kontakts, ein Angebot oder Verhandlungen gab es bis Freitagvormittag, 14. August 2026, allerdings nicht. Ebenso wenig hat der 1. FC Köln öffentlich erklärt, Waldschmidt abgeben zu wollen. Damit befindet sich die Personalie weiterhin in einem frühen Stadium. Interessant ist sie dennoch, weil Waldschmidt in Köln nur noch bis 2027 unter Vertrag steht und bei Hertha eine offensiv wichtige Rolle übernehmen könnte.
Sportlich ist Waldschmidts Lage beim 1. FC Köln weniger eindeutig, als es ein bevorstehender Abschied vermuten lassen könnte. Der ehemalige Nationalspieler gehört weiterhin zum Profikader und wird von Cheftrainer René Wagner regulär eingesetzt. In der Vorbereitung erzielte er beim 2:0 in einem nicht öffentlichen Testspiel gegen Real Sociedad San Sebastián einen Treffer. Wagner hatte Waldschmidt bereits in der vergangenen Rückrunde ausdrücklich für dessen Einsatz im Training gelobt. Der Trainer hob damals hervor, wie viel Energie der Offensivspieler in die Einheiten bringe.
Ein Stammplatz lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Auf der Position hinter der Spitze beziehungsweise als hängender Angreifer testete Wagner in der Vorbereitung sowohl Waldschmidt als auch Marius Bülter. Zuletzt galt das Duell als offen, mit leichten Vorteilen für Bülter. Zusätzlich arbeitet Köln weiter an Veränderungen in der Offensive. Die Leihe des englischen Talents Mikey Moore von Tottenham Hotspur wurde zuletzt als weit fortgeschritten beschrieben, war aber noch nicht offiziell vollzogen. Weitere Zugänge würden den Konkurrenzkampf zusätzlich verschärfen. Waldschmidt besitzt unter Wagner damit weiter eine sportliche Perspektive, allerdings keine Garantie auf regelmäßige Einsätze von Beginn an.
Gerade diese Rolle ist für die Transferfrage entscheidend. In der Bundesliga-Saison 2025/26 kam Waldschmidt nur siebenmal von Beginn an zum Einsatz. Insgesamt sammelte er 666 Ligaminuten. Trotzdem gelangen ihm fünf Tore und vier Vorlagen. Rechnerisch war er damit ungefähr alle 74 Minuten unmittelbar an einem Treffer beteiligt. Waldschmidt gehörte somit zu den effizientesten Offensivspielern der Kölner, obwohl er über weite Strecken als Einwechselspieler eingesetzt wurde.
Der Spieler selbst verwies zuletzt ebenfalls auf diese Zahlen. Gegenüber Sky erklärte Waldschmidt Ende Juli, dass die Situation mit wenig Spielzeit nicht immer einfach sei. Er sei jedoch überzeugt, bei mehr Einsatzminuten auch mehr liefern zu können. Seine Aussagen lassen erkennen, dass sein sportlicher Anspruch über eine dauerhafte Jokerrolle hinausgeht. Einen Wechselwunsch leitete Waldschmidt daraus ausdrücklich nicht ab.
Ende Juli positionierte sich Waldschmidt deutlich zu seiner Zukunft. Die Spekulationen seien von außen gekommen und weder von ihm noch vom Verein angestoßen worden, sagte er Sky. Zugleich erklärte er, dass er sich in der Mannschaft und beim 1. FC Köln extrem wohl fühle. Der Club sei für ihn inzwischen mehr als lediglich eine weitere Karrierestation.
Auch in einem weiteren Interview hatte Waldschmidt erklärt, dass weder der Verein noch er selbst ein Signal für eine Trennung gegeben hätten. Deshalb habe für ihn kein Anlass bestanden, sich intensiv mit einem Wechsel zu beschäftigen. Selbst frühere Aussagen über den Wunsch nach einer weiteren Station im Ausland relativierte der Angreifer inzwischen. Ein öffentlich erklärter Abschiedswunsch liegt damit nicht vor. Seine Position lässt allerdings Raum für eine Veränderung, falls sich seine sportliche Situation oder die Rahmenbedingungen bis Ende August verändern sollten.
Auch die Position des 1. FC Köln war bislang zurückhaltend. Geschäftsführer Sport Thomas Kessler erklärte bereits Anfang Mai mit Blick auf Waldschmidts Zukunft, der Spieler besitze einen Vertrag bis 2027, weshalb sich die Frage nach seiner Zukunft für ihn zunächst nicht stelle. Kessler machte damals zugleich grundsätzlich deutlich, dass Spieler ihre Situation neu bewerten könnten, wenn sie nicht die gewünschten Einsatzzeiten erhielten.
Eine aktuelle öffentliche Aussage Kesslers, wonach Waldschmidt verkauft werden müsse oder keine sportliche Zukunft mehr in Köln habe, liegt nicht vor. Das deckt sich mit Waldschmidts eigener Darstellung, wonach ihm vom Club kein Trennungssignal übermittelt worden sei. Allerdings läuft der Vertrag am 30. Juni 2027 aus. Damit ist dieser Sommer für Köln die letzte Transferperiode, in der der Verein eine Ablöse erzielen kann, ohne zuvor mit Waldschmidt zu verlängern.
Eine offizielle Ablöseforderung des 1. FC Köln ist nicht bekannt. Die Bild berichtet allerdings, dass der FC Waldschmidt für weniger als dessen dort mit zwei Millionen Euro angegebenen Marktwert ziehen lassen würde. Eine konkrete Summe nennt der Bericht nicht. Belastbar ist deshalb lediglich, dass eine Ablöse unter zwei Millionen Euro im Raum steht, sofern die Angaben zutreffen. Der Verein selbst hat diese Größenordnung nicht bestätigt.
Die Zeitung beziffert Waldschmidts Jahresgehalt in Köln zudem auf rund zwei Millionen Euro und zählt ihn damit zu den besser verdienenden Spielern im Kader. Auch diese Gehaltsangabe ist nicht offiziell bestätigt. Für Hertha wäre deshalb möglicherweise nicht die Ablösesumme das größte Hindernis, sondern das Gesamtpaket aus Gehalt und Vertragslaufzeit. Nach demselben Bericht müsste Waldschmidt für einen Wechsel nach Berlin finanzielle Abstriche akzeptieren.
Köln selbst hatte Waldschmidt 2024 nach einer vorherigen Leihe dauerhaft vom VfL Wolfsburg verpflichtet. Sein Vertrag wurde damals bis Sommer 2027 abgeschlossen. Die Bild bezifferte die damalige Ablösesumme auf rund 1,5 Millionen Euro, nachdem eine ursprünglich vereinbarte Kaufoption über 3,6 Millionen Euro nicht genutzt worden war. Diese Ablösesumme war auch damals keine offiziell veröffentlichte Vereinsangabe.
Hertha BSC ist nicht der erste Club, der in diesem Sommer mit Waldschmidt in Verbindung gebracht wird. Bereits im Juni wurde über Interesse von Hannover 96 berichtet. Dort arbeitet mit Christian Titz ein Trainer, den Waldschmidt aus seiner Zeit beim Hamburger SV kennt. Zu konkreten Verhandlungen oder einem Angebot kam es öffentlich erkennbar nicht. Die Spur verlor anschließend an Bedeutung.
Weitere Vereine werden derzeit nicht mit einer vergleichbar konkreten aktuellen Anfrage in Verbindung gebracht. Waldschmidts früher geäußerter Gedanke an eine weitere Auslandsstation ist ebenfalls kein Hinweis auf einen konkreten Interessenten. Er hat diese Überlegung inzwischen selbst abgeschwächt und sogar einen langfristigen Verbleib in Köln als mögliche Variante bezeichnet.
Waldschmidts Laufbahn begann im Nachwuchs von Eintracht Frankfurt. Dort schaffte er 2014 den Sprung zu den Profis und absolvierte 17 Pflichtspiele. 2016 wechselte der Angreifer zum Hamburger SV, für den er auf 38 Pflichtspiele und drei Tore kam. Zwei Jahre später folgte der Wechsel zum SC Freiburg. Im Breisgau entwickelte er sich entscheidend weiter und erzielte in 56 Pflichtspielen 17 Treffer. Während dieser Zeit wurde er auch deutscher A-Nationalspieler. Insgesamt bestritt Waldschmidt sieben Länderspiele und erzielte zwei Tore für Deutschland.
2020 wechselte er zu Benfica Lissabon. Für den portugiesischen Spitzenclub kam er nach Angaben des VfL Wolfsburg auf 29 Ligaeinsätze und neun Tore. Bereits 2021 kehrte Waldschmidt in die Bundesliga zurück und unterschrieb beim VfL Wolfsburg einen Vertrag bis 2025. Im Sommer 2023 folgte zunächst die Leihe nach Köln. Ein Jahr später verpflichtete ihn der FC dauerhaft. In Köln feierte Waldschmidt 2025 den Wiederaufstieg und die Zweitligameisterschaft.
Aus Berliner Sicht passt Waldschmidts Spielerprofil grundsätzlich zur aktuellen Kaderplanung. Hertha hat Fabian Reese an den VfL Wolfsburg und Michaël Cuisance an RC Lens abgegeben. Trainer Stefan Leitl erklärte bereits zum Trainingsauftakt Ende Juni öffentlich, dass die Offensive nach diesen Abgängen verstärkt werden müsse. Gesucht werden Spieler, die den Kader qualitativ und quantitativ verbessern.
Nach Angaben der Bild hat Hertha in diesem Sommer insgesamt 13 Spieler abgegeben und bislang nur einen Profi per Leihgeschäft neu verpflichtet. Waldschmidt wäre durch seine Vielseitigkeit interessant. Er kann im offensiven Mittelfeld, als zweite Spitze, auf dem Flügel oder im Angriffszentrum eingesetzt werden. Mit Marvin Ducksch wird laut demselben Bericht allerdings noch ein weiterer erfahrener Offensivspieler mit Hertha in Verbindung gebracht.
Die Berliner Verantwortlichen haben gleichzeitig mehrfach betont, dass neue Transfers finanziell tragfähig sein müssen. Geschäftsführer Peter Görlich verwies Ende Juni auf die Restrukturierung des Clubs und erklärte, sämtliche Transfers müssten genau geprüft und finanzierbar sein. Hertha habe bis zum 31. August Zeit, den Kader weiterzuentwickeln.
Die wirtschaftliche Situation hat sich zwar verbessert, bleibt aber angespannt. Im zuletzt veröffentlichten Halbjahresabschluss zum 31. Dezember 2025 meldete Hertha ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen von 4,1 Millionen Euro und einen kleinen Halbjahresüberschuss von 385.000 Euro. Gleichzeitig bestand weiterhin ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag von rund 38 Millionen Euro. Die zinstragenden Verbindlichkeiten lagen nach dem teilweisen Rückkauf der Anleihe bei insgesamt 36,2 Millionen Euro.
Hertha verfolgt deshalb weiter einen Sparkurs und will den Profikader strukturell verkleinern. Die hohen Einnahmen aus dem Reese-Transfer waren nach Angaben der Vereinsführung auch wirtschaftlich wichtig. Ein Transfer Waldschmidts wäre mit einer Ablöse von weniger als zwei Millionen Euro grundsätzlich eher in einer für Hertha erreichbaren Größenordnung. Ob das gesamte Paket finanzierbar wäre, hängt jedoch wesentlich vom Gehalt und möglichen Vertragskonditionen ab.
Ein Transfer bis zum Ende der Wechselperiode am 31. August ist damit durchaus möglich, derzeit aber nicht als unmittelbar bevorstehend einzustufen. Für einen Wechsel spricht, dass Hertha offensiven Bedarf hat, Waldschmidt in Köln nur noch ein Vertragsjahr besitzt und der FC nach dem aktuellen Bericht offenbar grundsätzlich zu einer wirtschaftlich überschaubaren Lösung bereit wäre. Zudem könnte Waldschmidt in Berlin eine zentralere sportliche Rolle erhalten als im starken Kölner Konkurrenzkampf.
Dagegen stehen mehrere wesentliche Punkte. Waldschmidt hat selbst keinen Wechselwunsch geäußert. Köln hat ihn nicht aussortiert, René Wagner setzt weiter auf ihn und der Spieler befindet sich mitten im Konkurrenzkampf um Einsatzzeit. Hinzu kommt Herthas begrenzter finanzieller Spielraum. Bislang ist lediglich eine Erkundigung berichtet worden. Von einer Einigung, einem konkreten Angebot oder fortgeschrittenen Verhandlungen gibt es keine bestätigten Angaben. Damit ist Hertha derzeit eine nachvollziehbare Option für Waldschmidt, aber noch kein absehbares neues Ziel.






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