
Der US-Raumfahrtkonzern Rocket Lab treibt die geplante Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium Communications voran. Die Transaktion hat einen ursprünglich angesetzten Unternehmenswert von rund acht Milliarden US-Dollar. Die Aktionäre von Iridium haben bereits zugestimmt, auch die Finanzierung ist nach Unternehmensangaben gesichert. Gleichzeitig steht Rocket Lab nach einer erneuten Verzögerung bei seiner Neutron-Rakete unter Druck. Die Aktie verlor zuletzt deutlich an Wert.
Die Iridium-Übernahme durch Rocket Lab wurde am 29. Juni 2026 angekündigt. Der Abschluss ist weiterhin für Mitte 2027 vorgesehen und hängt unter anderem von noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen ab.
Nach der Vereinbarung erhält Rocket Lab sämtliche ausstehenden Stammaktien von Iridium. Der bei der Ankündigung angesetzte Wert beträgt rechnerisch 54 US-Dollar je Iridium-Aktie. Allerdings wird der Übernahmepreis nicht vollständig in bar gezahlt.
Die Aktionäre sollen für jede Iridium-Aktie 27 Dollar in bar und zusätzlich Rocket-Lab-Aktien erhalten. Deren Anzahl richtet sich nach dem Aktienkurs des Käufers. Der Vertrag sieht dafür eine Preisspanne zwischen 67,50 und 112,50 Dollar vor. Außerhalb dieser Grenzen gelten festgelegte Umtauschverhältnisse.
Damit entspricht der ursprünglich genannte Unternehmenswert von acht Milliarden Dollar nicht einer festen Barauszahlung. Der tatsächliche Wert der Aktienkomponente kann sich mit dem Börsenkurs verändern.
Einen wichtigen Schritt erreichte die geplante Übernahme am 24. September. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten rund 99,6 Prozent der abgegebenen Stimmen für den Zusammenschluss. Diese Stimmen repräsentierten etwa 81 Prozent der stimmberechtigten ausstehenden Iridium-Aktien.
Bereits am 15. September hatte Rocket Lab mitgeteilt, die Finanzierung der Transaktion gesichert zu haben. Dafür platzierte das Unternehmen rund 29,3 Millionen neue Aktien und erzielte einen Bruttoerlös von etwa 1,944 Milliarden Dollar.
Zugleich wurde eine bestehende Iridium-Kreditvereinbarung über rund 1,775 Milliarden Dollar angepasst, damit die entsprechenden Darlehen nach einem Eigentümerwechsel bestehen bleiben können. Eine ursprünglich vorgesehene Zwischenfinanzierung über 3,6 Milliarden Dollar wurde daraufhin aufgehoben.
Trotz der Fortschritte ist die Übernahme noch nicht vollzogen. Die Wartefrist nach dem einschlägigen US-Kartellrecht endete bereits im August. Weitere regulatorische Genehmigungen, insbesondere im Bereich der Telekommunikation, sind jedoch erforderlich.
Der Zusammenschluss würde das Geschäftsmodell von Rocket Lab erheblich erweitern. Bislang gehören Raketenstarts, Satellitenfertigung und Raumfahrttechnik zu den wesentlichen Geschäftsfeldern. Mit Iridium käme ein Betreiber eines bereits etablierten weltweiten Kommunikationsnetzes hinzu.
Iridium verfügt über Satelliten in niedrigen Erdumlaufbahnen und international koordinierte Funkfrequenzen im L-Band. Das Unternehmen versorgte zum Zeitpunkt der Übernahmeankündigung nach eigenen Angaben mehr als 2,55 Millionen aktive Teilnehmer und arbeitete mit über 500 Partnerunternehmen zusammen.
Die Infrastruktur wird unter anderem für Kommunikationsdienste in der Luftfahrt, Schifffahrt, Industrie und bei staatlichen Einrichtungen genutzt. Hinzu kommen Anwendungen zur Ortung, Navigation und Zeitbestimmung.
Für 2025 hatte Iridium einen Umsatz von 871,7 Millionen Dollar ausgewiesen. Rocket Lab würde damit zusätzlich zu seinem bisherigen Raumfahrtgeschäft wiederkehrende Erlöse aus Kommunikationsdiensten erhalten.
Geplant ist außerdem der Ausbau von Direktverbindungen zwischen Satelliten und Endgeräten sowie von Anwendungen für das Internet der Dinge.
Die geplante Verbindung aus Raketenstarts, Satellitenproduktion und eigenem Kommunikationsnetz ähnelt in ihrer Grundstruktur dem Geschäftsmodell von SpaceX mit Starlink. Auch dort werden eigene Trägerraketen eingesetzt, um Kommunikationssatelliten in den Weltraum zu bringen.
Für Rocket Lab liegt die wirtschaftliche Bedeutung vor allem im Zugang zu einer bereits vorhandenen Infrastruktur. Statt ein vollständig neues Kommunikationsnetz aufzubauen, könnte der Konzern bestehende Satelliten, Frequenzrechte und Kundenbeziehungen nutzen.
Die beiden Satellitenangebote sind allerdings nicht identisch. Während Starlink insbesondere für breitbandige Internetverbindungen bekannt ist, bietet Iridium zahlreiche spezialisierte Sprach-, Daten- und Sicherheitsdienste an.
Welche zusätzlichen Marktanteile Rocket Lab mit der Übernahme gewinnen kann, ist derzeit offen.
An den Finanzmärkten war die Übernahmeankündigung im Juni zunächst positiv aufgenommen worden. Am 29. Juni schloss die Rocket-Lab-Aktie bei 98,01 Dollar, rund 15,9 Prozent über dem vorherigen Handelstag. Iridium beendete den Handel bei 54,59 Dollar, ein Plus von rund 25,4 Prozent. Grundlage sind die historischen Nasdaq-Schlusskurse um 16 Uhr US-Ostküstenzeit, entsprechend 22 Uhr MESZ.
Inzwischen hat sich das Börsenbild deutlich verändert. Am 14. Oktober gab Rocket Lab bekannt, dass der erste Start seiner größeren Neutron-Rakete erst 2027 stattfinden soll. Ursprünglich war der Erstflug noch für 2026 vorgesehen.
Die Neutron-Rakete spielt eine wichtige Rolle in den Expansionsplänen des Unternehmens. Sie soll größere Nutzlasten transportieren und unter anderem für den Aufbau von Satellitenkonstellationen eingesetzt werden.
Am Freitag, 16. Oktober, schloss die Rocket-Lab-Aktie an der Nasdaq bei 50,84 Dollar und damit 7,98 Prozent unter dem Vortag. Die Iridium-Aktie verlor 2,73 Prozent auf 43,76 Dollar. Stand der Schlusskurse war jeweils 16 Uhr New Yorker Zeit, entsprechend 22 Uhr MESZ.
Ungeachtet der Verzögerung bei Neutron halten Rocket Lab und Iridium an ihrem bisherigen Zeitplan für die Transaktion fest. Der Abschluss wird nach den zuletzt veröffentlichten Unternehmensangaben für Mitte 2027 erwartet.
Voraussetzung sind die verbleibenden behördlichen Genehmigungen und die Erfüllung weiterer vertraglicher Bedingungen. Erst danach könnte Rocket Lab das Satellitennetz von Iridium vollständig in seinen Konzern einbinden und die angekündigte Erweiterung des Geschäfts mit Satellitenkommunikation umsetzen.
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