Neue Schulregeln in Münster: Warum aus vier Klassen plötzlich 16 werden

Warnstreik Schulen Münsterland
Foto: Ali Ahmad DANESH

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Münster. Neue Regeln für die Schulaufnahmen in Münster sollen zwei besondere Schulmodelle genauer abbilden. Betroffen sind die neue Grundschule York im Südosten der Stadt und die PRIMUS-Schule Münster. In beiden Fällen geht es nicht um eine einfache Erweiterung, sondern um die Frage, wie jahrgangsübergreifender Unterricht rechtlich und organisatorisch in Eingangsklassen übersetzt wird. Entscheiden soll der Ausschuss für Schule und Weiterbildung am 11. Juni 2026. Zuvor werden die Bezirksvertretungen Münster-Hiltrup, Münster-Mitte und Münster-Südost angehört.

Grundschule York: Aus vier werden formal 16 Eingangsklassen

Bei der Städtischen Grundschule York soll die Zahl der Eingangsklassen im städtischen Aufnahme-Rahmen von vier auf 16 steigen. Das klingt zunächst nach einem massiven Ausbau, ist aber vor allem eine Folge des pädagogischen Konzepts. Die Schulkonferenz der Grundschule York hat beschlossen, den Unterricht in den Jahrgängen 1 bis 4 jahrgangsübergreifend zu organisieren. Dadurch gelten nach den schulrechtlichen Vorgaben alle Klassen, in denen Schulanfängerinnen und Schulanfänger unterrichtet werden, als Eingangsklassen.

Für die Schule im York-Quartier ist das ein wichtiger formaler Schritt. Die neue Grundschule ist als vierzügige Schule für rund 450 Kinder geplant und geht zum Schuljahr 2025/26 an den Start. Die Stadt beschreibt sie als modernen Schulneubau mit Unterrichtsbereichen in Clustern, Differenzierungsräumen, Teamstationen, pädagogischer Mitte, Mensa und Zweifachsporthalle. Auch die Offene Ganztagsschule ist eingeplant; die Trägerschaft übernimmt die Diakonie Münster.

Auffällig ist dabei: Die rechnerische Gesamtaufnahmekapazität steigt durch die Änderung nicht. Im Gegenteil. Bei jahrgangsbezogenem Unterricht hätte die Schule laut Verwaltung insgesamt 452 Plätze. Bei vollständig jahrgangsübergreifender Organisation reduziert sich diese Zahl auf 400 Plätze, weil dann 16 Eingangsklassen mit jeweils 25 Kindern zugrunde gelegt werden. Finanzielle Auswirkungen nennt die Beschlussvorlage nicht.

PRIMUS-Schule: Dauerhaftes Modell wird im Rahmen nachgezogen

Auch bei der PRIMUS-Schule Münster soll der allgemeine Aufnahme-Rahmen angepasst werden. In der Primarstufe werden künftig sechs Eingangsklassen ausgewiesen, während die Sekundarstufe I bei zwei Eingangsklassen bleibt. Die Primarstufe bleibt damit zweizügig, wird aber wegen des jahrgangsübergreifenden Unterrichts in den Jahrgängen 1 bis 3 anders abgebildet. Genau diese Differenz ist zentral: Die Zahl der Eingangsklassen beschreibt hier nicht einfach neue Parallelklassen, sondern die besondere Organisation des Lernens.

Der Hintergrund reicht über eine reine Verwaltungsänderung hinaus. Der Rat der Stadt Münster hatte im März 2026 beschlossen, die PRIMUS-Schule dauerhaft in der Schullandschaft zu verankern. Die Schule war zuvor Teil des landesweiten Schulversuchs zum längeren gemeinsamen Lernen und verbindet Primarstufe und Sekundarstufe I. Nach Angaben der Stadt lernten zuletzt 186 Schülerinnen und Schüler in der Primarstufe und 298 in der Sekundarstufe I.

Landesweit bleibt PRIMUS ein besonderes Schulmodell. Das Schulministerium NRW beschreibt den Ansatz als längeres gemeinsames Lernen über die Grundschule hinaus bis Klasse 10. Zugleich soll ab dem Schuljahr 2028/29 die Grundlage für weitere PRIMUS-Schulen geschaffen werden. Für Münster bedeutet die jetzige Vorlage deshalb vor allem: Die formalen Aufnahmeregeln werden an ein Schulmodell angepasst, das politisch bereits dauerhaft gesichert wurde.

Ausschuss entscheidet, Bezirksvertretungen werden angehört

Die aktuelle Vorlage geht nicht mehr in den Rat, sondern in den Ausschuss für Schule und Weiterbildung. Dort soll am 11. Juni 2026 die Entscheidung fallen. Vorher stehen Anhörungen in drei Bezirksvertretungen an: Münster-Hiltrup am 28. Mai, Münster-Mitte am 2. Juni und Münster-Südost am 9. Juni.

Für Eltern und Schulen ist der Vorgang vor allem deshalb relevant, weil er zeigt, wie stark sich neue Lernformen inzwischen auf formale Kapazitätsregeln auswirken. Bei York und PRIMUS geht es nicht nur um Zahlen in einer Verwaltungsvorlage, sondern um die praktische Übersetzung von jahrgangsgemischtem Lernen in das Aufnahmeverfahren der städtischen Schulen.

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