
Ulf Poschardt zieht sich aus seinen Führungsrollen bei Axel Springer zurück. Zum 1. Juli 2026 gibt der Publizist seine Positionen als Herausgeber von Welt, Politico Deutschland und Business Insider Deutschland ab. Das teilte Axel Springer am 13. Mai 2026 mit. Poschardt bleibt dem Konzern jedoch erhalten. Künftig soll er als Autor, Podcaster und Video-Gesicht für verschiedene Marken des Hauses arbeiten.
Springer bezeichnet die neue Rolle ungewöhnlich deutlich als „Freiester Mitarbeiter“. Dahinter steht ein Modell, bei dem Poschardt weniger Managementaufgaben übernehmen und stärker als publizistische Einzelmarke auftreten soll. Geplant sind unter anderem kurze Social-Media-Formate, eine Talksendung bei Welt TV sowie Kolumnen und Videos für Bild.
Nach Darstellung von Axel Springer erfolgt der Wechsel auf Wunsch Poschardts. Er habe im vergangenen Jahr festgestellt, dass er für seine publizistische Arbeit mehr Freiheit brauche. Eine formale Führungsrolle sei damit nicht immer vereinbar gewesen.
Mit dem neuen Zuschnitt reagiert Springer auf diesen Wunsch, ohne Poschardt aus dem Haus zu verlieren. Statt eine Redaktion direkt zu führen, soll er künftig markenübergreifend Inhalte entwickeln. Damit verschiebt sich seine Rolle: weg vom klassischen Herausgeberposten, hin zu einer stärker personalisierten Form des Journalismus.
Ulf Poschardt gehört seit vielen Jahren zu den bekanntesten publizistischen Stimmen im deutschen Medienbetrieb. 2008 kam er als stellvertretender Chefredakteur zur Welt am Sonntag. Später übernahm er Führungsverantwortung in der Welt-Gruppe. 2025 wurde er Herausgeber von Welt, Politico Deutschland und Business Insider Deutschland.
Neben seiner Arbeit im Verlag ist Poschardt auch als Autor bekannt. Sein Buch „Shitbürgertum“ erschien 2024 und wurde breit diskutiert. Für Juni 2026 ist mit „Bückbürgertum“ ein weiterer Titel angekündigt. Poschardt steht für einen pointierten Stil, der regelmäßig politische und gesellschaftliche Debatten auslöst.
Die operative Führung der Welt-Redaktion ist unabhängig von Poschardts Wechsel bereits neu geordnet worden. Helge Fuhst, zuvor stellvertretender ARD-Chefredakteur, wurde Anfang 2026 als Chefredakteur der Welt-Gruppe angekündigt. Jan Philipp Burgard gab die Chefredaktion ab.
Damit ist Poschardts Abschied vom Herausgeberposten nicht mit einem klassischen Wechsel an der Spitze der Chefredaktion gleichzusetzen. Er verlässt keine operative Chefredakteursposition, sondern gibt seine Herausgeberfunktionen ab. Sein publizistischer Einfluss bei Axel Springer soll über die neue Rolle dennoch erhalten bleiben.
Als „Freiester Mitarbeiter“ soll Poschardt künftig für mehrere Marken von Axel Springer arbeiten. Genannt werden unter anderem Welt, Bild, Politico und Business Insider. Der Verlag plant mit ihm kurze tägliche Inhalte für soziale Netzwerke, längere Gesprächsformate sowie regelmäßige Texte und Videos.
Für Springer ist die Personalie auch ein Signal in Richtung Creator-Journalismus. Medienhäuser setzen zunehmend auf erkennbare Personen, die nicht nur über klassische Artikel, sondern auch über Videos, Podcasts, Newsletter und soziale Netzwerke Reichweite aufbauen. Poschardt soll künftig offenbar genau diese Rolle ausfüllen.
Poschardts Schritt zeigt, wie stark sich Rollen im Journalismus verändern. Herausgeber, Chefredakteure und Autoren treten nicht mehr nur über ihre redaktionellen Funktionen in Erscheinung. Sie werden zunehmend selbst zu Marken, die über verschiedene Kanäle Publikum binden.
Für Axel Springer kann die neue Rolle Vorteile haben. Poschardt bleibt als prominente Stimme im Haus, ist aber weniger an interne Führungsstrukturen gebunden. Zugleich bleibt offen, wie stark sein Einfluss auf die redaktionelle Linie der Welt künftig noch spürbar sein wird. Formal gibt er seine Herausgeberfunktionen ab. Publizistisch bleibt er dem Konzern erhalten.
Quellen: Axel Springer, Kress, Medieninsider, DWDL.
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