
Münster. Seit Jahrzehnten basiert Verhütung überwiegend auf hormonellen Methoden – meist für Frauen. Doch ein Forschungsverbund mit Beteiligung aus Münster will das ändern. Unter dem Projektnamen „Contraception.MS“ arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an einer nicht-hormonellen Verhütungsmethode, die für beide Geschlechter geeignet sein soll. Ziel ist es, Spermien gezielt in ihrer Funktion zu blockieren – ohne in den Hormonhaushalt einzugreifen.
Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben mit rund drei Millionen Euro. Der offizielle Projektstart erfolgte Anfang Februar 2026.
Im Zentrum der Forschung stehen zwei spezielle Ionenkanäle in der Hülle von Spermien: CatSper und Slo3. Diese Strukturen sind entscheidend für die Beweglichkeit der Samenzellen und für Prozesse, die eine Befruchtung ermöglichen.
Die Idee: Werden diese Kanäle blockiert, verliert das Spermium seine Fähigkeit, eine Eizelle zu erreichen und zu befruchten. Da CatSper und Slo3 ausschließlich in Spermien vorkommen, gilt der Ansatz als vielversprechend in Bezug auf mögliche Nebenwirkungsarmut. Andere Organsysteme sollen möglichst unbeeinflusst bleiben.
An dem Verbund sind mehrere Arbeitsgruppen aus dem Umfeld der Universität Münster und des Universitätsklinikums Münster beteiligt. Ergänzt wird das Team durch eine Wissenschaftlerin der Universität Hamburg.
Vertreten sind Disziplinen wie Pharmakologie, Pharmazie, Strukturbiologie, Andrologie und Genetik. Die enge Zusammenarbeit soll es ermöglichen, von der molekularen Grundlagenforschung bis zur Entwicklung erster Wirkstoffkandidaten alle Schritte abzudecken.
Ein Schlüsselwerkzeug des Projekts ist die Kryo-Elektronenmikroskopie. Mit dieser Methode lassen sich Proteine in nahezu atomarer Auflösung dreidimensional darstellen. Auf Basis dieser Strukturmodelle sollen gezielt Moleküle entwickelt werden, die exakt an CatSper oder Slo3 binden.
Unterstützt wird das Wirkstoffdesign durch computergestützte Verfahren und Künstliche Intelligenz. Ziel ist es, potenzielle Kandidaten schneller zu identifizieren und zu optimieren.
Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. In dieser Zeit sollen geeignete Substanzen identifiziert und präklinisch weiterentwickelt werden. Langfristig ist geplant, mit Industriepartnern zusammenzuarbeiten, um erfolgreiche Kandidaten in Richtung klinischer Anwendung zu bringen.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu