ZDF-Politbarometer zeigt wachsende Zweifel an Schwarz-Rot

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Das neue ZDF-Politbarometer vom 5. Juni 2026 fällt für die Bundesregierung erneut ernüchternd aus. Eine klare Mehrheit der Befragten zweifelt daran, dass Union und SPD die großen Reformvorhaben bei Steuern, Arbeitsmarkt, Rente und Sozialversicherung überzeugend angehen. Zugleich bleibt die AfD in der Projektion vor der Union. Für die schwarz-rote Koalition ergibt sich damit ein politisch schwieriges Bild: wenig Zutrauen in die Reformfähigkeit, schwache Zufriedenheitswerte für die Regierung und deutliche Skepsis gegenüber dem Kanzler.

Wenig Vertrauen in die Reformfähigkeit der Regierung

Die Sozialversicherungssysteme stehen aus Sicht vieler Bürger vor erheblichen finanziellen Problemen. Dennoch trauen nur 24 Prozent der Befragten der Bundesregierung zu, zur Lösung dieser Probleme einen wichtigen Beitrag zu leisten. 74 Prozent bezweifeln das. Auch bei den angekündigten Reformen bleibt die Skepsis groß. 31 Prozent erwarten, dass die Regierung bis zum Sommer Reformen bei Steuern, Arbeitsmarkt und Rente vorlegt. 66 Prozent glauben nicht daran. Damit hat sich der Wert gegenüber Ende Mai zwar etwas verbessert, die Grundstimmung bleibt aber klar von Zweifel geprägt.

Mehrheit setzt bei Sozialversicherungen auf Steuermittel

Bei der Frage, wie die Finanzierungsprobleme der Sozialversicherungen hauptsächlich gelöst werden sollten, spricht sich eine Mehrheit für mehr Steuermittel aus. 56 Prozent der Befragten nennen diese Option. 14 Prozent bevorzugen Leistungskürzungen, sieben Prozent Beitragserhöhungen. Auffällig ist zugleich der hohe Anteil der Unentschlossenen: 23 Prozent antworten mit „weiß nicht“. Eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 70 Jahre findet nur 20 Prozent Zustimmung. 77 Prozent lehnen einen solchen Schritt grundsätzlich ab. Diese Ablehnung zeigt sich laut Politbarometer in allen Altersgruppen.

Schlechte Werte für Bundesregierung und Kanzler

Die Bewertung der Bundesregierung bleibt nahezu unverändert schwach. 72 Prozent der Befragten bescheinigen der schwarz-roten Koalition eher schlechte Arbeit. Nur 24 Prozent bewerten ihre Arbeit als eher gut. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz erreicht weiter niedrige Zustimmungswerte. 27 Prozent zeigen sich mit seiner Arbeit eher zufrieden, 69 Prozent stellen ihm ein schlechtes Zeugnis aus. Zusätzlich sehen 63 Prozent der Befragten die Union nicht voll hinter dem Kanzler. Selbst unter den Anhängern von CDU und CSU vertreten 52 Prozent diese Einschätzung.

AfD bleibt in der Projektion vor CDU und CSU

In der Politbarometer-Projektion bleibt die AfD vor der Union. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die AfD auf 27 Prozent. CDU und CSU lägen bei 25 Prozent. Beide Werte steigen im Vergleich zur vorherigen Erhebung um jeweils einen Punkt. Die SPD verharrt bei zwölf Prozent und bleibt damit auf ihrem Rekordtief. Die Grünen erreichen 14 Prozent, die Linke elf Prozent. Die FDP liegt unverändert bei drei Prozent. Alle anderen Parteien kommen zusammen auf acht Prozent. Für Schwarz-Rot würde dieses Ergebnis weiterhin keine parlamentarische Mehrheit bedeuten.

Pistorius bleibt vorn, Kubicki stößt auf Zweifel

Bei der Bewertung wichtiger Politikerinnen und Politiker liegt Verteidigungsminister Boris Pistorius weiter an der Spitze. Er erreicht auf der Skala von plus fünf bis minus fünf einen Wert von 1,6. Es folgen Cem Özdemir mit 1,1 und Johann Wadephul mit 0,4. Im negativen Bereich liegen unter anderem Lars Klingbeil, Markus Söder und Friedrich Merz. Schlusslicht bleibt Alice Weidel mit minus 2,3. Auch die FDP bekommt im Politbarometer ein schwieriges Signal: Nur 27 Prozent glauben, dass Wolfgang Kubicki die Partei erfolgreich in die Zukunft führen wird. 56 Prozent bezweifeln das.

Mehrheit hält Stimmung für zu pessimistisch

Trotz der schlechten Bewertungen für Regierung und Kanzler sieht eine Mehrheit die allgemeine Stimmung im Land nicht nur negativ. 63 Prozent halten die aktuelle Stimmung in Deutschland für zu pessimistisch. 34 Prozent teilen diese Einschätzung nicht. Diese Werte zeigen eine auffällige Spannung: Viele Befragte beurteilen die politische Arbeit der Bundesregierung kritisch, halten aber zugleich die gesellschaftliche Grundstimmung für überzogen düster. Für die Regierung bleibt daraus dennoch kein Entlastungssignal. Die zentralen Reformthemen, die Bewertung des Kanzlers und die Mehrheitsverhältnisse in der Projektion bleiben belastend.

Umfrage wurde Anfang Juni erhoben

Die Umfrage für das ZDF-Politbarometer wurde von der Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Befragt wurden vom 1. bis 3. Juni 2026 insgesamt 1.274 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte. Die Interviews erfolgten telefonisch und online. Berücksichtigt wurden Festnetz- und Mobilfunknummern. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich liegt bei einem Anteilswert von 40 Prozent bei rund drei Prozentpunkten und bei einem Anteilswert von zehn Prozent bei rund zwei Prozentpunkten.

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