
Münster. Am Samstag, 9. Mai 2026, wird der Prinzipalmarkt in Münster für mehrere Minuten zu einem ungewöhnlichen Ort des Protests. Bei der LiegendDemo legen sich Teilnehmende still und regungslos auf den Boden. Die Aktion soll auf Menschen aufmerksam machen, die wegen ME/CFS ihr Bett kaum oder gar nicht mehr verlassen können. Anlass ist der internationale ME/CFS Awareness Day.
Von 13 bis 16 Uhr will die Initiative #LiegendDemo in Münster über die chronische Multisystemerkrankung informieren. Betroffene leiden unter anderem an starken Schmerzen, neurologischen Ausfällen, Kreislaufproblemen, massiver Reizüberempfindlichkeit und der sogenannten Post-Exertionellen Malaise. Dabei kann sich der Zustand schon nach geringer Belastung für Tage oder Wochen deutlich verschlechtern.
Der zentrale Moment der Aktion ist der sogenannte Liegendteil. Um 14.30 Uhr legen sich die Teilnehmenden auf den Boden. Damit soll sichtbar werden, was im Alltag vieler schwer Erkrankter verborgen bleibt. Nach Angaben der Initiative leben viele Betroffene isoliert in abgedunkelten Räumen, sind pflegeabhängig und können selbst nicht öffentlich für bessere Versorgung eintreten.
Anna Roscher von der Initiative #LiegendDemo in Münster beschreibt die Aktion als Versuch, genau diese Menschen sichtbar zu machen. Die stille Form des Protests soll zeigen, wie stark ME/CFS das Leben der Erkrankten einschränken kann und wie wenig Unterstützung viele Betroffene aus Sicht der Initiative bislang erhalten.
ME/CFS wird seit 1969 von der Weltgesundheitsorganisation als neurologische Erkrankung eingeordnet. Nach Angaben der Initiative wurden allein im Jahr 2023 laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung mehr als 650.000 Behandlungsfälle mit ME/CFS dokumentiert. Darunter sind auch Kinder und Jugendliche.
Trotz dieser Zahlen kritisieren die Organisatorinnen und Organisatoren erhebliche Lücken bei Forschung, Versorgung und sozialer Absicherung. Es fehle an zugelassenen Medikamenten, spezialisierten Versorgungsstrukturen, ausreichender medizinischer Ausbildung und verlässlicher Unterstützung für schwer Erkrankte und ihre Angehörigen.
Die LiegendDemo fordert bundesweit eine bessere Aufklärung über ME/CFS, eine stärkere Verankerung der Erkrankung in Medizinstudium und Fortbildungen sowie mehr biomedizinische Forschung. Außerdem setzt sich die Initiative für den Aufbau von Kompetenzzentren und interdisziplinären Ambulanzen ein.
Weitere Forderungen betreffen den Zugang zu Off-Label-Medikamenten, ambulante pflegerische Versorgung, Unterstützung für Angehörige sowie eine stärkere Berücksichtigung der Post-Exertionellen Malaise bei Begutachtungen. Auch die Aufnahme von ME/CFS in die versorgungsmedizinischen Grundsätze gehört zu den zentralen Anliegen.
Das Team der LiegendDemo trifft am Samstag um 12.30 Uhr ein. Die Versammlung beginnt um 13 Uhr auf dem Prinzipalmarkt. Ab 13.15 Uhr sind erste Redebeiträge geplant. Der Liegendteil folgt um 14.30 Uhr, anschließend gibt es weitere Redebeiträge. Das Ende der Aktion ist für 15.30 Uhr vorgesehen.
Die Initiative informiert zusätzlich online über ME/CFS und die bundesweiten Aktionen. In Münster soll die Demonstration nicht nur Betroffene und Angehörige erreichen, sondern auch Passantinnen und Passanten, Politik, Medizin und Öffentlichkeit für die Situation schwer Erkrankter sensibilisieren.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu