Behörden warnen vor riskanten Schilddrüsen-Supplements

Behörden warnen vor riskanten Schilddrüsen-Supplements
Bild von Steve Buissinne auf Pixabay

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Die aktuelle Warnung vor Schilddrüsen-Supplements in Deutschland richtet sich besonders gegen hoch dosierte Jodprodukte aus dem Internet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt ausdrücklich davor, sogenannte Lugolsche Lösung zur Verbesserung der Jodversorgung einzunehmen. Bereits ein einzelner Tropfen kann demnach ein Vielfaches der täglich noch als tolerierbar eingestuften Jodmenge enthalten.

Auch bei Algenkapseln, Kelp-Präparaten und sogenannten „Thyroid Support“-Produkten ist Vorsicht geboten. Die Mittel werden häufig mit einer Unterstützung der Schilddrüse, des Stoffwechsels oder des Energiehaushalts beworben. Für Menschen mit Hashimoto, einer Schilddrüsenüberfunktion oder anderen Schilddrüsenerkrankungen kann eine unkontrollierte Einnahme jedoch besondere Risiken mit sich bringen.

Warnung vor Jod-Supplements und Lugolscher Lösung

Lugolsche Lösung besteht aus Jod, Kaliumjodid und Wasser. Sie wird online teilweise wie ein gewöhnliches Nahrungsergänzungsmittel angeboten, obwohl sie für die tägliche Jodversorgung nicht geeignet ist. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung kann bereits ein Tropfen einer üblichen Lösung die tolerierbare tägliche Höchstmenge für Erwachsene ungefähr um das Zehnfache überschreiten.

Eine derart hohe Jodzufuhr kann die Funktion der Schilddrüse erheblich beeinträchtigen. Möglich sind sowohl eine Überfunktion als auch andere Störungen des Hormonhaushalts. Besonders empfindlich können Menschen reagieren, bei denen bereits eine Schilddrüsenerkrankung besteht. Die Warnung vor Jod-Supplements betrifft deshalb nicht nur eindeutig hoch dosierte Tropfen, sondern auch Produkte, deren genaue Zusammensetzung oder empfohlene Tagesdosis schwer nachvollziehbar ist.

Nahrungsergänzungsmittel für die Schilddrüse genau prüfen

Auch Kelp-, Tang- und andere Algenpräparate können große Mengen Jod enthalten. Der tatsächliche Gehalt schwankt je nach Algenart, Herkunft und Verarbeitung teilweise erheblich. Verbraucher sollten deshalb besonders vorsichtig sein, wenn auf einem Produkt keine konkrete Jodmenge pro Tagesdosis angegeben ist oder mit besonders hohen Dosierungen geworben wird.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel für Personen ab 15 Jahren höchstens 100 Mikrogramm Jod pro empfohlener Tagesdosis. Für Schwangere und Stillende werden bis zu 150 Mikrogramm vorgeschlagen. Diese Werte sind Empfehlungen für die Produktgestaltung und bedeuten nicht, dass jeder Mensch zusätzliches Jod einnehmen sollte. Bei Hashimoto, einer Über- oder Unterfunktion sollte eine Einnahme vorher ärztlich abgestimmt werden.

Selen und Wechselwirkungen mit L-Thyroxin

Neben Jod enthalten viele Nahrungsergänzungsmittel für die Schilddrüse Selen. Das Spurenelement wird zwar für die Bildung und Verarbeitung von Schilddrüsenhormonen benötigt, ein Mangel ist bei gesunden Menschen in Deutschland jedoch selten. Eine zu hohe Einnahme kann unter anderem Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit, Gelenkbeschwerden und neurologische Störungen verursachen.

Wer L-Thyroxin einnimmt, sollte außerdem mögliche Wechselwirkungen beachten. Präparate mit Calcium, Eisen, Magnesium oder Zink können die Aufnahme des Arzneimittels vermindern, wenn sie zeitlich zu nah eingenommen werden. Auch hoch dosiertes Biotin ist problematisch, weil es Ergebnisse von Schilddrüsen-Bluttests verfälschen kann. Medikamente und Supplements sollten deshalb nicht eigenständig kombiniert oder in ihrer Dosierung verändert werden.

Keine allgemeine Rückrufwarnung für alle Präparate

Derzeit gibt es keine allgemeine bundesweite Rückrufwarnung für sämtliche Nahrungsergänzungsmittel, die mit einer Unterstützung der Schilddrüse beworben werden. Die konkrete aktuelle Behördenwarnung bezieht sich vor allem auf Lugolsche Lösung und die damit verbundene Gefahr einer extrem hohen Jodzufuhr.

Verbraucher sollten bei Schilddrüsen-Supplements aus dem Internet insbesondere auf die Dosierung, die vollständige Zutatenliste und eine nachvollziehbare Herstellerangabe achten. Begriffe wie „Detox“, „Thyroid Support“ oder „Stoffwechsel-Booster“ sind kein Nachweis für einen gesundheitlichen Nutzen. Bei bestehenden Schilddrüsenerkrankungen oder der Einnahme von L-Thyroxin sollte ein neues Präparat zunächst mit einer Arztpraxis oder Apotheke abgeklärt werden.

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