
Düsseldorf. Die Zahl linksextremistisch motivierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist im Jahr 2025 deutlich angestiegen. Das geht aus dem neuen „Lagebild Linksextremismus“ hervor, das NRW-Innenminister Herbert Reul und Verfassungsschutz-Chef Jürgen Kayser in Düsseldorf vorgestellt haben. Demnach wurden 2.418 Straftaten registriert – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr mit 1.187 Fällen. Die Zahlen gelten als vorläufige Werte der politisch motivierten Kriminalität (PMK) und können sich durch Nachmeldungen noch verändern.
Besonders auffällig ist der Anstieg bei Gewaltdelikten. Hier verzeichnet das Lagebild für 2025 insgesamt 153 Fälle – ein Plus von 78 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Laut Darstellung betreffen die Zunahmen unter anderem Körperverletzungsdelikte sowie Widerstandshandlungen gegen Polizeikräfte.
Auch Sachbeschädigungen haben massiv zugenommen. Mit 1.190 Fällen im Jahr 2025 liegt die Zahl deutlich über dem Vorjahreswert von 488. Damit hat sich dieser Bereich mehr als verdoppelt.
Das Lagebild hebt zudem eine steigende Zahl gezielter Sabotagehandlungen hervor, insbesondere gegen sogenannte kritische Infrastruktur. Dazu zählen unter anderem Energieanlagen, Verkehrssysteme und Kommunikationsnetze.
Im Bahnsektor wurden für 2025 sechs Fälle gezählt – dreimal so viele wie im Vorjahr. Genannt werden unter anderem Brandanschläge auf Strecken oder Funkmasten, unter anderem im Raum Duisburg und im Kreis Mettmann. Angriffe auf solche Einrichtungen gelten als besonders sensibel, weil sie erhebliche Auswirkungen auf unbeteiligte Dritte haben können.
Das Papier beschreibt die linksextremistische Szene in NRW als heterogen. Neben (post-)autonomen Netzwerken werden auch dogmatisch-kommunistische Gruppen genannt, die sich teils an marxistisch-leninistischen oder maoistischen Ideologien orientieren.
Für Nordrhein-Westfalen wird ein enger Kern von rund 300 dauerhaft aktiven Personen in Kader- und Jugendorganisationen geschätzt. Darüber hinaus existieren lose Bündnisstrukturen, die bei größeren Demonstrationen deutlich mehr Menschen mobilisieren können.
Als zentrale postautonome Akteure werden unter anderem Zusammenschlüsse wie die „Interventionistische Linke“ oder das Bündnis „…ums Ganze!“ genannt, die auch in Städten wie Bielefeld, Düsseldorf, Köln und Münster Ortsgruppen unterhalten.
Das Lagebild beschreibt, dass linksextremistische Gruppen häufig gesellschaftliche Protestthemen nutzen, um Anschlussfähigkeit zu erhöhen. Dazu zählen etwa antifaschistische Demonstrationen, antimilitaristische Kampagnen oder klima- und energiepolitische Konflikte.
Als Beispiel wird unter anderem das Camp „Rheinmetall entwaffnen“ im August 2025 in Köln genannt, bei dem laut Darstellung neben legalen Protestformen auch strafrechtlich relevante Aktionen eine Rolle gespielt hätten.
Zudem wird von einer „Entgrenzung“ gesprochen – gemeint ist das Aufweichen der Trennlinien zwischen demokratischem Protest und extremistischen Aktionsformen.
Verfassungsschutz-Chef Kayser warnte bei der Vorstellung des Berichts sinngemäß davor, Linksextremismus zu unterschätzen. Teile der Szene träten mit gesellschaftlich anschlussfähigen Themen auf und bewegten sich teilweise im Umfeld legitimer Anliegen. Dies könne zu einer Verharmlosung führen.
Zugleich betont das Lagebild, dass eine Entwicklung hin zu linksterroristischen Strukturen in Nordrhein-Westfalen derzeit nicht feststellbar sei. Gleichwohl werde ein entsprechendes Gefährdungspotenzial beschrieben.
Neben der Analyse von Straftaten und Strukturen enthält das Lagebild auch Hinweise auf Präventionsangebote. Dazu zählen Programme wie „Kommunen gegen Extremismus“, das landesweit ausgeweitet wurde, sowie das Aussteigerprogramm „Left“. Seit 2018 wurden dort nach offiziellen Angaben mehrere Dutzend Personen betreut, ein Teil davon erfolgreich beim Ausstieg begleitet.
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