Meyer Werft steckt trotz voller Auftragsbücher tief in den roten Zahlen

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Meyer Werft hat das Krisenjahr 2024 laut einem Bericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung mit einem Verlust von 569 Millionen Euro abgeschlossen. Damit rückt die wirtschaftliche Lage des traditionsreichen Schiffbauers erneut in den Mittelpunkt. Die Werft in Papenburg war 2024 durch den Einstieg des Bundes und des Landes Niedersachsen stabilisiert worden. Beide öffentlichen Anteilseigner übernahmen zusammen rund 80 Prozent der Anteile und stellten 400 Millionen Euro Eigenkapital bereit.

Der hohe Verlust zeigt, wie schwer die wirtschaftlichen Altlasten auf dem Unternehmen lasten. Zugleich ist die Lage nicht nur von roten Zahlen geprägt. Die Meyer Werft verfügt über langfristige Aufträge und arbeitet weiter an einem Sanierungsprogramm, das bis Ende 2028 greifen soll. Besonders wichtig bleibt die Frage, ob die laufenden Projekte künftig wieder verlässliche Erträge bringen.

Meyer Werft Verlust belastet die Sanierung

Der nun genannte Fehlbetrag von 569 Millionen Euro bezieht sich auf das Geschäftsjahr 2024. Eine eigene öffentliche Mitteilung der Meyer Werft mit dieser konkreten Zahl lag zunächst nicht vor. Bereits zuvor waren hohe Verluste und erhebliche Belastungen bekannt geworden. Für 2025 wird laut Bericht ebenfalls ein Verlust in dreistelliger Millionenhöhe erwartet.

Die Ursachen der Krise reichen mehrere Jahre zurück. Während der Corona-Pandemie brach der Kreuzfahrtmarkt ein. Zugleich verteuerten sich Energie, Rohstoffe und Vorprodukte erheblich. Für die Meyer Werft kam erschwerend hinzu, dass im Kreuzfahrtschiffbau ein großer Teil des Kaufpreises üblicherweise erst bei Ablieferung gezahlt wird. Der Bau großer Schiffe muss deshalb über lange Zeit vorfinanziert werden.

Diese Struktur macht die Branche besonders anfällig für Zinsanstiege, Kostensteigerungen und Verzögerungen. Wenn Verträge zu früheren Preisen geschlossen wurden, spätere Kosten aber deutlich höher ausfallen, entstehen hohe Risiken in der Projektkalkulation. Genau diese Mischung hatte die Meyer Werft 2024 in eine existenzielle Krise geführt.

Staatseinstieg sollte eine Insolvenz verhindern

Bund und Land Niedersachsen stiegen 2024 bei der Meyer Werft ein, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Nach damaligen Angaben übernahmen sie gemeinsam rund 80 Prozent der Anteile und investierten 400 Millionen Euro. Zusätzlich wurden Bürgschaften in Milliardenhöhe vorgesehen, um die Finanzierung laufender Aufträge abzusichern.

Die öffentliche Unterstützung wurde mit der Bedeutung der Werft für den deutschen Schiffbau begründet. In Papenburg arbeiten mehrere Tausend Menschen direkt für das Unternehmen. Hinzu kommen zahlreiche Zulieferer und Dienstleister. Für die maritime Industrie gilt die Meyer Werft als einer der wichtigsten Standorte in Deutschland.

Der Staatseinstieg ist nach den bisherigen Vereinbarungen nicht dauerhaft angelegt. Langfristig soll die Werft wieder in private Hände überführt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine stabile wirtschaftliche Entwicklung. Der hohe Verlust im Jahr 2024 zeigt, dass dieser Weg weiterhin anspruchsvoll bleibt.

Neue Aufträge geben der Werft Perspektive

Trotz der tiefroten Zahlen ist die Meyer Werft nicht ohne Zukunftsperspektive. Im Dezember 2025 wurde ein Großauftrag von MSC Cruises bekannt. Vorgesehen sind vier neue Kreuzfahrtschiffe, außerdem bestehen Optionen auf zwei weitere Schiffe. Das mögliche Auftragsvolumen wird mit bis zu zehn Milliarden Euro beziffert.

Für die Werft ist dieser Auftrag zentral. Er sichert Arbeit über viele Jahre und kann dazu beitragen, die Auslastung bis weit in die 2030er Jahre zu stabilisieren. Gleichzeitig lösen volle Auftragsbücher allein nicht das finanzielle Problem. Entscheidend ist, ob die neuen Projekte auskömmlich kalkuliert sind und ob Kosten, Lieferketten und Bauzeiten kontrolliert bleiben.

Gerade im internationalen Kreuzfahrtschiffbau steht die Meyer Werft im Wettbewerb mit großen Werftgruppen aus Europa und Asien. Kunden erwarten technisch anspruchsvolle Schiffe, hohe Effizienz und zunehmend klimafreundlichere Antriebslösungen. Für Papenburg bleibt deshalb nicht nur der Auftragseingang wichtig, sondern auch die industrielle Umsetzung zu tragfähigen Kosten.

Sanierung läuft bis Ende 2028

Die Sanierung der Meyer Werft soll nach bisherigen Angaben bis Ende 2028 laufen. In dieser Zeit muss das Unternehmen Strukturen, Kosten und Abläufe so ausrichten, dass aus den Aufträgen wieder nachhaltige Gewinne entstehen. Dazu gehören eine bessere Projektsteuerung, verlässlichere Kalkulationen und eine Finanzierung, die große Neubauten über mehrere Jahre tragen kann.

An der Unternehmensspitze steht zudem ein Wechsel bevor. André Walter soll zum 1. Juli 2026 die Führung der Meyer Werft übernehmen. Er folgt auf Bernd Eikens. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der das Unternehmen gleichzeitig Verluste verarbeiten, neue Aufträge absichern und Vertrauen bei Kunden, Banken, Beschäftigten und öffentlichen Anteilseignern erhalten muss.

Die kommenden Jahre werden damit zum entscheidenden Test für das Rettungskonzept. Der Verlust von 569 Millionen Euro macht deutlich, wie groß der Sanierungsbedarf bleibt. Die langfristigen Aufträge zeigen aber auch, warum Bund und Land die Werft nicht aufgegeben haben. Zwischen staatlicher Stabilisierung, industrieller Bedeutung und wirtschaftlichem Druck bleibt die Meyer Werft ein zentraler Fall für die Zukunft des deutschen Schiffbaus.

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