
Nach Jahren stark gestiegener Preise zeichnet sich auf dem deutschen Schokoladenmarkt eine Entlastung ab. Mehrere Hersteller haben ihre Preise bereits reduziert oder weitere Senkungen angekündigt. Besonders deutlich fällt eine neue Entscheidung der ostdeutschen Marke Zetti aus. Ab dem 1. November 2026 sollen die unverbindlichen Preisempfehlungen für Knusperflocken um bis zu 13,4 Prozent sinken. Auch Halloren und Lindt haben auf die veränderte Marktlage reagiert. Hintergrund sind niedrigere Kakaopreise und eine zurückhaltende Nachfrage. Ob Verbraucher vor Weihnachten tatsächlich überall weniger bezahlen, hängt allerdings auch vom Einzelhandel ab.
Der Süßwarenhersteller Goldeck Süßwaren GmbH reduziert nach eigenen Angaben zum 1. November 2026 die unverbindlichen Preisempfehlungen für seine Zetti Knusperflocken. Je nach Packungsgröße sollen die Preise um bis zu 60 Cent beziehungsweise 13,4 Prozent sinken.
Die Maßnahme ist nach Darstellung des Unternehmens dauerhaft angelegt und gilt bundesweit. Änderungen an Rezepturen, Verpackungsgrößen oder Füllmengen seien damit nicht verbunden.
Als Gründe nennt der Hersteller günstigere Beschaffungskosten sowie Verbesserungen bei internen Produktions- und Verarbeitungsabläufen. Die Vorteile sollen gezielt an Käufer der Knusperflocken weitergegeben werden.
Im eigenen Onlineshop sollen die neuen Preise ab dem 1. November gelten. Im stationären Einzelhandel könnten entsprechende Anpassungen ab Montag, 2. November, sichtbar werden. Eine Verpflichtung für Supermärkte und Discounter, ihre Verkaufspreise entsprechend zu reduzieren, besteht allerdings nicht.
Auch der traditionsreiche Schokoladenhersteller Halloren aus Halle hatte sich für niedrigere Preise ausgesprochen. Geschäftsführer Darren Ehlert erklärte bereits im Februar 2026, dass sein Unternehmen die Entspannung auf dem Kakaomarkt an Verbraucher weitergeben wolle.
Halloren forderte damals auch andere Unternehmen der Süßwarenbranche auf, ihre Preise zu überprüfen. Ziel sei es, sich bei den Verkaufspreisen wieder stärker dem Niveau vor der Kakaopreiskrise anzunähern.
Allerdings hatte Ehlert seinerzeit eingeräumt, dass vom Einzelhandel noch keine verbindlichen Zusagen zur Weitergabe entsprechender Preisnachlässe vorlagen. Eine neue, konkret bezifferte Preissenkung für Halloren-Produkte zum November war zunächst nicht bestätigt.
Die Entwicklung hängt eng mit den internationalen Rohstoffmärkten zusammen. Nachdem schlechte Ernten, ungünstige Witterungsbedingungen und Pflanzenkrankheiten in Westafrika die Kakaopreise zuvor stark steigen ließen, hat sich die Versorgungslage inzwischen entspannt.
Ende Dezember 2024 kostete eine Tonne Kakao im nächstfälligen Terminkontrakt an der New Yorker Rohstoffbörse ICE rund 11.545 US-Dollar. Für den Dezember-Kontrakt 2026 lag der Abrechnungspreis am Freitag, 30. Oktober 2026, bei 5.453 US-Dollar je Tonne, wie die von Onvista veröffentlichten Handelsdaten der ICE Futures U.S. zeigen. Damit liegt die Notierung im Vergleich zu Ende 2024 bei weniger als der Hälfte. Die Vergleichswerte beziehen sich auf unterschiedliche Liefermonate.
Die Internationale Kakaoorganisation ICCO verzeichnete für den 29. Oktober 2026 einen täglichen Referenzpreis von 5.599,46 US-Dollar je Tonne.
Höhere Erntemengen insbesondere in der Elfenbeinküste und Ghana haben dazu beigetragen, den zuvor angespannten Kakaomarkt zu entlasten. Gleichzeitig dämpfen die hohen Endverbraucherpreise die Nachfrage nach Schokoladenprodukten.
Die veränderte Marktlage betrifft nicht nur kleinere und mittelständische Hersteller. Der Schweizer Schokoladenkonzern Lindt & Sprüngli hat ebenfalls Preissenkungen für ausgewählte Produkte vorgenommen.
Bei den klassischen 100-Gramm-Tafeln wurde die unverbindliche Preisempfehlung bereits im Frühjahr 2026 von 2,69 Euro auf 2,19 Euro reduziert. Auch bei saisonalen Artikeln gibt es Preisnachlässe. So wurde die 70-Gramm-Variante des Lindt-Schokoladenweihnachtsmanns von 3,99 Euro auf 3,69 Euro gesenkt.
Der Konzern steht gleichzeitig unter wirtschaftlichem Druck. Ende September korrigierte Lindt seine Prognose für das organische Umsatzwachstum 2026 von ursprünglich vier bis sechs Prozent auf null bis zwei Prozent.
Als Gründe nannte das Unternehmen eine stärkere Preissensibilität der Kunden und eine schwächere Nachfrage, insbesondere in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Dass Schokolade inzwischen günstiger wird und dies nicht mehr nur eine Ankündigung der Hersteller ist, zeigen auch amtliche Preisdaten.
Nach Angaben des Bayerischen Landesamtes für Statistik vom 30. Oktober 2026 lagen die Verbraucherpreise für Schokoladentafeln in Bayern im Oktober um 9,5 Prozent unter dem Niveau des Vorjahresmonats. Es handelt sich dabei um eine regionale Entwicklung, die nicht unmittelbar auf sämtliche deutschen Supermärkte übertragen werden kann.
Bereits zu Beginn des Jahres hatten große Lebensmittelhändler außerdem die Preise verschiedener Schokoladen-Eigenmarken reduziert. Eine Tafel Vollmilchschokolade wurde beispielsweise für 89 Cent angeboten, eine Variante mit ganzen Haselnüssen für 1,29 Euro. Beide Produkte waren damit jeweils zehn Cent günstiger als zuvor.
Dennoch bleiben Schokoladenprodukte im längerfristigen Vergleich teuer. Das Statistische Bundesamt hatte für Oktober 2025 noch einen Preisanstieg bei Schokoladentafeln um 30,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ermittelt.
Die rückläufigen Rohstoffkosten wirken sich nicht unmittelbar auf jedes Produkt aus. Viele Hersteller sichern ihren Kakaobedarf langfristig ab und verarbeiten zunächst Rohstoffe, die noch zu höheren Preisen eingekauft wurden.
Hinzu kommen Kosten für Energie, Verpackung, Transport und Personal. Deshalb können sich die Endverbraucherpreise unterschiedlich entwickeln, selbst wenn Kakao an den internationalen Börsen günstiger gehandelt wird.
Für Verbraucher bedeutet das vor dem Weihnachtsgeschäft 2026 vor allem eines: Bei einzelnen Tafeln, Pralinen und Weihnachtsartikeln gibt es bereits niedrigere Preise. Eine flächendeckende Rückkehr zum Preisniveau vor der Kakaokrise ist damit jedoch nicht verbunden.
Der internationale Preisrückgang hat zudem eine zweite Seite. Fairtrade Deutschland warnte am 22. Oktober davor, dass sinkende Kakaopreise bei weiterhin hohen Produktionskosten die wirtschaftliche Situation zahlreicher Kakaobauern in Westafrika verschärfen könnten.
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