Polarlichter April 2026: Sonnensturm und Lyriden über Deutschland

Polarlichter April 2026 Symbolbild
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Der Nachthimmel über Deutschland bietet in dieser Aprilnacht gleich mehrere Ereignisse auf einmal: Ein geomagnetischer Sturm macht Polarlichter in weiten Teilen des Landes möglich — und parallel dazu sind die Lyriden aktiv, einer der zuverlässigsten Meteorschauer des Frühjahrs. Wer in der Nacht vom 18. auf den 19. April 2026 nach draußen blickt, könnte unvergessliche Eindrücke erleben. Die US-Wetterbehörde NOAA hat eine Geosturm-Warnung herausgegeben, die Chancen auf Polarlichter in Deutschland sind damit real.

Geomagnetischer Sturm: Polarlichter im April 2026 über Deutschland möglich

Normalerweise gelten Polarlichter in Mitteleuropa als Rarität — in den Jahren 2024 bis 2026 haben sie sich dank eines besonders aktiven Sonnenzyklus erstaunlich häufig gezeigt. Sonnenzyklus 25 befindet sich derzeit in seinem Maximum oder nahe daran: Die Sonne schleudert regelmäßig Millionen Tonnen geladenen Plasmas in Richtung Erde, die sogenannten koronalen Massenauswürfe (CME). Trifft ein solcher Ausbruch auf das Erdmagnetfeld, entsteht ein geomagnetischer Sturm — und in der Folge tanzen grüne, rote und violette Lichter am Himmel.

Die NOAA hat für die aktuelle Nacht eine Geosturm-Warnung herausgegeben. Der entscheidende Messwert ist der KP-Index: Er reicht von 0 bis 9 und gibt an, wie stark das Magnetfeld der Erde gestört ist. Ab einem Wert von etwa 5 werden Polarlichter im Norden Deutschlands realistisch, ab Wert 7 sind sie auch in Mitteldeutschland und ab Wert 8 theoretisch bis in den Süden sichtbar. Aktuelle Echtzeit-Werte liefern Portale wie kpindex.de oder spaceweatherlive.com.

Wer die Chancen auf Polarlichter in Münster und der Region in den vergangenen Monaten verfolgt hat, weiß: Der Unterschied zwischen Hoffnung und tatsächlicher Sichtung hängt oft von Wolkenlücken und der eigenen Standortwahl ab. Dunkle Orte ohne Lichtverschmutzung sind Pflicht — Wiesen, Felder und kleine Erhebungen abseits der Städte bieten die besten Aussichten.

Lyriden 2026: Sternschnuppen aus der Richtung der Leier

Parallel zum Geomagnetsturm ist ein weiteres Phänomen aktiv: der Lyriden-Meteorschauer. Er tritt jedes Jahr zwischen dem 16. und 25. April auf, wenn die Erde die Staubbahn des Kometen Thatcher (C/1861 G1) durchquert. Die Staubteilchen — teils nicht größer als ein Sandkorn — treten mit Geschwindigkeiten von über 49 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre ein und verglühen dabei als leuchtende Streifen.

Seinen Höhepunkt erreicht der Lyriden-Schauer in der Nacht vom 21. auf den 22. April 2026, mit bis zu 18 Meteoren pro Stunde unter optimalen Bedingungen. Doch schon in den Tagen davor ist der Schauer aktiv. Der Radiant — der scheinbare Ursprungspunkt der Sternschnuppen — liegt im Sternbild Leier, nahe dem hellen Stern Wega. Er steigt im Verlauf der Nacht immer höher und macht die späten Nachtstunden bis zum Morgengrauen zur besten Beobachtungszeit.

Besonders angenehm dabei: Für den Lyriden-Schauer braucht man kein Fernrohr. Das bloße Auge ist das beste Instrument — wer entspannt auf einer Decke liegt und den Himmel beobachtet, kann die Meteore bequem verfolgen. Das Himmelsschauspiel über der Region bietet damit auch für Einsteiger einen einfachen Einstieg in die Astronomie.

Tipps für die Beobachtung: So sehen Sie Polarlichter und Lyriden

Ob Polarlicht oder Sternschnuppe — die wichtigsten Erfolgsfaktoren sind dieselben: Dunkelheit, freie Sicht und Geduld. Straßenlaternen, Leuchtreklamen und hell beleuchtete Wohngebiete überstrahlen schwache Himmelserscheinungen zuverlässig. Am besten fahren Sie 15 bis 20 Minuten aus dem Stadtgebiet heraus und suchen sich einen Standort mit freiem Blick nach Norden (für Polarlichter) und in Richtung Osten (für den Lyriden-Radiant in der zweiten Nachthälfte).

Lassen Sie Ihren Augen nach dem Verlassen des Autos mindestens 10 bis 15 Minuten Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen — erst dann erreicht das menschliche Auge seine maximale Empfindlichkeit. Vermeiden Sie weißes Kunstlicht und nutzen Sie wenn nötig eine Rotlichtlampe, die die Dunkeladaption nicht stört.

Für Polarlichter gilt ein weiterer Tipp: Kameras auf modernen Smartphones sind deutlich empfindlicher als das menschliche Auge. Manchmal zeigt erst das Foto auf dem Display, dass tatsächlich ein Polarlicht am Horizont schimmert — selbst wenn man mit bloßem Auge kaum etwas wahrnimmt. Probieren Sie bei ruhiger Hand Aufnahmen mit einer bis drei Sekunden Belichtungszeit aus.

Das Rekordjahr 2026 gehört zu den letzten Jahren des aktuellen Sonnenzyklus mit derart hoher Aktivität. Wer die Polarlichter über Deutschland erleben möchte, sollte die verbleibenden Chancen nutzen: Experten gehen davon aus, dass sich die Sonnentätigkeit in den kommenden Jahren wieder abschwächt und echte Polarlicht-Ereignisse in Mitteleuropa dann für rund ein Jahrzehnt wieder seltener werden.

Quellen: NOAA Space Weather Prediction Center, werra-rundschau.de, heute-am-himmel.de, infranken.de, t-online.de, spektrum.de

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