Revolution bei der Verhütung? Forschung aus Münster setzt auf neuen Ansatz

„Pille für den Mann“? Münster startet Millionenprojekt für nicht-hormonelle Verhütung.
Das münstersche Contraception.MS-Team (v.l.n.r.): Prof. Oliver Koch (Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie), Prof. Frank Tüttelmann (Centrum für Medizinische Genetik), Prof. Sabine Kliesch (CeRA), Prof. Guiscard Seebohm (Institut für Genetik von Herzerkrankungen), Prof. Timo Strünker, Dr. Vera Minneker, Dr. Christoph Brenker (alle drei: CeRA) und Prof. Christos Gatsogiannis (Center for Soft Nanosciences) (Foto: Uni MS/E. Wibberg)

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Münster. Seit Jahrzehnten basiert Verhütung überwiegend auf hormonellen Methoden – meist für Frauen. Doch ein Forschungsverbund mit Beteiligung aus Münster will das ändern. Unter dem Projektnamen „Contraception.MS“ arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einer nicht-hormonellen Verhütungsmethode, die für beide Geschlechter geeignet sein soll. Ziel ist es, Spermien gezielt in ihrer Funktion zu blockieren – ohne in den Hormonhaushalt einzugreifen.

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben mit rund drei Millionen Euro. Der offizielle Projektstart erfolgte Anfang Februar 2026.

Spermien gezielt stoppen statt Hormone beeinflussen

Im Zentrum der Forschung stehen zwei spezielle Ionenkanäle in der Hülle von Spermien: CatSper und Slo3. Diese Strukturen sind entscheidend für die Beweglichkeit der Samenzellen und für Prozesse, die eine Befruchtung ermöglichen.

Die Idee: Werden diese Kanäle blockiert, verliert das Spermium seine Fähigkeit, eine Eizelle zu erreichen und zu befruchten. Da CatSper und Slo3 ausschließlich in Spermien vorkommen, gilt der Ansatz als vielversprechend in Bezug auf mögliche Nebenwirkungsarmut. Andere Organsysteme sollen möglichst unbeeinflusst bleiben.

Münster und Hamburg bündeln ihre Expertise

An dem Verbund sind mehrere Arbeitsgruppen aus dem Umfeld der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster beteiligt. Ergänzt wird das Team durch eine Wissenschaftlerin der Universität Hamburg.

Vertreten sind Disziplinen wie Pharmakologie, Pharmazie, Strukturbiologie, Andrologie und Genetik. Die enge Zusammenarbeit soll es ermöglichen, von der molekularen Grundlagenforschung bis zur Entwicklung erster Wirkstoffkandidaten alle Schritte abzudecken.

Hochauflösende 3D-Modelle und KI-gestütztes Design

Ein Schlüsselwerkzeug des Projekts ist die Kryo-Elektronenmikroskopie. Mit dieser Methode lassen sich Proteine in nahezu atomarer Auflösung dreidimensional darstellen. Auf Basis dieser Strukturmodelle sollen gezielt Moleküle entwickelt werden, die exakt an CatSper oder Slo3 binden.

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Unterstützt wird das Wirkstoffdesign durch computergestützte Verfahren und Künstliche Intelligenz. Ziel ist es, potenzielle Kandidaten schneller zu identifizieren und zu optimieren.

Drei Jahre Forschung mit Perspektive auf Anwendung

Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. In dieser Zeit sollen geeignete Substanzen identifiziert und präklinisch weiterentwickelt werden. Langfristig ist geplant, mit Industriepartnern zusammenzuarbeiten, um erfolgreiche Kandidaten in Richtung klinischer Anwendung zu bringen.

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